Direkt zum Inhalt

Aufstand in der Kirche Immer mehr britische Bischöfe wollen keine Gleichberechtigung!

Von ms - 11.04.2023 - 14:00 Uhr
Aufstand in der Kirche von England
Foto: iStock / coldsnowstorm
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Kirche von England steckt in einem unlösbaren Dilemma: Während die britische Regierung eine zeitnahe Öffnung der Ehe für Homosexuelle im Sinne des britischen Gleichstellungsgesetzes einfordert, erklärten zugehörige Mitgliedskirchen in anderen Ländern wie beispielsweise in Afrika, dass für sie bereits eine Segnung von Schwulen und Lesben zu einem finalen Bruch mit der Mutterkirche in London führen würde.

Keine Sonderrechte mehr für die Kirche?

Zähneknirschend und mit knapper Mehrheit hatte die Kirche von England zuvor während der Generalsynode noch versucht, mit einer Segnungsmöglichkeit für bereits verheiratetet Homosexuelle die Richtlinien der britischen Regierung zu umgehen – auch das vergebens. Besonders heikel dabei: Willigt die Kirche nicht zeitnah ein und erlaubt gleichgeschlechtliche Ehen, will das Vereinigte Königreich der Kirche sämtliche Sonderrechte entziehen – spätestens dann würde die Kirche jedem anderen britischen Verein gleichgestellt werden und müsste sich damit sowieso an das Gleichstellungsgesetz halten.  

Widerstand gegen die Segnung von Homosexuellen

Jetzt droht neues Ungemach – die ersten Geistlichen und Gemeindemitglieder aus Großbritannien erklärten ebenso lautstark, dass auch sie die reine Segnung von Homosexuellen bereits kategorisch ablehnen würden. Ein solcher Vorstoß sei mit der biblischen Lehre nicht vereinbar. In Buckinghamshire will sich so die große Kirchengemeinde weigern, gleichgeschlechtliche Paare in ihren sieben Kirchen zu segnen und ist auch nicht bereit, die Zahlung des jährlichen Beitrags von umgerechnet rund 270.000 Euro an die Diözese Oxford zu leisten.

Ebenso gründete sich in der Londoner City auch eine Gruppe Geistlicher, die eine unabhängige Struktur innerhalb der Kirche einfordert und ihre Forderungen als „Akt des Widerstandes“ bewertet wissen will. Sie erklärten in einem Video: „Da die Bischöfe sich von der biblischen Lehre über Ehe und Sünde entfernt haben, ist eine Veränderung notwendig. Neue Strukturen sind notwendig.“

Radikale Maßnahmen gegen „Segen der Sünde“ gefordert

Zuspruch kommt auch vom Evangelischen Rat der Kirche von England (CEEC), einem konservativen Gremium, das sich jetzt offiziell verpflichtet hat, sich allen Versuchen zu widersetzen, in diesem Jahr kirchliche Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen. Die CEEC ruft die Kirchen in allen Diözesen zu Protesten auf. Mehrere Bischöfe aus Nigeria, Uganda, Südsudan und Ägypten erklärten daraufhin, es bedürfe „radikaler Maßnahmen gegen den Segen der Sünde“. John Dunnett, der Direktor für Strategie bei der CEEC, sagte: „Die Vorschläge der Bischöfe stellen weder diejenigen zufrieden, die eine gleichberechtigte Ehe in der Kirche von England wollen, noch diejenigen, die die biblische und historische Position beibehalten wollen."

Neue Strukturen ohne Geld von der Mutterkirche

Die bekannte britische LGBTI*-Aktivistin Jayne Ozanne, die sich seit Jahren für die Gleichstellung innerhalb der Kirche einsetzt, erklärte: „Die Entscheidung der Synode, die Segnung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu ermöglichen, bestätigt die seit langem bestehende, anglikanische Tradition der Gewissensfreiheit, was bedeutet, dass keiner dieser kleinen Handvoll Geistlicher davon betroffen gewesen wäre.“ Wenn diese trotzdem nun ihre eigenen Strukturen aufbauen wollen, so sollten sie dies gerne tun – finanzielle Zuwendungen seitens der Kirche von England dürfen sie dann aber nicht mehr erwarten.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Die Presse„Vor Scham im Boden versinken“: Audi-Chef Döllner erntet harsche Kritik für Auftritt bei Trump-WahlkampfSüddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstrbb24Queere Demo in Kreuzberg: Mehrere tausend Menschen fordern Schutz queeren LebensAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Eine große Liebe kehrt zurück

Konkubine wieder auf der Leinwand

Chen Kaiges preisgekrönter Film über zwei Peking-Opernstars kommt restauriert ins Kino. Der deutsche Wiederaufführungstermin steht fest.
Großer Preis für Wunnicke

Ihre Romane erzählen queere Liebe

Christine Wunnicke hat den Büchner-Preis erhalten. Mit „Wachs“ und „Missouri“ erzählt sie von ungewöhnlichen Liebesgeschichten.
Boomer ist wieder da!

Erster Clip zum Wentworth-Ableger

Fünf Jahre nach dem Finale zeigt BINGE den ersten Clip zu „Wentworth: Halfway Home“. Boomer startet draußen neu – bis eine Leiche auftaucht.
BBC tilgt Pride-Pins

BBC erklärt Eingriff in Quizshow

Zwei Studierende kritisieren die BBC: Ihre Pride-Anstecker verschwanden aus „University Challenge“. Der Sender verweist auf Richtlinien.
30 Jahre Intersex-Protest

Für das Recht am eigenen Körper

Am 26. Oktober 1996 protestierten intergeschlechtliche Menschen in Boston. Drei Jahrzehnte später geht es weiter um Selbstbestimmung.
Renaissance trifft Hollywood

Verblüffende Ähnlichkeit begeistert

Fotos von „Heated Rivalry“-Star Connor Storrie erinnern verblüffend an Michelangelos David, finden zumindest viele Fans und zeigen sich begeistert.
Wer wird der nächste 007?

Elf Kandidaten im Gespräch

Die Suche nach einem neuen James Bond geht in die entscheidende Phase. Elf LGBTIQ+-Schauspielstars könnten der Agentenreihe ein neues Gesicht geben.
Streit bei Tom of Finland

Finland Gedenkhaus in Gefahr

Nach 40 Jahren droht dem Tom of Finland House in Los Angeles das Aus. Ein Streit um Geld, Kunst und die Zukunft der Stiftung eskaliert.