Direkt zum Inhalt
30.000 Dollar im Präzedenzfall wegen falscher Pronomen
Rubrik

Menschenrechtsverletzung 30.000 Dollar im Präzedenzfall wegen falscher Pronomen

km - 08.10.2021 - 16:48 Uhr

Das Menschenrechtstribunal von British Columbia entschied am Mittwoch, dass die Rechte der Restaurantangestellten Jessie Nelson durch die fortgesetzte absichtliche Verwechslung ihres Geschlechts durch ihren Arbeitgeber gemäß dem kanadischen Menschenrechtsgesetz verletzt wurden. Die Entscheidung stuft eine solche absichtliche Verwechslung als Menschenrechtsverletzung nach kanadischem Bundesrecht ein.

"Wie der Name sind auch die Pronomen ein grundlegender Bestandteil der Identität einer Person", sagte Devyn Cousineau, Vertreterin des Gerichts, in der Entscheidung des Tribunals. "Die Verwendung korrekter Pronomen zeigt, dass wir eine Person so sehen und respektieren, wie sie ist. Insbesondere für transsexuelle, nicht-binäre oder andere nicht-geschlechtliche Menschen bedeutet die Verwendung der richtigen Pronomen, dass sie eine Person sind, die gleichermaßen Respekt und Würde verdient. Wenn Menschen nicht die richtigen Pronomen verwenden, wird diese Sicherheit untergraben und sie sind gezwungen, der Welt zu sagen: Ich existiere."

Das Gericht sprach Nelson 30.000 Dollar zu, die von dem Restaurant und den namentlich genannten Tätern zu zahlen sind. Zudem wurde das Restaurant angewiesen, neben einer Pronomenpolitik für alle Mitarbeiter verpflichtende Schulungen zum Thema Vielfalt und Integration durchzuführen. Der Fall stellt die erste echte Anfechtung des Schutzes vor Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität oder des Geschlechtsausdrucks dar, der 2017 vom kanadischen Parlament verabschiedet wurde.

Nelson, die sich als nicht binär und genderfluid identifiziert, reichte die Klage ein, weil ihre Arbeitgeber im Restaurant Buono Osteria sie ständig mit geschlechtsspezifischen Spitznamen bezeichneten, darunter "Schätzchen" und "Schatz", obwohl Nelson sich bemühte zu erklären, warum es für sie persönlich wichtig war, am Arbeitsplatz korrekt geschlechtsspezifisch angesprochen zu werden.

Bei einer Mitarbeiterversammlung, in der sie vorschlug, eine geschlechtsneutrale Sprache für die Gäste des Restaurants zu verwenden, stieß sie auf Widerstand, insbesondere seitens des Geschäftsführers. Nelson wurde kurz nach diesem Gespräch entlassen. Der Manager behauptete, dass Nelson nicht zu den übrigen Mitarbeitern des Restaurants "passte", von denen sich einige für Nelsons Vorschläge ausgesprochen hatten.

Auch Interessant

Deal über 150 Millionen Pfund

Beckham als Botschafter für Katar

David Beckham soll einen 150 Millionen Pfund schweren Vertrag mit Katar unterzeichnet haben, der ihn zum Gesicht des LGBTI*-feindlichen Landes macht.
Gerichtsstreit in Litauen

Debatte um Regenbogen-Zebrastreifen

Die litauische Hauptstadt und ihre Polizei werden sich bald vor Gericht treffen. Der Grund: Ein Fußgängerüberweg in den Farben des Regenbogens.
„Verbrechen an der Menschheit“

Putins Rede gegen trans* Personen

Vladimir Putin hielt eine Rede, in der er trans* Personen attackierte und dafür wie üblich die „traditionellen Familienwerte“ und die Kinder vorschob.
Wegen homosexuellem Gast

Mann tötete seinen Stiefvater

Der 23-jährige Christian A. Smith erschoss seinen Stiefvater, den 43-jährigen Dennis McKenzie, wegen eines Streits um einen homosexuellen Gast.
Hohe Steuern in den USA

Für LGBTI* ist Heiraten manchmal teuer

Da LGBTI*-Ehepaare häufiger kinderlos und daher beide Partner daher voll berufstätig sind, müssen sie in den USA oft mehr Steuern zahlen als Singles.
EMAs in Ungarn

MTVs Botschaft gegen LGBTI*-Hass

Am 14. November finden die MTV Europe Music Awards in Ungarn statt – trotz, oder wohl eher wegen dessen neuesten LGBTI*-feindlichen Gesetzen.
Trauer in der Community

Fotograf Rüdiger Trautsch verstorben

Trauer in der queeren Community. Der Hamburger Fotograf Rüdiger Trautsch ist nach längerer schwerer Krankheit am 20. Oktober 2021 verstorben.
Ihre Ansichten waren zu extrem

LGBTI*-feindliche Organisation verboten

Die menschenverachtende Einstellung des Männer-Staats ging sogar Russland zu weit: Die Organisation wurde als zu radikal und extremistisch verboten.