Direkt zum Inhalt
Anti-LGBTI*-Propaganda
ANZEIGE

Anti-LGBTI*-Propaganda „Die Zeit des Schweigens und der diplomatischen Zurückhaltung ist vorbei.“

ms - 25.03.2024 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die internationale LGBTI*-Organisation Forbidden Colours hat jetzt angekündigt, zeitnah eine Liste von russischen Agenten in Europa veröffentlichen zu wollen, die gezielt in Europa seit geraumer Zeit Anti-LGBTI*-Propaganda betreiben würden, um die LGBTI*-Community zu schwächen. 

Zeit des Schweigens vorbei

Direktor Rémy Bonny erklärte dazu: „Russland hat es schon zu lange geschafft, unsere Gemeinschaft ins Visier zu nehmen, um die europäische Demokratie zu destabilisieren. Die Zeit des Schweigens und der diplomatischen Zurückhaltung ist vorbei. Es ist Zeit zum Handeln. Wir sind solidarisch mit allen LGBTI*-Personen in Russland und auf der ganzen Welt, die für ihr Recht kämpfen, frei und offen zu leben, ohne Angst vor Verfolgung oder Gewalt.“ 

Die Liste könnte auch deswegen pikant sein, weil nicht alle russischen Agitatoren bereits öffentlich bekannt sind, einige von ihnen sollen auch im Hintergrund in Medienunternehmen oder auch in der Politik einiger europäischer Länder aktiv sein. 

Reaktion auf „terroristische LGBT-Bewegung“

Die Ankündigung von Forbidden Colours ist eine direkte Folge der Entscheidung Russlands, die „internationale LGBT-Bewegung“ als extremistisch einzustufen. Zu Beginn des Jahres traten die entsprechenden Richtlinien bereits in Kraft, Ende letzter Woche wurde die „LGBT Bewegung“ offiziell auch in die Liste von extremistischen Terror-Organisationen aufgenommen. 

Die Einstufung erlaubt in Russland nicht nur, willkürlich gegen LGBTI*-Verbände vorzugehen und Mitarbeiter zu verhaften, sondern auch jeden einzelnen Homosexuellen zu überwachen, Bankkonten einzufrieren oder ihn ebenso festzunehmen. Mitarbeiter von LGBTI*-Verbänden erwartet dabei eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren, Einzelpersonen können bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen.  

Verstärkt Razzien in Gay-Clubs

Wie beliebig das Gesetz künftig verstärkt Anwendung finden kann, zeigte bereits ein erster Fall im Januar dieses Jahres: Eine lesbische Frau war inhaftiert worden, weil sie auf ihren privaten Social-Media-Konten eine Regenbogenflagge gepostet hatte. Der Prozess läuft noch, im Ernstfall drohen ihr bis zu vier Jahren Gefängnis. 

Immer wieder war es seitdem auch zu Razzien in Gay-Clubs und schwulen Saunen in Moskau gekommen, zuletzt machte letzte Woche ein Fall aus der Stadt Orenburg Schlagzeilen: Zwei Mitarbeiter der Schwulenbar „Pose“ wurden festgenommen. Der Vorwurf: Im Rahmen einer Dragshow hätten die Betreiber die „Ansichten und Aktivitäten der internationalen LGBT-Bewegung unterstützt“. Bei der Razzia waren die Personalien aller Besucher aufgenommen worden, die sich während der ganzen Zeit mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen mussten.    

Bonny von Forbidden Colours erklärte dazu weiter: „Indem Russland eine ganze Gemeinschaft mit terroristischen Organisationen gleichsetzt, öffnet es der weiteren Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung Tür und Tor. Ich verurteile diese grausame und ungerechtfertigte Maßnahme auf das Schärfste. Dies ist nicht nur ein Angriff auf die LGBTI*-Gemeinschaft, sondern auch auf die universellen Werte der Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde.“ 

EU und Bundesregierung schweigen

Ähnlich wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland oder auch ILGA Europe forderte jetzt auch Forbidden Colours eine Reaktion seitens der EU: „Wir fordern die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten auf, auf diese Provokation mit Nachdruck und Geschlossenheit zu reagieren. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die EU konkrete Maßnahmen ergreift, um Russland für diesen Akt staatlich gesteuerter Homophobie zur Verantwortung zu ziehen. Wir fordern gezielte Sanktionen gegen die Verantwortlichen und eine verstärkte Unterstützung für LGBTI*-Personen innerhalb und außerhalb Russlands“, so Bonny. Weder die EU noch die Bundesrepublik Deutschland haben dazu bisher konkret Stellung bezogen beziehungsweise genaue Maßnahmen verlautbaren lassen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Eklat in Sydney

Proteste gegen LGBTIQ+-Events

Nach Protesten gegen LGBTIQ+-Veranstaltungen droht einer neuen Kulturstätte in einer ehemaligen Kirche in Sydney jetzt die Räumung.
Schule gegen Mobbing

Mailänder Schule ehrt Opfer

Eine Mailänder Schule wird nach Andrea Spezzacatena benannt, der nach homophobem Mobbing Suizid verübte. Die Ehrung soll ein wichtiges Zeichen setzen.
Kampf um Pride in Rumänien

Internationale Kritik an Regierung

Mehr als 120 Organisationen fordern Rumänien auf, den Pride-Marsch in Oradea zu ermöglichen und die Versammlungsfreiheit zu schützen.
Königin zeigt Flagge

Amsterdam feiert Vielfalt

Königin Máxima eröffnet den World Pride 2026 in Amsterdam und setzt damit als erste europäische Königin ein Zeichen für LGBTIQ+-Rechte.
Haftantritt in Chemnitz

Auslieferung nach Deutschland

Die verurteilte Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich ist nach einer Entscheidung tschechischer Behörden jetzt nach Deutschland überstellt worden.
Streit unter Republikanern

Pädophilie-Vergleich vor Gericht

Ein schwuler Republikaner aus Wyoming verklagt Parteikollegen wegen homophoben Diffamierungen und erfundenen Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens.
Unterstützung für LGBTIQ+

Besondere Aktion in England

Eine Hilfsverin in Nordostengland erhält Fördergeld vom Polizeichef, um LGBTIQ+-Menschen nach Hassverbrechen und Anfeindungen zu unterstützen.
Streit um Pronomen

Religiöse US-Eltern vor Gericht

Religiöse Eltern verklagen einen Schulbezirk in Maryland, weil Lehrkräfte ihr Kind ohne ihr Wissen mit männlichem Namen und Pronomen ansprachen.
Indonesien attackiert LGBTIQ+

Einstufung als Terror-Bedrohung

Indonesiens Regierung stuft LGBTIQ+ als nicht-militärische Terror-Bedrohung ein. Menschenrechtsorganisationen warnen vor weiterer Diskriminierung.