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Das Geheimnis von Langzeitbeziehungen
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Das Geheimnis von Langzeitbeziehungen Mythos, Klischee und Wirklichkeit - wie hat eine Beziehung langfristig Bestand?

ms - 26.01.2024 - 17:00 Uhr

Es ist für manche fast ein Mythos und für andere bis heute Ausgangspunkt eines Witzes: Langzeitbeziehungen unter schwulen Männern. Gerne folgt im anschließenden Satz, dass man die gemeinsam verlebten Jahre ähnlich wie bei Hunden mal sieben nehmen müsse, um die tatsächliche Leistung einer solchen Verbindung zu verstehen. Einfach nur ein Klischee oder ist doch etwas dran? Was macht eine schwule Beziehung, die seit Jahren besteht, so besonders? Und was sagen schwule Männer in Langzeitbeziehungen selbst dazu?

 

Das „Wunder“ schwuler Langzeitbeziehungen?

In jungen Lebensjahren definieren einige die gelebte Zweisamkeit bereits dann schon als Langzeitbeziehung, wenn mehr als ein halbes Jahr vergangen ist. Schwule Paare, die mehr als fünf oder zehn Jahre zusammen sind, erleben dabei bis heute oft ein großes Erstaunen ihres Gegenübers, wenn sie ihre gemeinsame Jahreszahl öffentlich benennen. Gerade bei einigen jungen Schwulen stellt sich sogar die große Frage, wie das überhaupt zu schaffen ist. Einmal mehr wird dann gerne die Klischeekiste bemüht – entweder hätten die beiden Männer einfach keinen anderen gefunden oder ihr Zusammenleben entspreche sowieso nur noch einer WG und keiner richtigen Partnerschaft mehr. „Ich bin jedes Mal wieder davon fasziniert, wie gerade auch in der schwulen Community einige Jungs beinahe krampfhaft darum bemüht sind, eine Langzeitbeziehung schlecht zu reden. Am Ende läuft ganz viel wohl schlicht auf Neid hinaus, bei anderen ist es hingegen ein komplettes Unverständnis“, erzählt Daniel, der seit zehn Jahren mit seinem Mann Markus in Berlin zusammenlebt. „Gerade hier in der selbsternannten Regenbogenhauptstadt scheint eine lange Beziehung unter Schwulen seltener zu finden zu sein als ein Sechser im Lotto. Das mag insofern vielleicht sogar stimmen, weil viele schwule Männer aus ganz Deutschland und der halben Welt nach Berlin kommen, um sich gerade auch sexuell auszuleben, die Abenteuerlust ist dort deutlich stärker präsent als der Wunsch nach langfristiger Zweisamkeit. Andererseits gibt es eben trotzdem auch in Berlin oder anderen schwulen Hochburgen wie Köln oder Hamburg Langzeitbeziehungen. Diese permanent in Frage zu stellen, offenbart ein sehr rückständiges Denken, frei nach dem Motto: Alle Schwulen sind so auf Sex fixiert, dass eine Beziehung im Sex-Mekka Berlin gar nicht funktionieren kann. Das ist natürlich Blödsinn, denn am Ende ist es immer die Entscheidung von zwei Menschen. Außerdem gibt es diverse Beziehungsmodelle, die in einer Partnerschaft bestehen können“, gibt Markus zu bedenken.

 

Der Unterschied zwischen schwulen und heterosexuellen Beziehungen? Ein zweiter Penis! Oder ist es doch mehr? © iStock / kirza

Christian ist seit fast zwanzig Jahren mit seinem Ehemann Samuel zusammen, vor fünf Jahren haben sie geheiratet und leben inzwischen im Raum Stuttgart. Sie beide ärgert an den manchmal erstaunten Reaktionen aus dem Bekanntenkreis noch etwas anderes: „Ich erlebe das sowohl bei schwulen wie auch bei heterosexuellen Freunden, da schwingt immer mal wieder noch dieses Klischee mit, Homosexuelle könnten gar keine richtige Beziehung führen. Das ist oftmals gar nicht böse gemeint, sondern beinahe als Kompliment. Schwule leben eben anders und auch anders zusammen, fernab der immer noch klassischen Beziehung zwischen Haus, Hund und Kinderwünsch. Vielleicht spielt je nach Alter auch noch ein wenig die Erfahrungen aus der Vergangenheit mit rein, es ist noch nicht so lange her, als die meisten schwulen Beziehungen nur im kleinsten Kreis oder im Geheimen ausgelebt worden sind, um nicht Ärger mit dem Vermieter, den Nachbarn oder beim Job zu bekommen. Letzteres betrifft ja bis heute rund ein Drittel aller Schwulen. Dieses nötige Versteckspiel, gerade wenn man noch ein wenig weiter zurückgeht und an den Paragrafen 175 denkt, sorgt heute wohl dafür, dass viele eine schwule Beziehung noch immer anders einstufen.“ Christian zitiert dabei gerne auch das frühere Chansonduo Malediva, das auf die Frage nach der Unterschiedlichkeit zwischen schwulen und heterosexuellen Beziehungen antwortete: Ein zweiter Penis.

Wer auf der Suche nach dem
perfekten Traumprinzen ist,
muss Frösche küssen und
bleibt am Ende trotzdem alleine.

Ein zweiter Penis – oder noch was?

Ist es also tatsächlich so einfach? Nicht ganz, denn tatsächlich gibt es einige Unterschiede und Besonderheiten in schwulen Beziehungen, zumindest, wenn man mehreren internationalen Studien glauben möchte. Die Universität in Austin attestierte so schwulen Menschen in Langzeitbeziehungen, dass sie im Durchschnitt weniger Stress als heterosexuelle Paare haben. Mehr noch, kommt es zum Streit, können Schwule besser damit umgehen als Männer und Frauen in Beziehungen. Konkret betont die Studienleitung dabei, dass schwule Männer gemeinschaftlicher miteinander agieren und öfter versuchen, auf die Argumente des Partners einzugehen. Ziel der Studie ist es dabei sogar, heterosexuellen Menschen in Beziehungen anhand von schwulen Paaren aufzuzeigen, wie sie langfristig besser miteinander umgehen können: „Gleichgeschlechtliche Partner einzubeziehen und zu untersuchen, wie sie im Vergleich zu verschiedengeschlechtlichen Ehepartnern zusammenarbeiten, um Stress zu bewältigen, kann uns helfen, besser zu verstehen, wie sich die Geschlechterdynamik in Ehen entfaltet“, so die Soziologie-Professorin Debra Umberson. Warum Schwule anders miteinander umgehen, ist wissenschaftlich gesehen noch ein Feld der Spekulationen. Einige Soziologen sind der Ansicht, dass das eigene Coming-Out bereits einen so dramatischen Einschnitt in das Leben der meisten Homosexuellen darstelle, dass sie mögliche banale Streitigkeiten in einer Beziehung dann nicht überdramatisieren, eben weil sie beide bereits wesentlich essentiellere Lebensfragen durchstehen mussten. Andere Aspekte könnten eine wahrgenommene oder erlebte Diskriminierung von außen sein, die im Inneren mehr zusammenhält, sowie auch ein ehrlicherer und direkter Umgang mit dem Thema Sex. Die meisten homosexuellen Paare können sehr offen über sexuelle Wünsche, Vorlieben oder mögliche offene Partnerschaftsmodelle diskutieren, was in vielen heterosexuellen Beziehungen oftmals noch immer ein Tabu ist. Zusätzlich könnte auch mit hineinspielen, dass Homosexuelle ihre Partnerschaft im Durchschnitt deutlich gleichberechtigter, individueller und fernab von klassischen Rollenmodellen aufbauen können – sie können selbst entscheiden, wie sie konkret leben wollen. Eine Ausgangssituation, die für viele heterosexuelle Paare noch immer schwierig ist, sei es, um den Erwartungen der Familie, tradierten Rollenbildern oder auch den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

 

Gemeinsam Unternehmungen und Ziele sind wichtig für schwule Paare © iStock / svetikd

Doch wenn dem tatsächlich so ist, warum tun sich dann heutzutage trotzdem so viele schwule Männer schwer damit, einen Partner für eine Langzeitbeziehung zu finden? Mehrere Studien der letzten Jahre bestätigen, dass sich durchschnittlich bis zu 90 Prozent der jungen Homosexuellen einen festen Partner wünschen, doch irgendwie klappt es oftmals dann doch nicht – oder nur auf kurze Distanz. Daneben gibt es aber natürlich auch schwule Männer, die bewusst Single sind oder sich nicht festlegen wollen. „Ich glaube, eine einheitliche Antwort kann es hier nicht geben, das liegt immer auch an dem eigenen Lebensweg. Klar gibt es auch ab und an den einen schwulen jungen Mann, der auch Jahrzehnte später noch mit seiner Jugendliebe zusammen ist, in den meisten Fällen würde ich allerdings sagen, dass sich junge Schwule erst einmal ausleben müssen, gerade, wenn sie ihre Homosexualität in ihrer Jugend verstecken mussten. Dann laufen doch die Endorphine Amok und überall sieht man nur sexy Frischfleisch – ich halte es auch für wichtig, diese Phase auszuleben, denn sie macht nicht nur unheimlich viel Spaß, sondern irgendwann relativieren sich dann dadurch auch die Prioritäten im Kopf, man merkt, dass neben sexuellen Abenteuern plötzlich auch andere Aspekte im eigenen Leben an Wichtigkeit zunehmen. Diesen Prozess kannst du aber nur weiterführen, wenn du dich vorher auch ausgelebt hast, ansonsten, denke ich, hast du zumindest unterbewusst immer irgendwie die Befürchtung, etwas Tolles verpasst zu haben – und das blockiert dein Leben dann in der Gegenwart“, so Christian weiter.

 

Mit einem Klick können Schwule
weltweit das bestellen, was sie
wollen, wie sie es wollen. Das
mag für ein Kleidungsstück
klappen, aber bei eine Beziehung
gelingt das selten.

Traumprinzen und Frösche

Ein anderer Aspekt kann dabei auch die Welt der sozialen Medien sein, denn sie suggerieren uns tagtäglich auf diversen Portalen das Bild des perfekten Liebhabers und gerade junge Schwule verfallen nach geraumer Zeit manchmal gerne diesen aufgesetzten Idealvorstellungen, was online zu amüsanten Aussagen führen kann wie jene: „Warum kann ich mich nicht verlieben? Warum gibt es für mich keinen Traumboy? Er sollte mein Alter sein, plus-minus zwei Jahre, Sport treiben, aber auch anderes im Kopf haben, durchtrainiert bitte, gerne Kultur mögen, aber auch Party machen, XXL versatile, treu, am besten dunkelblonde halblange Haare und eine Vorliebe für Urlaube in der Sonne, vor allem gerne Spanien, vegan leben, humorvoll sein und bitte immer rasiert untenrum.“ Solche oder ähnliche Suchanschreiben kursieren online tausendfach und erzeugen bei schwulen Männern, die sich in einer Langzeitbeziehung befinden, oftmals ein Schmunzeln, wie Daniel erklärt: „Das klingt immer sehr schnell nach einem Bestellkatalog. Vielleicht mag das für einige junge Schwule auch selbstverständlich sein, denn in puncto Konsumverhalten sind sie nichts anderes gewohnt – mit einem Klick können sie sich weltweit das bestellen, was sie wollen, exakt so, wie sie es wollen. Das mag für ein Kleidungsstück auch klappen, aber bei eine Beziehung gelingt das selten. Und immer wieder erleben wir im Freundeskreis Jungs, die auch noch diesem Schlankheitswahn nacheifern. Jeder nach seiner Fasson, aber sich so sehr auf ein perfektes körperliches Äußeres zu konzentrieren, macht am Ende sehr einsam. Und nein, das bedeutet nicht, dass man alle körperlichen Aspekte sofort streichen muss, aber zwischen kompletter Verwahrlosung und Adonis-Model gibt es tatsächlich viele Grautöne, man mag es kaum glauben.“ Und sein Ehemann Markus ergänzt: „Außerdem ist diese Fixierung nur auf den Körper bereits in jungen Jahren auf Dauer echt unsexy, bei älteren Schwulen wird es schnell peinlich. In einer Beziehung geht es doch auch darum, so sein zu dürfen, wie man ist, einen Vertrauten an seiner Seite zu haben. Dieser Zustand kann sich aber gar nicht einstellen, wenn ich bei jeder Mahlzeit im Hinterkopf habe, ich darf jetzt bloß nicht zunehmen, weil mein Partner mich sonst nicht mehr mag. Das schafft im Hintergrund einen solchen Druck, dass das sehr schnell zwei Menschen entfremdet. Wie gesagt, natürlich kann man sich pflegen, für den anderen attraktiv bleiben, all das ist möglich, aber eben nicht als maßgeblich entscheidende Bedingung. Mein Mann hat mich schon in allen Zuständen gesehen, auch krank, müde, total fertig oder verkatert. Und unsere Verbindung wird dadurch gestärkt, dass wir beide im besten Sinne auch menschlich sein dürfen, mit all unseren Fehlern. Wer auf der Suche nach dem perfekten Traumprinzen ist, muss Frösche küssen und bleibt am Ende trotzdem alleine.“

 

Gemeinsam miteinander lachen können – ein wesentlicher Punkt für viele Männer in Langzeitbeziehungen! © iStock / fotografixx

Ein Klischee, welches als Gegenargument immer wieder in den Ring geworfen wird, ist dabei die Debatte um Sex – je länger schwule Beziehungen bestehen, desto mehr Paare öffnen ihre Zweisamkeit sexuell, wie zahlreiche Studien aus Deutschland, der Schweiz und auch den USA in den letzten Jahren immer wieder bestätigt haben. Je nach Studie öffneten im Durchschnitt zwischen 30 und 40 Prozent der schwulen Männer in einer Partnerschaft irgendwann ihre Beziehung – das geschieht in unterschiedlichen Modellen, beispielsweise mit der Vorgabe, nur zu dritt mit einem anderen Mann intim zu werden. Andere Regularien legen fest, dem Partner nichts von den sexuellen Abenteuern außer Haus zu erzählen. Zu eigen ist dabei all diesen unterschiedlichen Vereinbarungen, dass der feste Partner immer an erster Stelle steht, die Prioritäten sind klar verteilt. Kann eine Langzeitbeziehung also nur funktionieren, wenn der Sex auch außerhalb des partnerschaftlichen Bettes ausgelebt wird? „So pauschal kann man das nicht sagen, weil auch schwule Männer Individuen sind. Und gerade auch die eigene Sexualität ist etwas, das unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Ich kenne monogame Langzeitbeziehungen unter meinen schwulen Freunden ebenso wie jene, die ihre Partnerschaft sexuell geöffnet haben“, sagt Samuel. Sein Freund Christian ergänzt: „Der große Unterschied zwischen heterosexuellen Paaren ist meiner Meinung nach, dass Schwule auch beim Thema Sex im Durchschnitt ehrlicher miteinander umgehen können und auch offener bereit sind, über sexuelle Wünsche zu reden – egal ob Kuschelsex oder Fetischlust. Wir sind sozusagen bereits zu Beginn an durch unsere Sexualität dazu gezwungen, alsbald beim ersten Kennenlernen klarzustellen, ob man sexuell kompatibel ist – top, bottom, side, versatile, was auch immer. Vielleicht tun wir uns auch bis heute einfacher damit, über Sex zu sprechen, weil wir es geschichtlich betrachtet gewohnt waren, schnell zur Sache zu kommen und Dinge beim Namen zu nennen, Stichwort Klappensex, und weil wir frei von Rollenbildern agieren können. Bei uns muss keiner die sittliche Dame oder den kultivierten Gentleman geben, für den es sich nicht ziemt, über Sex zu reden.“

Diese Ehrlichkeit betonen auch Daniel und Markus mit Blick auf ihre Beziehung und stellen überdies fest: „Bei heterosexuellen Paaren ist die Rollenverteilung ja zumeist sofort klar, er ist der penetrierende Part, sie der empfangende. Und einmal festgelegt, scheint noch immer der Eindruck zu bestehen, das bleibt auf ewig so. Sexualität unterliegt aber einem stetigen Wandel und ich finde es sehr schade, dass so viele heterosexuelle Paare es sich bis heute untersagen, darüber ehrlich zu reden. Sex und unsere Lust daran ändert sich doch, warum darf man darüber nicht sprechen? Und warum ist es ein Tabu, gegebenenfalls anderweitig seiner Lust nachzugehen, wenn es ganz praktisch gesehen in der eigenen Beziehung sexuell nicht mehr passt oder man sich eben auseinandergelebt hat?“ Markus gibt zudem zu Bedenken: „Wir haben das große Glück, dass wir beide bis heute offen für Neues sind, aber das ist doch keine Selbstverständlichkeit. Wenn ich zurückdenke, was für eine Art von Sex ich vor zwanzig Jahren bevorzugt habe und welche neuen Aspekte seitdem mein Sexualleben bereichert haben und ein neuer Teil davon geworden sind, da sind deutliche Unterschiede zu sehen. Ich kann doch aber von meinem Partner nicht erwarten, dass er sich in genau die gleiche Richtung entwickelt. Und tut er es nicht, kann doch nicht die Konsequenz sein, sich deswegen zu trennen, wenn die Partnerschaft sonst sehr gut funktioniert. Wer das ernsthaft denkt, versteht weder etwas von Beziehungen noch von Liebe. Es ist sehr egoistisch, seine Maßstäbe ein Leben lang dem anderen Menschen als Korsett überzustülpen, den man angeblich liebt, und dann zu erwarten, dass er damit zurechtkommt. Und wenn nicht, ist es vorbei. Das ist einfach nur emotionale Erpressung. Und man tut sich auch selbst keinen Gefallen damit, denn man reduziert eine langjährige Partnerschaft auf Sex. Unsere Beziehung geht hundert Mal tiefer, es geht um Vertrauen, echte Partnerschaft und Freundschaft im Leben, gemeinsam diesen Weg gehen zu wollen, eine gegenseitige Unterstützung und viel mehr. Sex ist nur ein kleiner Aspekt daraus, er entscheidet doch nicht allein darüber, wie unser gemeinsames Leben weitergeht oder ob überhaupt!“

Sexualität unterliegt einem stetigen
Wandel und es ist schade, dass so viele
heterosexuelle Paare es sich bis heute
untersagen, darüber ehrlich zu reden.

Wie wichtig ist Sex?

Diese unterschiedliche Entwicklung betont auch Daniel und ergänzt: „Ich bin in den letzten Jahren beim Sex immer dominanter geworden, eine Rolle, die mich immer mehr ausfüllt. Ich kann das bis zu einem gewissen Grad auch mit Markus ausleben, aber nicht ganz, weil das schlicht vom Mindset nicht funktioniert. Ich kann ihn schlecht massiv in die unterwürfige Rolle drängen und zwanzig Minuten später sitzen wir gleichberechtigt am Frühstückstisch. Da müssen wir beide eher lachen. Das heißt nicht, dass wir keinen Sex mehr miteinander haben, den haben wir, aber wir können eben nicht alle Aspekte unserer Sexualität gemeinsam ausleben.“ Wie gut Sex dabei gerade mit steigendem Alter funktionieren kann, bestätigte erst im letzten Jahr eine britische, repräsentative Untersuchung aus London. Die Ergebnisse erstaunten: Im fortgeschrittenen Alter führen viele Homosexuelle ihr bestes Sexleben, gerne auch mit mehreren Partnern und das bis weit in ihre 70er Jahre hinein. Vielleicht hat die Frage nach dem Sex aber auch gar nichts exklusiv mit Schwulen zu tun – der Sexualpsychologe Christoph Joseph Ahlers ist beispielsweise der Auffassung, die offene Herangehensweise beim Thema Sex sei typisch für alle Männer; bei Homosexuellen kommen also bestenfalls nur zwei Gleichgesinnte zusammen.  

Das Geheimnis schwuler Langzeitbeziehungen – was könnte es sein? © iStock / Kar-Tr

Was ist wirklich wichtig?

Bleibt die Frage offen, welches Geheimnis schwule Langzeitbeziehungen umgibt. Warum gelingt ihnen etwas, das anderen versagt bleibt? Gibt es neben den zu hohen Erwartungen und dem Umgang mit dem Thema Sexualität noch weitere Aspekte? „Ich darf bei meinem Mann Mensch sein, mit allem, was dazu gehört – und er bei mir auch. Da gibt es keinen Filter zwischen uns. Wir müssen oftmals im Leben diverse Masken aufsetzen, geben uns anders gegenüber Kollegen im Job oder im Freundeskreis. Bei meinem Mann darf ich einfach ich sein, auch an einem schlechten Tag. Und wir nehmen uns das nie gegenseitig übel. Er ist mein engster Vertrauter und ich denke, die Grundlage ist Kommunikation, Ehrlichkeit und Offenheit. Zudem wissen wir beide darum, dass unsere Zweisamkeit unser Fundament ist, keiner von uns stellt das in Frage. Und auch in Krisenzeiten sind wir beide bereit, für unsere Beziehung zu kämpfen. Auf dieser Basis lässt sich jedes Problem angehen, besprechen und gemeinsam lösen – etwas, das nie funktionieren würde, müsste ich mir bei allem, was ich sage, befürchten, ihn jetzt vielleicht zu überfordern, sodass er seine Koffer packt und geht“, sagt Christian. Und Samuel ergänzt: „Vergeben können, das halte ich für besonders wichtig. Wie Christian sagt, wir sind alle Menschen, wir machen alle Fehler. An manchen Tagen komme ich so genervt von der Arbeit nach Hause, dass ich die erste Stunde oft muffig bin – er kann nicht nur gut damit umgehen, sondern er lässt mir meinen Raum, runterzukommen. Und wenn ich etwas genervt zu ihm sage, weiß er, wie ich es eigentlich meine, ich bin nicht auf ihn sauer, sondern auf den Tag. Trotzdem ist da immer zwischen uns beiden viel Respekt und viel Wertschätzung für den anderen.“

Jungs, so schön kann er gar
nicht sein, so groß kann sein
Penis gar nicht sein, am Ende
ist es der Humor, der in puncto
Beziehung immer die Nase
vorne hat!

„Mit Blick auf Beziehungen gibt es ja so unterschiedliche Sprüche, von ´Gleich und gleich gesellt sich gern ´ bis hin zu ´Gegensätze ziehen sich an´. Ich denke, beides passt für unsere Beziehung. Wir haben beide einige sehr unterschiedliche Hobbys, teilen aber dann auch wieder andere miteinander. Der eine liebt den Sommer, der andere den Winter, doch wir finden Kompromisse, wohin unsere Reise gehen soll. Wir haben gemeinsame Werte und Ziele und ich denke, wir würden beide sagen, dass unser Zuhause da ist, wo der andere ist“, sagt Markus. Und Daniel betont: „Gerade diese individuelle Freiheit finde ich unglaublich wichtig. Wir müssen nicht ständig aufeinanderhängen, wir können stundenlang in unserer Wohnung sein und jeder ist in etwas anderes versunken, ohne dass wir miteinander sprechen. Wir bleiben zwei Individuen. Dann können wir aber auch wieder stundenlang miteinander quatschen. Und spätestens abends ist es für uns beide das Schönste, gemeinsam auf der Couch zu liegen und einen Film anzuschauen, eng aneinander gekuschelt, einfach zu spüren, dass der andere da ist – und es auch bleibt. Und die Dinge, die wir dann gemeinsam tun – wir sind zum Beispiel beide große Thermenfans und Naturfreunde – machen wir mit vollem Herzen zusammen, was uns noch näher zusammenschweißt.“ Alle vier Männer betonen dann abschließend allerdings noch einen ganz besonderen Aspekt, der ein wesentlicher Grundstein ihrer Langzeitbeziehungen ist: Humor. „Wir können herzlich miteinander lachen und machen das praktisch jeden Tag. Und wir können beide auch übereinander lachen, nie abwertend, nie boshaft, immer auf Augenhöhe. Aber das geht nur, wenn auch jeder über sich und seine Nichtigkeiten lachen kann. Dann aber ist Humor großartig in einer Beziehung. So gesehen, bei allen vorschnellen Erwartungen, kann ich für mich sagen, ich könnte niemals mit einem Mann zusammenleben, der keinen Humor hat und sich viel zu ernst nimmt. Jungs, so schön kann er gar nicht sein, so groß kann sein Penis gar nicht sein, am Ende ist es der Humor, der in puncto Beziehung immer die Nase vorne hat!“, bekräftigt Markus mit einem Grinsen.

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