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Kooperationsprojekt für queere Geflüchtete

rubicon e.V. und Caritas Therapiezentrum Kooperationsprojekt für queere Geflüchtete

km - 01.10.2021 - 13:00 Uhr

rubicon e. V. ist eine aus der Community historisch gewachsene und weiter stark Community-verwurzelte LGBTI* Einrichtung mit jahrelanger professioneller Expertise. Verschiedene Angebote im rubicon e. V. vom offenen Treff baraka-a place for international queers, dem Antidiskriminierungsbüro, der Landeskoordination der Antigewaltarbeit NRW nutzen queere Geflüchtete für geschützte Begegnung, Beratung und Unterstützung. Das Caritas Therapiezentrum für Menschen nach Folter und Flucht (CTZ) verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in der psychosozialen und psychologischen Beratung sowie Psychotraumatherapie von traumatisierten Geflüchteten. Die jeweiligen Expertisen beider Einrichtungen sollen nun im Themenfeld zusammengebracht werden, voneinander lernen im Sinne gemeinsamer Kompetenzerweiterungen und Synergieeffekte nutzen. Dafür wird in respektvoller Zusammenarbeit an einem Kooperationsprojekt gearbeitet.
Wie das genau aussieht, welche Ziele dahinterstecken, warum das von großer Bedeutung ist und vieles mehr hat SCHWULISSIMO mit Idán
Sagiv Richter von rubicon besprochen.

Was genau ist das neue Kooperationsprojekt zwischen rubicon e.V in Köln und dem Caritas Therapiezentrum für Menschen nach Folter und Flucht des Caritasverbandes für die Stadt Köln e.V. und was sind die Ziele?
Ziel ist, dass beide Einrichtungen von- und miteinander lernen und zusammen ihre bestehenden und neu zu entwickelnden Beratungs- und Unterstützungsangebote für geflüchtete LGBTI* ausbauen und anpassen. Dieses Konzept wird bis zum Ende des Jahres erarbeitet. Wir möchten die Kompetenzen im Themenfeld LGBTI* in der einen und Trauma in der anderen Organisation ausbauen, um auf diese Weise geflüchtete LGBTI* entlastend und ressourcenorientiert zu unterstützen, um sie in ihrer Resilienz zu stärken.

Warum ist das Projekt von großer Bedeutung und Wichtigkeit?
Das Projekt ist extrem wichtig und notwendig. Queere Geflüchtete erleben öfter traumatische Erfahrungen in Form von Gewalt, sowohl im Heimatland, auf der Flucht als auch in Deutschland, z. B. im Rahmen des Asylverfahrens und in den Gemeinschaftsunterkünften, in denen sie zunächst leben. Aufgrund von Mehrfachmarginalisierung werden LGBTI* Geflüchtete gesellschaftlich mit Diskriminierung, Ausgrenzung, Entfremdung und Isolation konfrontiert und leiden darunter.

Die Zusammenarbeit zwischen CTZ und rubicon ist neuartig und von größter Bedeutung. Erstmals schließen sich zwei sehr unterschiedliche Organisationen zusammen: ein etablierter katholischer Träger und eine säkulare Beratungseinrichtung mit Wurzeln in der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre. Das Synergiepotential der fachlichen Expertise beider Organisationen ist ein Gewinn.
Im Rahmen der Zusammenarbeit werden sich die Organisationen gegenseitig fortbilden, je Organisation mit ihrer Expertise im Themenfeld. Die Mitarbeiter:innen werden sensibilisiert zu den Themen LSBTIQ, Flucht und Trauma, mit dem Ziel dass Klient:innen sicher fühlen.

© VVG
Idán Sagiv Richter © VVG

Ganz plump gefragt: Warum sind geflüchtete LGBTI* traumatisiert – welche Diskriminierung und Gewalt erfahren sie und von wem?
Geflüchtete LGBTI* sind öfter mehrfachtraumatisiert. In vielen Länder werden sie aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität verfolgt und erleben Gewalt, seitens des Staats und LGBTI*-feindlichen Institutionen und Gruppen, sowie seitens der Familie und des direkten sozialen Umfeldes. Andere haben Krieg und gewaltsame Konflikte in ihren Heimatländern erlebt. Viele fliehen, z. B. nach Deutschland. Die Flucht an sich bedeutet schon enormer Verlust.

Das Asylverfahrens erleben geflüchtete LGBTI* als retraumatisierend und damit den Asylprozess als existenziell bedrohlich.
Fast die Hälfte der Gewaltmeldungen an die Landeskoordination der Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben, Schwule und Trans für das Land NRW wurden im Jahr 2020 von Geflüchteten LGBTI*gemeldet.
Mit Rassismuserfahrungen und Ausgrenzung innerhalb der LGBTI*-Szene werden queere Geflüchtete auch noch oft konfrontiert. Einsamkeit, Stress und Angst sind oft für queere Geflüchtete eine folgenschwere Lebensrealität.
Aufgrund der hochbelastenden Erfahrungen müssen viele LGBTI* Geflüchtete lernen, mit den erlebten Traumatisierungen und den daraus resultierenden Symptomen einer PTBS oder anderer Traumafolgestörungen umzugehen.

Was leistet die Beratung und Förderung für die LGBTI*-Community?
Queere Geflüchtete brauchen psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung zur Bearbeitung ihrer Erlebnisse, zur Stabilisierung und um ihre Teilhabe in Deutschland voranzubringen.

Geflüchtete LGBTI* finden in zentralen Bereichen ihres Lebens öfter keinen sicheren Ort, um offen über ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu sprechen und schützen sich durch Schweigen und Verheimlichung. Durch entlastende und vertrauensfördernde Angebote wird ihr Coming-out leichter und die Möglichkeit ihre Sexualität und Geschlechtliche Identität auszuleben.

Die gesamte LGBTI*- Community kann viel von queeren Geflüchteten lernen, vor allem ihre Resilienz und ihr proaktives Streben nach Verbessrung ihrer Lebensrealität. Queere Geflüchtete sind eine Bereicherung für die LGBTI* Community.

Wer kann das Angebot in Anspruch nehmen?
Das Kooperationsprojekt ist im Juni 2021 gestartet und zunächst gefördert im Rahmen einer Personalstelle durch das MKFFI NRW. Im Rahmen dieser Stelle erfolgt die Konzepterstellung sowie eine psychosoziale Beratung für queere Geflüchtete aus NRW im rubicon e.V

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