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Aufsichtsbehörde stellt Met Police unter besondere Beobachtung
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Londoner Polizei unter Generalaufsicht Vorwurf: Massive Homophobie und Rassismus in den Reihen der Polizei

ms - 29.06.2022 - 10:00 Uhr

Für die Londoner Metropolitan Police dürfte diese Nachricht wie ein schwerer Schlag in die Magengrube sein – die oberste Aufsichtsbehörde der britischen Polizei, die Majesty's Inspectorate of Constabulary and Fire and Rescue Services (HMICFRS), stellt die gesamte Met Police unter besondere Beobachtung. Immer wieder sei es in den vergangenen Monaten und Jahren zu struktureller Homophobie und Rassismus gekommen und anscheinend traut die HMICFRS den Londoner Kollegen nicht mehr zu, eigenständig die Situation zu verbessern. Drei Tage vor dem 50-jährigen Jubiläum des Londoner Pride ist die Bekanntmachung der Generalaufsicht ein politischer Paukenschlag in Großbritannien – und aus Sicht der LGBTI*-Community längst überfällig.

Die offizielle Bezeichnung dieser weitreichenden Maßnahme lautet "Engagement-Prozess", wobei die Arbeitsmoral der Ermittler im Fokus steht, wie die Polizeiaufsichtsbehörde gegenüber der Times und dem britischen Telegraph bestätigte. Konkret bedeutet das Verfahren, dass die Londoner Polizei den Inspektoren häufig Bericht erstatten muss, zudem jederzeit auch zur Arbeitsweise in aktuellen Fällen Auskunft erteilen sollte und sich künftig an die Zielvorgaben richten muss, die die HMICFRS definiert. Aktiv will die Polizeiaufsichtsbehörde auch Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Die Überprüfung betrifft nebst der Met Police auch Scotland Yard. Der neue Polizeipräsident der Met, der noch nicht feststeht, muss dann außerdem einen Aktionsplan erstellen, um die Mängel der Polizei zu beheben, und diesen Plan einem Gremium vorlegen, dem das HMICFRS, das Innenministerium und die Polizeibehörde des Großraums London angehören.

Die Generalaufsicht ist zeitlich nicht begrenzt und die HMICFRS bestätigte bereits, dass die Met Police erst dann aus den Sondermaßnahmen entlassen würde, wenn "ausreichende und beständige Verbesserungen" erzielt wurden. Damit Polizeikräfte oder eine Dienststelle überhaupt unter solch besondere Maßnahmen gestellt werden können, bedarf es "erheblichen oder anhaltenden Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeiten sowie massive Hinweise über erhebliche oder lang anhaltende unzureichende Leistungen.“ Matt Parr vom HMICFRS erklärte zudem in einem Schreiben, dass es in diesem Fall "mehrere Beispiele für öffentlichkeitswirksame Vorfälle" gebe, die die Leistung der Polizei zutiefst in Frage stellten und "wahrscheinlich auch eine abschreckende Wirkung auf das öffentliche Vertrauen in die Polizei insgesamt haben."

Umfragen aus dem Jahr 2022 zeigen in der Tat auf, dass das Vertrauen in die Londoner Polizei gerade auch in der LGBTI*-Community zutiefst erschüttert ist, spätestens seit dem Skandal um den Serienmörder Stephen Port, der 2016 vier junge Homosexuelle umbringen konnte, ohne dass die britischen Ermittler eindeutigen Hinweisen aus der Gay-Community nachgegangen war. Erst Anfang der Woche hatte das Unabhängige Büro für polizeiliches Verhalten IOPC erklärt, hier abermals Ermittlungen gegen die leitenden Beamten in dem Fall einleiten zu wollen. In den vergangenen Jahren wurden zudem aber auch immer wieder Berichte von homosexuellen Briten laut, die während Befragungen schikaniert oder homophob und rassistisch angegriffen worden waren, wobei ihre Anliegen selbst außerdem oftmals schlicht ignoriert wurden. Homophobie, Mobbing und Belästigung gehören demnach sowohl in den Reihen der Londoner Polizei wie auch im Umgang nach außen zum Alltag der Beamten.

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