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Was bedeutet umweltfreundliches Einkaufen?
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Nachhaltiger Konsum Was bedeutet umweltfreundliches Einkaufen?

km - 18.04.2020 - 12:00 Uhr

Nachhaltigkeit ist ein viel genutztes Wort in der letzten Zeit. Oft in Verbindung gebracht mit dem Klimawandel, Fridays for Future und Greta Thunberg. Doch was bedeutet das eigentlich genau?
Im Bezug auf die Umwelt bedeutet es, dass der Mensch so handeln sollte, dass er die vorhandenen Ressourcen so nutzt, dass die Bedürfnisse gedeckt werden können und gleichzeitig sich der Planet davon regenerieren kann.
Also anschaulich gesprochen, sollte ein Mensch der einen Baum fällt mindesten einen pflanzen, damit sich das System wieder erholt. Wer ein Tier schlachtet wartet bis die Herde sich wieder vermehrt hat und geht dann wieder auf die Jagd. Früher etwas ganz natürliches, doch durch die wirtschaftlichen Interessen der Konzerne, der ansteigenden Weltbevölkerung und deren Ansprüchen wird immer weniger auf die Regeneration geachtet. 

Als Verbraucher kann man natürlich den großen Unternehmen und den Politikern die Schuld geben und auf die Straße gehen und dagegen demonstrieren. Aber man kann auch zusätzlich sein Konsumverhalten ändern und einen stillen Kampf austragen. Wer beides zeitgleich macht erhöht die Chance auf eine Nachhaltige Gesellschaft von der sich unsere Erde erholen kann.

SCHWULISSIMO hat sich für Euch mit dem Thema nachhaltigem Konsum auseinander gesetzt und sich dafür Expertise eingeholt. Katharina Istel ist Referentin für nachhaltigen Konsum beim Nabu (Naturschutzbund Deutschland e.V.).

Nachhaltigkeit und Konsum

Nachhaltig einkaufen kann man nicht nur bei Lebensmitteln, auch Elektro/Technik, Kosmetik, Textil und vieles mehr. Katharina Istel nennt die beiden größten Verbraucher von natürlichen Ressourcen und erklärt auf was man achten sollte: „Die meisten natürlichen Ressourcen verbrauchen wir für Wohnen und Essen. Daher ist ein bewusster Lebensmitteleinkauf gelebter Umweltschutz: Mit dem Kauf von Bio-Lebensmittel, am besten der Bio-Anbauverbände und aus der Region, trägt man dazu bei, die ökologische Landwirtschaft zu stärken. Hier wird auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichtet, die höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar ist niedriger, Gentechnik ist verboten und vieles mehr. Bei Lebensmitteln ist auch wichtig für die Umwelt: tierische Lebensmittel nur bewusst und in Maßen genießen, Lebensmittelverluste vermeiden, frische statt hochverarbeitete Lebensmittel kaufen, loses Obst und Gemüse kaufen statt in der Vorverpackung, Getränke in Mehrweg der Einwegflasche vorziehen, um nur einige Maßnahmen zu nennen.“

Unverpacktläden geben die Möglichkeit plastikfrei einzukaufen und damit verzichtet man auf die Vorverpackungen. Das ist ein erheblicher Punkt, denn allein schon eine 500 Gram Packung Trauben verbraucht achtmal soviel Plastik als eine dünne Plastiktüte.

Unverpackt Laden - Plastikfrei Einkaufen

Warum ist es besser Mehrweg- als Einwegflaschen zu nutzen?
Die Antwort liegt im Unterschied: Mehrwegflaschen haben eine Lebensdauer von circa sieben Jahren. Sie werden wieder befüllt, Glas bis zu 50-Mal und Kunststoff 25-Mal. Allerdings haben die Kunststoffflaschen in Sachen Transport, durch ihr geringes Gewicht eine bessere Ökobilanz.
Einweg wird ebenfalls wiederverwendet, allerdings recycelt und nicht befüllt. Es wird also eine neue Verpackung hergestellt, was für einen höheren Ressourcenaufwand führt. 

Mit dem Kauf von Bio-Produkten unterstützt man aktiv den Klimaschutz, doch ist Bio auch gleich Bio? Auf welche Zertifikate und Siegel sollte man zusätzlich achten?
Katharina Istel hat auch darauf eine Antwort: „Das grüne EU-Bio-Logo bedeutet, dass die gesetzlichen Mindeststandards der EU eingehalten wurden, wann man ein Lebensmittel „bio“ oder „öko“ nennen darf. Strengere Anforderungen haben die so genannten Bio-Anbauverbände wie demeter, Bioland, Naturland und anderen. Bei „fair“ gibt es keine gesetzlichen Mindeststandards. Hier ist das bekannteste Logo das Fairtrade-Siegel von Transfair.“

Einweg-Mehrweg-Recycling

Alles klar, damit wären die Siegel und Zertifikate geklärt. Bedeutet das, dass man in den Bio-Markt seines Vertrauens gehen muss, um die passenden Produkte zu bekommen?
„Bio-Lebensmittel kann man inzwischen auch in den normalen Supermärkten kaufen. Aber es gibt auch viele Initiativen, über die man direkt von den Höfen kaufen kann. Ob Textilien oder Elektrogeräte: für Second Hand Ware gibt es inzwischen diverse Angebote vor Ort oder auch digital. Es gibt Nachbarschaftsinitiativen, über die man sich Dinge ausleihen und teilen kann, um weniger neue Produkte kaufen zu müssen.“, berichtet Frau Istel über die verschiedenen Möglichkeiten nachhaltige Produkte zu erwerben.

Aber sind Bio-Produkte oft nicht auch teurer? Kann sich jeder Umweltschutz überhaupt leisten?

„Dass kommt zum Beispiel ganz darauf an, wie man sich ernährt, bspw. wie viel Fleisch man in der Woche isst, oder wie man sich kleidet, das heißt, ob man jede Woche ein neues Kleidungsstück braucht, oder eben nicht. Ersetzt man heute 1:1 den Fleischkonsum oder den Kleidungskonsum, wird es sicherlich teurer für den eigenen Geldbeutel. Aber zu einem nachhaltigeren Lebensstil gehört auch weniger von allem – so dass es nicht teurer werden muss. Auch ist zu bedenken, dass die Gesellschaft die Umweltkosten beispielsweise für belastetes Grundwasser durch Gülleeinträge gemeinschaftlich tragen muss – das sind dann letztlich auch die Steuerzahler*innen.“

Bio-Produkte für mehr Nachhaltigkeit

Überkonsum ist ein großes Problem. In Deutschland werden nach einer Berechnung des WWF in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Dazu zählen zwar auch Abfälle wie Schalen, Kerne und Knochen, doch wenn man diese abzieht bleiben noch circa 10 Millionen Tonnen. 
Das Erstellen von Einkaufszetteln, verringert die Wahrscheinlichkeit zu viel einzukaufen. Da freut sich der Geldbeutel und die Umwelt: „Kompostieren ist keine Lösung für unser Problem der Ressourcenverschwendung. Das sind eher beliebte Werbesprüche, als dass es tatsächlich ein umweltfreundlicher Entsorgungsweg ist.“, lässt uns die Referendarin wissen. Und auch bei anderen Konsumgütern rät sie: „Lange nutzen, weiter geben, spenden sind bessere Optionen als wegwerfen. Lieber weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Produkte kaufen, anstatt viele Billigprodukte, die schnell kaputt gehen.“

Sollten auch politische Impulse gesetzt werden?

„Das kommt ganz darauf an, welche Konsumbereiche man sich anschaut. Bei der Landwirtschaft müssen die hohen Subventionen für landwirtschaftliche Betriebe endlich viel stärker an Umweltmaßnahmen gekoppelt werden. Bei Elektrogeräten brauchen wir Vorgaben zur Langlebigkeit und zur Reparierfähigkeit, bei Verpackungen brauchen wir gesetzliche Anreize zur Abfallvermeidung, bei der Textilproduktion brauchen wir transparente Lieferketten und eine Sorgfaltspflicht für die Unternehmen und vieles mehr.“

Überkonsum sorgt jährlich für Tonnen von Abfall

In Zeiten von Fridays for Future fragt man sich ob diese Demonstrationen schon Früchte getragen haben, hat sich das Verhalten geändert, durch die mediale Aufmerksamkeit?

„Das werden erst die Daten in einigen Jahren zeigen, ob die öffentliche Diskussion tatsächlich zu einem reduzierten Ressourcenverbrauch führt. Noch steigen die Daten um Abfallaufkommen und zum Ressourcenverbrauch stetig an. Einen Einbruch gab es durch die Finanzkrise 2009, vielleicht wird das durch Corona noch einmal passieren. Aber im Konsumbereich werden bisher Einsparungen an einer Stelle durch neue Trends wieder aufgehoben: Beispiel Fernseher sind immer energieeffizienter geworden und dafür aber viel größer, so dass ihr Energieverbrauch steigt.“

Zusammengefasst:
Achtet bei Eurem Einkauf auf Bio-Produkte beziehungsweise nachhaltige Produkte, gekennzeichnet durch Siegel und Zertifikate. Überlegt Euch vorher genau was ihr braucht und verbraucht, denn was unnötigerweise im Müll landet, schadet der Umwelt und Euren Geldbeutel. Versucht weitestgehend auf Plastik zu verzichten, eine ideale Möglichkeit dafür bieten Unverpacktläden. 
Denkt an Euren Stoffbeutel, wenn ihr das nächste Mal einkaufen geht, so spart ihr Euch die Tüte vor Ort. Wenn es möglich ist kauft Euch Mehrweg, dann müsst ihr auch weniger Pfand bezahlen.

Wenn ihr Vollprofis seid erledigt ihr Eure Einkäufe mit dem Fahrrad oder zu Fuß, wenn ihr die Möglichkeit habt. Abschließend denkt daran, dass Nachhaltigkeit nicht mit dem Einkauf aufhört. Auch die Entsorgung, sprich Mülltrennung und Recycling sind wichtige Pfeiler für den Umweltschutz. Zusätzlich sollten politische Impulse gesetzt werden.
Vielleicht habt ihr ja auch Lust Euch einer Organisation anzuschließen und deren Projekte mit finanziellen Mitteln oder aktiv vor Ort zu unterstützen. 

Fest steht: wir haben nur eine Erde und so sollten wir sie auch behandeln. 

Let's take care of our Planet

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