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Streitpunkt: Das geplante Selbstbestimmungsgesetz
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Kritik an Psychotherapeutenkammer Verein “Geschlecht zählt“ kritisiert queer-freundliche Resolution

ms - 14.06.2022 - 14:00 Uhr

Die bundesweite Initiative “Geschlecht zählt“ hat jetzt die Bundes-Psychotherapeutenkammer (DPT) scharf kritisiert – die Vereinigung der Psychotherapeuten hatte sich zuvor klar in einer Resolution für den Abbau von struktureller Diskriminierung gegenüber trans-Menschen ausgesprochen. Explizit erklärte die Kammer im Rahmen des 40. Deutschen Psychotherapeutentages im Mai in Stuttgart: „Der Deutsche Psychotherapeutentag begrüßt das Vorhaben der Bundesregierung, das aktuelle Transsexuellengesetz abzuschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen. Das Verfahren zur Änderung des Personen- und Namenstands ist im Interesse transidenter Personen unter Berücksichtigung der langjährigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zu vereinfachen. Der DPT spricht sich dafür aus, dass künftig auch die Änderung des Geschlechtseintrags bei Transidentität über eine Erklärung gegenüber dem Standesamt und nicht länger über ein Gerichtsverfahren mit zwei Gutachten geregelt wird. Der Deutsche Psychotherapeutentag regt zum Schutz des Selbstbestimmungsrechts von transidenten Personen an, den Geschlechtseintrag im Wesentlichen nur vom Geschlechtsempfinden der antragstellenden Person abhängig zu machen.“

Zahlreiche Vertreter aus der LGBTI*-Community begrüßten die Resolution. Die Initiative “Geschlecht zählt“ positioniert sich gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Koalition, welches nach letzten Plänen Menschen ab 14. Jahren via Sprechakt eine Geschlechtsanpassung beim Standesamt ermöglichen soll. Hilde Schwathe von der Initiative wendet sich in einem offenen Brief direkt an die deutsche Psychotherapeutenkammer: „Ihre Organisation befürwortet also ohne Wenn und Aber, dass Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche ohne fachärztliche oder fachpsychologische Begutachtung und Expertise allein durch einen Sprechakt beim Standesamt ihren juristischen Geschlechtseintrag wechseln und für sich über hormonelle und chirurgische Maßnahmen auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen bestimmen können sollen. Daran verwundert, dass Sie Ihre Positionierung nicht aus berufsethischer, dem langfristigen Patientenwohl verpflichteter Perspektive begründen, sondern dafür die Argumente und den Duktus der Transgender-Rechtslobby fraglos übernehmen. Inwieweit dies der Glaubwürdigkeit und Seriosität der Bundespsychotherapeutenkammer zuträglich ist, werden nicht zuletzt Ihre eigenen Mitglieder beurteilen müssen. Bei der Initiative Geschlecht zählt melden sich immer mehr Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die dem Selbstbestimmungsgesetz ablehnend gegenüberstehen.“

Im weiteren Verlauf erläutert die Initiative, warum sie eine Änderung des Personen- und Namensstands ablehnt und welche Folgen eine solche Neuerung in diversen Gesichtspunkten mit sich bringen könnte. Ein finaler Gesetzentwurf für das neue Selbstbestimmungsgesetz liegt indes noch nicht vor, allerdings wurde mehrfach von Seiten von Bündnis 90 / Die Grünen auf die letzten Gesetzentwürfe aus dem Jahr 2021 verwiesen. Im Sommer dieses Jahres will die Ampel-Koalition Details zum neuen Selbstbestimmungsgesetz präsentieren.

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