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Bärtige Angelegenheit // © franckreporter
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Apropo Leben Bärtige Angelegenheit

rb - 27.10.2019 - 12:00 Uhr

Ein weiterer Bericht des Alien, der inkognito auf der Erde forscht: „Nun möchte ich den Blick der Hohen Kommission auf eine anderes Phänomen der hiesigen Bewohner richten. Es ist kurios: Die männlichen Erdenbewohner tragen Haare im Gesicht als Zierde. Dies ist insofern interessant, als dass diese Keratingebilde keine weitere Funktion erfüllen. Ihre Wärmfunktion im Winter ist kaum vorhanden, dafür schwitzen die männlichen Wesen damit umso mehr im Sommer. Weitere Nachteile der Haarbüschel im Gesicht betreffen die Hygiene und den Komfort: Essensreste verbleiben entweder auf unbestimmte Zeit in der Mundregion oder müssen mühsam ausgewaschen werden nach den Mahlzeiten. Mir ist ebenfalls von Bewohnern des weiblichen Geschlechts zu Ohren gekommen, dass die durchaus steifen Haare bei erotischen Kontakten nicht immer als angenehm empfunden werden.

Abhilfe könnte geschaffen werden. Es gibt auch Individuen, die in regelmäßigen Abständen mit einer scharfen Klinge oder sogar elektrischen Gerätschaften (siehe anliegende Skizze!) den haarigen Auswüchsen zu Leibe rücken. Dabei kann es allerdings zu Verletzungen kommen. Mit einer alkoholischen Substanz (Formel in Anlage) wird die Infektionsgefahr gebannt. Bei einem Aufenthalt in einem sogenannten Hostel (eine Art Herberge für junge Menschen auf der Wanderschaft) konnte ich beobachten, dass dieser Vorgang oft zu Gesichtsverzerrungen führt. Auf meine Anfrage bei einem Betroffenen bekam ich zur Antwort: „Das tut halt höllisch weh, du Depp!“ Auf die Etymologie des Wortes „Depp“ möchte ich in einem späteren Bericht noch näher eingehen, da mir dieses Wort schon öfters in Konversationen begegnet ist. Es muss noch tieferliegende Gründe haben, warum männliche Menschen sich Haare im Gesicht wachsen lassen. Die weiblichen Menschen haben übrigens im Gesicht kaum Haare. Der Grund dafür ist mir bisher nicht bekannt, wäre also Anlass für weitere Studien.

In einer Blattsammlung aus Papier, die man hier „Buch“ nennt, konnte ich lesen, dass früher schon die Krieger Bärte trugen, damit die Feinde vor ihnen Angst bekommen und weglaufen. Denn der Bart vergrößert das Gesichtsvolumen und wirkt damit wohl erschreckend. Je nach Form des Bartes (Vollformat, Halbformat oder nur an bestimmten Stellen) werden auch bestimmte Teile des Gesichts betont. Männliche Wesen, die nur einen schmalen Bart oberhalb der oralen Öffnung tragen, gelten als besonders intelligent. Männliche Erdlinge, die allerdings eine Behaarung am Kinn tragen, haben den Ruf, sehr wagemutig zu sein. Seit ein paar Jahren gibt es eine Gruppe junger Männer, deren Väter in Garagen Bier gebraut haben. Dies sind die sogenannten „Hipster“. Ihre Väter wurden „Hippies“ genannt. Die haben den Bart wieder modisch werden lassen. Im Gegensatz zu ihren Vätern legen die Hipster allerdings großen Wert auf die Pflege ihrer imposanten Bartgebilde und geben dafür auch finanzielle Mittel aus, in nicht unbeträchtlichem Maße. Sie zeigen wohl mit der Barttracht, dass sie anders sind als die anderen, und möchten dafür auch geachtet werden. In der sozialen Hierarchie stehen deshalb Männer mit Bart zur Zeit sehr hoch. In manchen Berufen sind Bärte nicht sehr verbreitet, wo Umgang mit offenem Feuer üblich ist (z.B. Grillen und Schweißen), da hierbei Brandgefahr besteht. Auffällig ist auch, dass Leiter in politischen Funktionen kaum Bartträger sind. Dieses Phänomen möchte ich unbedingt weiter untersuchen, da es ja für unsere Pläne von immenser Bedeutung ist.


Gesichtsbehaarung

Mit der Pubertät des Mannes wachsen ihm auch Haare im Gesicht. Dafür sind Hormone verantwortlich. In der menschlichen Kulturgeschichte hat der Bart eine soziale, modische und auch religiöse Bedeutung. Der Bart stand früher für Macht und Einfluss, heute mehr für Individualismus und sogar Rebellion. Die verschiedenen Bartformen sind Ausdruck von Zeitgeist und betonen unterschiedliche Gesichtspartien. Auch die Bartfarbe spielt eine Rolle: Ein weißer Bart steht z.B. für Weisheit und Erfahrung.

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