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Entdeckerziele Serbien: Belgrad & Novi Sad erleben

rb - 31.05.2019 - 07:00 Uhr

Das Land auf dem Balkan ist überraschend: Serbien hat eine wechselvolle Geschichte. Das kann man heute noch spüren. Die Hauptstadt Belgrad erfindet sich jeden Tag neu. Einerseits westlich orientiert, dabei den kulturellen Traditionen verbunden. Novi Sad ist die zweitgrößte Stadt des Landes, es geht entspannter zu als in Belgrad, ein alljährliches Festival zieht die Jugend aus ganz Europa an. Eine aufregende Reise mit vielen Highlights.

Belgrad: Millionenstadt mit Lachfalten

Es ist nicht zu leugnen, dieser Trip ist etwas ganz Besonderes. Denn die Hauptstadt von Serbien hat mich immer fasziniert, so aus der Ferne. Jetzt kann ich mir endlich selbst ein Bild machen. Am Flughafen empfängt mich Dimitrije, Spitzname Dima. Er spricht perfekt Deutsch, und das noch mit breitem bayrischen Akzent. Wie kam es dazu? Er hat lange in München gelebt, dann packte ihn das Heimweh. Dima lacht viel und hat manches zu erzählen. Als gelernter Historiker kennt er viele Details, über die ich staune. Wir fahren erst mal nach Zemun. Dort treffen sich die Belgrader bei schönem Wetter zum Entspannen und Schmausen. Bei einem Rundgang durch die winkeligen Gassen, die vom Flussufer der Donau in die Altstadt führen, erfahre ich, dass Zemun früher ein Grenzort war und sich heute großer Beliebtheit als Ausflugsziel erfreut. Im In-Restaurant Talas, das sich auch „Supermarkt“ nennt, weil man dort ebenfalls Designartikel kaufen kann, nehmen wir einen Snack zu uns. Hier bekomme ich einen Vorgeschmack auf die serbische Küche: Viel gebratenes Fleisch, deftig gewürzt und reichlich portioniert. Aber auch in anderer Hinsicht bringt mich Dima auf den Geschmack. Im Museum für zeitgenössische Kunst, dass wir nach eine kurzen Fahrt in die Innenstadt besuchen, erhalte ich von der Kuratorin Una einen Einblick in die bunte Vielfalt der serbischen Gegenwartskunst. Im vorigen Jahrhundert sind Künstler in die westeuropäischen Metropolen gezogen, haben aus Paris, München und Wien den Stil der Zeit mit nach Hause gebracht und mit eigener Note versehen. Großformatige Gemälde mit ausdrucksstarken Motiven prägen die Ausstellung. Bei strahlendem Sonnenschein besichtigen wir anschließend die gewaltige Festung von Belgrad. Auch hier reges Treiben. Eines fällt mir auf: Die Belgrader haben ein sonniges Gemüt. Es wird viel gelacht, und man fühlt sich gleich selbst in heiterer Stimmung. Die Festung hatte ihre Bewährungsprobe in den Türkenkriegen, war auch danach Schauplatz erbitterter Kämpfe. Auf einer Terrasse zu Donau hin steht das riesige Siegerdenkmal. Ganz Belgrad ist ziemlich riesig, immerhin mit über anderthalb Millionen Einwohnern. Wir schlendern noch ein wenig durch die breite Fußgängerzone, wo Shopping auf hohem Niveau angesagt ist. Auch wenn die Leute hier nicht so viel verdienen, ist der Standard der Geschäfte in Sachen Mode und Design bemerkenswert, die Preise dabei moderat. Im Kongresszentrum Sava Centar sind wir abends mit Aja Jung vom Belgrade Dance Festival verabredet. Sie gibt mir Informationen zum berühmten Festival der Tanzkunst, das hier alljährlich stattfindet. Dann schauen wir uns natürlich auch die Performance der international besetzten Tanzcompagnien an. Es war ein spannender Tag. Jetzt kann ich endlich meinen Koffer im Hotel auspacken. Es ist das Metropol Palace, wo schon Promis aus aller Welt Quartier bezogen haben.

Dima holt mich am nächsten Morgen zu einem Spaziergang ab. Ich möchte gerne einen Wochenmarkt besuchen. Denn es gibt hier natürlich allerhand Spezialitäten zu kosten. In einer Käserei kann ich den cremig-würzigen Kajmak probieren. Man isst ihn als Beilage zu gegrilltem Fleisch oder einfach als Snack auf dem Brot. Nebenan in der Metzgerei hängen prachtvolle Würste, die auch typisch sind. Natürlich gibt es herrlichen Paprika an den Ständen, Pflaumen sind ebenfalls klassischer Bestandteil der serbischen Küche. Damit kann man leckere Knödel machen oder trinkt den Pflaumenschnaps Sliwowitz. Auf dem Weg besuchen wir das ehrwürdige Hotel Moskau, wo die berühmte Kuchenschnitte gleichen Namens serviert wird. Von der Qualität serbischen Bieres kann ich mich anschließend im hippen Lokal Endorfin überzeugen, das im Studentenviertel von Belgrad liegt. Die Jugend trifft sich auch im Design Distrikt. In einem ehemaligen Shoppingcenter haben sich Künstler und Streetfoodies zu einem gemeinsamen Projekt zusammen gefunden, das großen Anklang bei den Einheimischen findet. Angeschlossen ist auch ein Craft Distillery, wo leckere Schnäpse aus eigener Produktion verköstigt werden können. Abends treffen wir uns noch im Bohème-Viertel Skadarlija mit Jelena. Hier sind wohl die besten Traditionsrestaurants von Belgrad zu finden. In gediegenem Ambiente lassen wir den Tag gemeinsam Revue passieren und laben uns an feinen Speisen. Dima zeigt mir auf dem Rückweg zum Hotel noch ein paar Clubs des Nachtlebens der Stadt. Bekannt sind ja die Partyschiffe, die aufgereiht an der Donau liegen. Dima empfiehlt mir auch die weniger touristisch orientierten Lokale, wo Einheimische die Nacht zum Tage werden lassen. Thema Community: Serbien hat zurzeit eine offen lesbische Premierministerin. In Belgrad gibt es ein Kontaktbüro für LGBTI*, dass sich auch um die Organisation des alljährlichen Pride-Events kümmert. Vor einigen Jahren kam die Filmsatire „Parada“ beim serbischen Publikum gut an. Das Thema befindet sich in der politischen Diskussion.

 Novi Sad: Geheimtipp mit europäischer Würdigung

Auf dem Weg nach Norden zur zweitgrößten Stadt des Landes machen wir Station in Sremski Karlovci. Dieses wunderschöne Städtchen mit viel barocker Architektur ist bekannt für seine Kirchen und Lehranstalten. Auch die Weine der Region sind famos. Im Weinkeller Bajilo kann ich mich selbst von der Güte der edlen Tropfen überzeugen. Gegenüber der Kellerei liegt das putzige Gugelhupf-Museum. Auch das eine Spezialität des Ortes. Bevor es weiter geht, besuchen wir noch das Heimathaus von Stjepan A. Seder. Er hat über die Jahre viele Gegenstände aus dem alten Brauchtum der Region gesammelt und stellt diese in einem Bauernhaus aus.

Im Hotel Novi Sad packe ich wieder meinen Koffer aus. Am Abend treffe ich Tihana in der Toster Bar. Hier futtern die Hipster der Stadt ausgiebig gute Burger. Am Tisch sitzt auch Ivana, die das Jugend-Projekt OPENS mit betreut. Novi Sad ist ja nicht nur Europäische Kulturhauptstadt im Jahre 2021, sondern auch in diesem Jahr Europäische Jugendhauptstadt. Das liegt vielleicht mit daran, dass hier das größte Musikfestival Serbiens EXIT alljährlich stattfindet. Ivana berichtet mir von den Aktivitäten ihrer Organisation, die auch Initiativen im Bereich LGBTI* für Jugendliche unterstützt. Mit Bogdanka schlendere ich am nächsten Morgen durch die Fußgängerzone der Altstadt. Vorbei geht es am Café Tesla: Der große Erfinder und Wissenschaftler ist eine serbische Ikone mit Weltruhm. Die Universitätsstadt hat viele schöne Kneipen und schöne Shops, die zum Verweilen einladen. Wir machen Halt in einem Shop für Lederwaren. Bei „Manual“ gibt es Accessoires aus feinstem Material. Im Museum der Provinz Vojvodina lerne ich viel über die Geschichte der Region, von der alten Römern bis heute. Dann knurrt der Magen ein wenig. Im Traditionslokal Sokace darf ich bei der Herstellung von Burek hinter die Kulissen gucken: Das Blätterteig-Gericht wird mit Fleisch, Gemüse oder Käse gefüllt und schmeckt fabelhaft. So gestärkt, geht es weiter auf die Festung. Hier beschallt das besagte Musikfestival von vielen Bühnen die Stadt, und Ateliers von Künstlern haben sich angesiedelt. Wir besuchen das Atelier 61, wo eindrucksvolle Wandteppiche gewebt werden. Dann besuche ich noch die Galerie Matica Srpska, wo es eine eindrucksvolle Sammlung von Gemälden serbischer Künstler der Neuzeit zu bestaunen gibt. Zum Ausklang meiner Reise fahre ich zum Gutshof Salas 137, vor den Toren Novi Sads. Dort begrüßt mich Aleksandar, der hier ein Refugium für Erholungssuchende geschaffen hat. Die ländliche Atmosphäre und vorzügliche Küche machen mir besonders viel Freude, und so fällt mir der Abschied von Serbien nicht leicht. Auf ein Wiedersehen!

Mehr Infos:

www.tob.rs
www.novisad.travel
www.serbia.travel

Belgrad

Novi Sad & Sremski Karlovci

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