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Umfrage Das Fass ist eindeutig übergelaufen – wovon hast du die Schnauze voll?

vvg - 01.03.2022 - 09:00 Uhr

Mir reicht es, dass in der Szene ständig Respekt eingefordert wird, der Respekt anderen gegenüber aber oft fehlt. Was ich ständig erlebe, ist dieses Fingerpointing auf andere. Da fallen Sätze wie: „Der hat rosa Haare, das sieht doch voll hässlich aus!“, „Guck mal, wie der fette Sack da rumläuft!", „Schau mal, der könnte sich auch mal was Anderes anziehen!“, „Der ist zu alt!“, „Der ist zu dünn!“, „Und der läuft als Transe rum, was soll das eigentlich? Wenn man auf Männer steht, will man doch einen Mann!“... So etwas höre ich sowohl in meinem Bekanntenkreis, als auch bei Gesprächen, die ich mitbekomme, wenn ich unterwegs bin.

Wenn ich selbst akzeptiert werden möchte, wie ich bin, habe ich nicht das Recht, andere zu verurteilen, für das, wie sie sind, wie sich geben oder wie sie sich anziehen. Je nachdem, wer etwas sagt, versuche ich schon, das zu relativieren –etwa mit den Worten: „Der tut doch nichts. Und wenn wir unser Recht auf Individualität wahrnehmen, haben Andere doch auch das Recht!“.

Leider habe ich mich selbst auch schon dabei ertappt, dass ich jemanden beurteilt habe. Man überlegt dabei nicht, was man jemandem damit antun kann. Ich empfinde das in Frankfurt noch extremer als in anderen Großstädten.

Was ich mir wünschen würde? Dass diese negativen Äußerungen und Kritiken aufhören und mehr Bewusstsein in die Szene einzieht, wir miteinander respektvoller und menschlicher umgehen. Warum einige so intolerant sind und andere klein machen müssen, liegt vielleicht daran, dass sie sich selbst von der Gesellschaft nicht voll anerkannt fühlen. Die eigene Diskriminierung, die sie irgendwann einmal erfahren haben, wird weitergeleitet, um selbst besser dazustehen.
Antoine aus Frankfurt

Antoine © VVG
Antoine © VVG

Bis zum 29. Dezember letzten Jahres gab es nach der Wiedereröffnung der Phoenix Sauna noch Planungssicherheit, am 30. nicht mehr. Über Nacht wurde wieder einmal die Coronaschutzverordnung in NRW geändert. Rückwirkend ab Mitternacht durften sogenannte „Swingerclubs und ähnliche Betriebe“ nicht mehr geöffnet sein. Nach Ansicht der Stadt Köln fällt auch die Phoenix Sauna unter diese Regelung, so dass sämtliche Planungen für die Silvesterfeier für die Tonne waren.

Aber aufgepasst! Nur in Köln ist man dieser Ansicht, nicht jedoch in Düsseldorf, Essen, Münster und Dortmund. Dort durfte fröhlich gefeiert werden.

Erst nach zähem Ringen unter Beteiligung von Juristen und Politiker*innen konnte auch in Köln im Januar eine Gleichbehandlung mit den anderen Städten erreicht werden.

Kaum jedoch war die Phoenix wieder geöffnet, bekam sie auch schon Besuch vom Ordnungsamt, welches die sofortige Schließung forderte, obwohl es bei der Kontrolle keinerlei Beanstandungen gab. Das Gesundheitsamt hatte schlicht vergessen, das Ordnungsamt darüber zu informieren, unter welchen Bedingungen die Phoenix öffnen darf.

Während z.B. in Dänemark trotz hoher Inzidenz alle Regelungen aufgehoben wurden, sieht man sich hier in NRW ständigen Regeländerungen, teilweise auch von jetzt auf gleich, gegenüber. So z.B. die Regelung, dass man vom 28. bis 89. Tag nach Ausstellung des PCR-Testes als genesen gilt und somit zusätzlich mit Test Zugang zur Sauna hätte. Viel Spaß beim Rechnen. Hier macht die Phoenix nicht mit. Grundsatz: Einlass nur für Geimpfte!

Statt von oben herab erwarten wir von Stadt und Land Gespräche auf Augenhöhe. Wir brauchen nicht moralinsaure Phantasien, sondern das Anerkennen von Lebensrealitäten. Hierüber können wir dann gerne diskutieren.
Bernt Ide, GF der Phoenix Sauna Köln & Michael Schmidt, Wirtschaftsjurist

Bernt © VVG
Bernt und Michael © VVG

Jetzt reicht‘s! Schnellstens abgeschafft gehört das Transsexuellengesetz. Es sollte durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. Jede trans* Person sollte ohne Hürden und diskriminierende Verfahren für und über sich selbst entscheiden können. Ihre Identität gilt es bedingungslos zu akzeptieren. Die verpflichtenden psychologischen Gutachten zur Feststellung der Geschlechtsidentität sollten wegfallen. Genauso wie das zwangsweise Probejahr. Die Änderungen des Vornamens und des Personenstandes sollten so zügig und unbürokratisch wie möglich von den Behörden realisiert werden. Das würde viel Leid und Demütigungen ersparen. Gleiches gilt für das Abstammungsrecht.

Viele meiner trans* Freund*innen fühlen sich wohl bei ihren behandelnden, fachkundigen und sensiblen Ärzt*innen, haben Vertrauen zu ihnen und werden von ihnen durch den gesamten Transitionsprozess würdevoll begleitet. Häufig mussten sie aber lange nach ihnen suchen und leider gibt es noch viel zu viele „schwarze Schafe“, die trans*, aber auch intergeschlechtlichen Menschen eine bestmögliche Versorgung verwehren.

Besteht Bedarf an zusätzlicher Beratung oder psychologischer Begleitung, so sollten diese Angebote für alle Ratsuchenden in vollem Umfang ermöglicht und sämtliche Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Das gilt für Kinder und Jugendliche genauso wie für Erwachsene. Dazu müssten die Angebote im Bundesgebiet flächendeckend ausgeweitet und noch zielgerichteter auf die Bedarfe von trans*-, inter- und nicht-binären Menschen sowie deren Angehörigen ausgelegt werden.

Selbstverständlich sollten auch die Kosten für sämtliche medizinische Eingriffe übernommen und Hürden schnellstmöglich abgebaut werden. Die häufig langwierigen Auseinandersetzungen mit Krankenkassen sind für viele trans* Menschen einfach nur quälend und nicht wenige müssen bestimmte Leistungen aus eigener Tasche bezahlen, verschulden sich deswegen. Das sollte es zukünftig nicht mehr geben!
Christian Zacharias aus Hannover, Veranstaltungskoordinator der Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU der Deutschen Aidshilfe e.V.

Christian © VVG
Christian © VVG

Mich nervt es momentan, dass sich die Community immer weiter aufteilt. Das erkennt man ganz deutlich an der Veränderung der Regenbogenflagge. Diese war immer ein Symbol für alle Menschen, die sich der Community zugehörig fühlen. Das zu verändern, macht für mich keinen Sinn. Ich bin der Meinung, für die Integration der vielen kleinen Untergruppen brauchen wir kein neues Symbol, wir brauchen ein gemeinsames Symbol für alle, die mit ihrer sexuellen Vielfalt und Identität nicht die „Norm“ sind. Die Regenbogenflagge steht perfekt für die Vielfalt und Toleranz unserer Community. Und da ist es egal, ob ich Fetischmann oder trans* bin – das Zeichen des Regenbogens steht für alle, sogar für alle „Normalen“, die sich mit uns solidarisieren.

Diese Diskussion wird schon über Jahre geführt und aus der Szene und queeren Menschen ist der Zungenschwurbler LGBTIIQ* geworden. Ich frage mich wirklich: Was kommt danach noch?

Die Szene besteht schon ewig aus diversen Gruppen: ob das nun die jungen oder die alten Menschen waren, die femininen oder maskulinen, die Bären, die Fetisch-Affinen oder die Queens – jetzt kommen Gruppierungen hinzu, bei denen es selbst mir schwerfällt, diese zu erklären. Jede*r definiert sich als Individuum*In, das zu kaum einer Gruppe noch dazugehören kann. Das ist traurig, denn eigentlich sollten wir alle gemeinsam die Fahne hochhalten. Je mehr wir uns separieren, desto leichter sind wir angreifbar.

Dass dies ein heikles Thema ist, habe ich schon mitbekommen, denn verschiedene Szenegruppierungen in verschiedenen Teilen Europas sind schon aufeinander losgegangen, weil die neue Fahne nicht aushängt wurde. Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass alle wieder an einem gemeinsamen Strang ziehen …
Henning aus Amsterdam

Henning © VVG
Henning © VVG

Was mich im Moment wirklich stört, ist die Innovations- und Technologieverdrossenheit in der Bevölkerung. Bitte ja nichts am Status Quo ändern, „Kein Windrad vor meiner Haustür!“, „Was ein neuer Kernreaktortyp, der bereits gebrauchte Brennstäbe nochmals abbrennt (Flüssigsalzreaktor)? Nein bitte nicht in Deutschland?“.

Was wir aber allzu oft vergessen: Wer nicht handelt, wird gehandelt. Wenn wir z.B. AKW abschalten, aber nicht genug erneuerbaren Strom produzieren, geben wir die Verantwortung für Kraftwerke an der Grenze ab und haben ein ähnliches, wenn nicht noch ein größeres Risiko. Was wäre Köln z.B. ohne die U-Bahn. War die Bauzeit angenehm? Nicht wirklich, aber es wurde gemacht und noch heute profitiert die Stadt davon, denn nur getrennte Verkehrsträger funktionieren meiner Meinung nach optimal (Vom Einsturz des Stadtarchives reden wir jetzt mal nicht). Auch beim Thema Bahn kann man so manches Mal staunen. Der Bahnverkehr soll besser werden, aber die Strecke nicht vor meiner Haustür verlaufen, auch soll die Bahn noch Gewinne erwirtschaften, gleichzeitig aber die Verkehrswende voranbringen – das kann nicht funktionieren.

Wir sollten endlich einmal verstehen, dass nichts umsonst ist, Innovation und Forschung ist eine Generationenaufgabe, die Geld kosten darf und sogar soll. Lernen kostet entweder Zeit oder Geld, das lernt jeder Unternehmer in den ersten Jahren der Gründung (oder er lernt es nicht und ist irgendwann wieder Angestellter). Zukunftsprojekte sind unbequem, mühsam, teuer und verlangen den Betroffenen sehr viel ab. Aber sie bringen uns zwei oder noch mehr Generationen voran. Deshalb macht es Sinn, sich dieser Aufgabe mit einer Portion Begeisterung zu stellen, nicht nur egoistisch an sich selbst zu denken – sondern an die nachfolgenden Generationen.
Johannes Volk aus Speyer, IT-Unternehmer und tätig im Energieversorgungs-Bereich

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Johannes © VVG

Was mir wirklich auf den Sack geht, betrifft nicht nur Deutschland, sondern leider die ganze Welt: Das Corona-Thema. Für mich reicht es jetzt einfach nach über zwei Jahren, dass man den Menschen dadurch viele Rechte abschneidet – das finde ich nicht in Ordnung. Ist das wirklich noch notwendig? Wir haben viel schlimmere Probleme, die nicht beachtet werden. Ist Corona diese zusätzliche Belastung wirklich wert? Auch wenn man damit Menschen rettet – aber um welchen Preis? Da ist die Verfassung als Toilettenpapier benutzt worden.

Natürlich soll man gegen Corona vorgehen, dabei aber die Rechte der Menschen nur soweit beschneiden, wie es notwendig ist. Und die Menschen nicht unnötig und zusätzlich unter Druck setzen. Jeder kann doch für sich vorsichtig sein, aber diese Bevormundung finde ich nicht in Ordnung. Diese drei G‘s sind für mich die Grenze der Freiheit. Man zwingt Menschen praktisch dazu, sich impfen zu lassen, wenn sie am noch möglichen gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen.

Irgendwann ist mein Maß mal langsam voll. Gegenwärtig steht die dritte Impfung an, bald vielleicht die vierte, aber welche Langzeitnebenwirkung bestehen könnten, weiß kein Mensch. Fakt ist: Auch ein Geimpfter kann das Virus haben und weitergeben. Da hätte man von Anfang an auf einer Impfpflicht bestehen müssen – damit nicht unzählige Virusvarianten entstehen können …

Ich wünsche mir einfach wieder die Freiheit, die ich vor der Coronazeit hatte. Ich habe kein Problem damit, mich testen zu lassen, aber ich lasse mich nicht impfen – nicht, weil ich Angst vor dem Impfstoff habe, sondern weil ich dagegen bin, wie diese Situation regiert wurde. Es ist meine Art des Protestes dagegen.
Lucas aus Duisburg

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Lucas © VVG

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