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Beratung für LGBTI*-Jugendliche via App // © Marius Steffen

Hilfe für LGBTI*-Jugendliche via App Gleichaltrige Queers helfen beim Coming Out

ms - 24.03.2022 - 06:00 Uhr

Heute startet bundesweit der erste Beratungs-Messenger für queere Jugendliche! Iniziiert wurde das Projekt vom COMING OUT DAY Verein aus Köln. Der eingetragene Verein ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und unterstützt seit 2006 Projekte für junge queere Menschen. Zu den prominenten Botschaftern gehören die Kabarettistin Maren Kroymann und Entertainer Thomas Hermanns.

Ziel des Vereins ist es, sich jener Ausgrenzung entgegenzustellen, mit der sich LGBTI*-Jugendliche oftmals gerade zu Beginn ihres eigenen Coming-Outs konfrontiert sehen. Verstärkt werden diese Erfahrungen nach Aussagen des Vereins noch durch Mobbing und Gewalt in der Schule oder mangelnder Akzeptanz und Unterstützung von Seiten der Eltern. Fehlen diese Ansprechpartner, soll die neue App diese Lücke ein Stück weit füllen können.

„Studien und Umfragen belegen, dass Jugendliche in ihrem Coming-Out weiterhin sehr verletzlich sind. LGBTI*-Jugendliche haben ein fünf- bis siebenfach erhöhtes Suizidrisiko, depressive Verstimmungen in dieser Gruppe stiegen während der Pandemie auf 66,9 Prozent, selbstverletzendes Verhalten auf 17,9 Prozent. Jugendliche entdecken im Schnitt mit etwa 13 Jahren, dass ihre sexuelle Identität von der Mehrheit abweicht, aber erst mit 18 Jahren erzählen sie davon das erste Mal einer anderen Person“, so Vorstand Sven Norenkemper. 

Diese Jahre der Unsicherheit und des Versteckens seien dabei oftmals prägende Jahre – manchmal hallen sie ein Leben lang nach. Das größte Problem, so Norenkemper weiter, sei dabei immer wieder, dass diese queeren Jugendlichen „vermeintlich oder tatsächlich keinen anderen Menschen zum Reden haben.“

Wichtigster Punkt bei der neuen App ist der sogenannte Peer-to-Peer-Ansatz, also die Tatsache, dass junge Queers mit Problemen auf ebenso junge, queere, ausgebildete Berater treffen, sodass ein Gespräch auf Augenhöhe möglich ist. Der Schritt hin zur App war für den Verein dabei ein logischer, denn kein anderes Kommunikationsmedium abseits von Chats wird öfter in der jungen Community genutzt. Ein Angebot einfach via Whatsapp kam dabei allerdings nicht in Frage, so Norenkemper:   

„Gerade bei diesem leider oft mit Angst besetzten Thema und den sensiblen Daten war uns der Datenschutz bei der Entwicklung des Angebots besonders wichtig. Klar hätten wir gerne beispielsweise auch einfach WhatsApp genutzt, aber das ist für Beratungs-Chats aus oben genannten Gründen völlig ausgeschlossen. Darum haben wir mit einer Firma, die sich auf genau solche Lösungen spezialisiert hat, unseren Messenger entwickelt.“

Der Messanger mit dem Namen „…und so! - Messenger“ kann im App Store von Apple und im Google Play Store kostenfrei heruntergeladen werden. Das Team der insgesamt zwölf jungen Berater freut sich bereits auf den verstärkten Kontakt mit jungen LGBTI*-Menschen.  Einer davon ist Phoenix (24):

„Ich habe mal gelesen ‚schreiben ist wie denken – nur lauter‘, das gefiel mir sehr gut und ich finde, es beschreibt gut, warum es für queere Jugendliche so wichtig ist, sich auszutauschen, Unterstützung und Akzeptanz zu bekommen und eben nicht alles allein mit sich auszumachen. Ich hätte mir so ein Angebot in meiner Selbstfindung sehr gewünscht!“ 

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