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Kampagnengruppe Republic fordert: Monarchie abschaffen
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Proteste in Großbritannien Kampagnengruppe Republic fordert: Monarchie abschaffen

co - 12.01.2023 - 10:00 Uhr

Graham Smith ist Geschäftsführer der Organisation Republic, die sich die Abschaffung der britischen Monarchie zum Ziel gesetzt hat. Dafür gibt es laut der Organisation zahlreiche Gründe – nicht zuletzt, dass es gegen jedes demokratische Prinzip verstößt, eine Königsfamilie zu haben. Smith glaubt jedoch auch, dass es im Interesse der LGBTI*-Community ist, das Königshaus abzuschaffen: Er ist überzeugt davon, dass die Community diesem egal ist.

Toxische Institution

„Die Monarchie ist von einer zutiefst konservativen Einstellung durchdrungen“, so Smith gegenüber PinkNews. „Die gekrönte Person ist das Oberhaupt der Kirche von England. Und erst vor ein paar Monaten bestätigte der Erzbischof von Canterbury, dass homosexueller Sex immer noch eine Sünde sei, was eine entsetzliche Aussage ist. Das widerrum ermutigt die Menschen dazu, so etwas wie die Konversionstherapie zu unterstützen.“ Für Smith ist die königliche Familie eine „toxische Institution“: „Ich denke, wir halten an einem zutiefst konservativen Staatsoberhaupt und einer zutiefst konservativen Familie fest – und das in einem Land, das immer aufgeschlossener und liberaler wird.“

Zum Thema LGBTI* nur Stille

Es gibt keinerlei öffentliche Aussagen des britischen Königs Charles III oder der verstorbenen Königin Elizabeth II zum Thema LGBTI*-Rechte oder zu den LGBTI*-feindlichen Gesetzen des Commonwealth. Bisher sprach nur Prinz William – der neue Prinz von Wales und Thronerbe – offen seine Unterstützung für die LGBTI*-Community aus: Im Jahr 2019 sagte er, dass es für ihn „absolut in Ordnung“ wäre, wenn eines seiner Kinder sich als schwul oder lesbisch outen sollte. Dabei beließ er es jedoch.

Der Commonwealth besteht aus Nationen, die aus dem ehemaligen britischen Empire entstanden. Nach dem Tod der Queen wird er von König Charles angeführt. Die meisten Mitgliedsstaaten kriminalisieren LGBTI*-Personen unter Gesetzen, die von der britischen Besatzung durchgesetzt wurden. „Wenn Schweigen stillschweigende Duldung bedeutet, müssen sie eine Menge Fragen darüber beantworten, warum sie sich nicht für LGBTI*-Themen interessieren, wo es doch in so vielen Teilen des Commonwealth um Leben und Tod gehen kann“, so Smith.

LGBTI*-feindliche Thronfolge

Auch an den archaischen Thronfolge-Gesetzen hat sich bislang nichts getan, auch wenn diese 2013 überarbeitet wurden: Wird ein Kind außerhalb einer heterosexuellen Ehe geboren, so wird es in der Thronreihenfolge nicht beachtet. Konkret heißt es im Beschluss, dass eine königliche Ehe nur dann „den Anspruch einer Person auf die Nachfolge der Krone“ begründet, wenn es „eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau“ ist. Um sich für die Thronreihenfolge zu qualifizieren, muss eine Person das direkte Kind beider Ehepartner einer solchen Ehe sein.

Das heißt also, dass eine homosexuelle Person den Thron nicht ihren Kindern vererben kann (außer sie verleugnet ihre Sexualität und geht nur deshalb eine Ehe ein). Das zeige laut Smith, wie zutiefst konservativ die englische Kirche sei und wie sehr sich das von den Gedanken der meisten britischen Menschen unterscheide.

Reaktionen auf Rassismusvorwürfe

Unschön fand Smith außerdem die Art, wie das Königshaus auf die Behauptung von Prinz Harry und Meghan Markle reagierte: Ein Mitglied der königlichen Familie soll darüber sinniert haben, welche Hautfarbe ihr ungeborenes Kind haben würde. Die Reaktion der Monarchenfamilie „spricht Bände“ über ihre „Losgelöstheit vom Rest der Gesellschaft“, so Smith: „Es wirkt fast so, als versuchten, sich selbst grundlegende Anstandsregeln beizubringen und zu lernen, wie man mit Menschen spricht und wie man in der Öffentlichkeit über Menschen spricht. Man sollte meinen, dass wir Leute haben, die diese Dinge bereits verstehen und wissen, wie man sich verhält und die Nuancen von Rassismus und Homophobie und all dem Rest verstehen.“

Geplante Proteste

Republic organisiert zu Charles’ Krönung im Mai Proteste zur Abschaffung der Monarchie: „Dies ist keine Institution, der Ihre Interessen am Herzen liegen. Es ist keine Institution, die überhaupt an Ihnen interessiert ist. Es ist keine Seifenoper. Es geht nicht um die Schlagzeilen der Boulevardpresse. Es ist ein ernstes Problem, und es muss auf dieser Grundlage angegangen werden.“ Dabei müsse man sich „diesen Zirkus“ nicht gefallen lassen, denn er sei „schlecht für Großbritannien, schlecht für unsere Demokratie“. Die Krönung sei eine Gelegenheit dazu, sich dagegen zu wehren und die Monarchie abzuschaffen.

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