Direkt zum Inhalt
„Der Angriff zeigt, dass die Community ziemlich intolerant gegenüber anderen Meinungen geworden ist!“
ANZEIGE

Ausschreitungen bei Dyke March in Köln „Der Angriff zeigt, dass die Community ziemlich intolerant gegenüber anderen Meinungen geworden ist!“

ms - 04.07.2022 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Am vergangenen Samstag kam es beim lesbischen Dyke March in Köln zu Ausschreitungen zwischen Lesben und queeren Aktivisten – dabei wurde eine lesbische Frau verletzt. Was war geschehen? Mehrere lesbische Frauen entfalteten in der Nähe des Kölner Doms über einer Unterführung, durch die die Teilnehmer des Dyke Marchs gingen, verschiedene Transparente und eine Regenbogenflagge mit dem Schriftzug “LGB“. Auf einem Transparent stand:  “Lesbe, homosexuell nicht queer“, zudem war die bekannte Lesbenflagge (Labrys Flagge) mit Streitaxt zu sehen. Nach Zeugenaussagen wurden die lesbischen Frauen, darunter auch Mitglieder der LGB Alliance, von rund fünf queeren Aktivisten brutal angegriffen.

Videos von dem Geschehen zeigen, wie versucht wird, einer lesbischen Frau die Regenbogenflagge zu entreißen. Im Umkreis waren rund zwanzig weitere lesbische Frauen, die die Stimmung als “hoch aggressiv“ von Seiten der queeren Aktivisten beschrieben. Auch mehrere Ordnerinnen des Dyke March waren vor Ort, drängten die lesbischen Frauen schlussendlich zur Seite und entfalteten ihr eigenes Banner mit der Aufschrift: “Dykes against Transphobie. Selbstbestimmung jetzt“. Die Transparente der lesbischen Frauen wurden einbehalten und erklärt: „Du kriegst sie wieder, du darfst sie nur nicht zeigen!“ Eine Übergabe erfolgte indes bis heute nicht. Die lesbischen Opfer erstatteten daraufhin inzwischen Anzeige wegen Körperverletzung, Diebstahl, versuchter Diebstahl und Beleidigung bei der Kölner Polizei. SCHWULISSIMO befragte eine der Lesben, die Opfer des Angriffs geworden ist.  

Paula, wie haben du und die anderen lesbischen Teilnehmerinnen die Situation erlebt?

Die Situation wurde als aggressiv erlebt. Es ist komisch, dass man auf einem Dyke* March keine Schilder mit der Duden-Definition von “Lesbe“ tragen darf. Offenbar ist auch “Lesbisch nicht Queer“ angeblich “hasserfüllt“. Es ist krass, dass die Vertreterinnen dieser Auslegung von der “Community“ der Meinung sind, dass sie ihre Sicht der Dinge mit Gewalt durchdrücken können. Und vor allem ist es krass, dass sie offenbar das Gefühl haben, absolut im Recht zu sein. Andere Meinungen und Auslegungen werden nicht mehr gleichzeitig akzeptiert.

Was passierte nach dem Angriff?

Nach dem Angriff haben wir uns erstmal wieder als Gruppe gesammelt und sind ein wenig später dann zur Polizeistation gegangen, da die Polizei vor Ort zu beschäftigt mit einem anderen Zwischenfall war, vermutlich ein Beziehungskrach, sodass sie vor Ort keine Anzeige aufnehmen konnten.

Wie geht es den angegriffenen Frauen jetzt?

Den Frauen geht es bis auf den Schock soweit gut. Eine Frau hat eine leichte Verletzung am Handgelenk.

Wie bewertest du diesen Angriff?

Der Angriff zeigt, dass die “Community“ ziemlich intolerant gegenüber anderen Meinungen geworden ist. Angeblich steht nun LGBTIQ* zu sein synonym für eine bestimmte politische Einstellung. Das Individuum wird nicht mehr betrachtet. Zu sagen, dass Lesben keinen Penis haben, gilt als “unsolidarisch“ und “menschenfeindlich“. Dabei wird sich ohne Bedenken über die persönlichen Grenzen von einigen Lesben und Frauen hinweggesetzt. Wenn eine Lesbe in der LGBTIQ*-Community nicht mehr sagen kann, dass Männer keine Lesben sind, wo kann sie es sonst sagen? Wo kann sie sonst für ihre eigenen psychischen und physischen Rechte eintreten? Und wie kann sich die “Queere Community“ dann noch als Interessenvertretung aufspielen?

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Debatte über LGBTIQ+ in Afrika

Kritik an Frankreichs UN-Plänen

Über 140 LGBTIQ+-Organisationen warnen davor, dass eine internationale UN-Initiative gegen Anti-LGBTIQ+-Gesetze lokale Aktivisten gefährden könnte.
53 Jahre schwule Liebe

Schwules Paar berührt Millionen

Das schwule Paar Allan und Tony sind seit 1973 zusammen – ihre Liebesgeschichte begeistert in diesen Tagen online Millionen Menschen.
Mord an Schwulen in Österreich

Nach tödlicher Tat wächst der Druck

Nach dem Tod eines schwulen Mannes in Niederösterreich verlangen HOSI Wien, SPÖ und Grüne jetzt konkrete Schritte gegen Hasskriminalität.
Empörung um Zwangs-Outing

Schwester von Oylmpia-Sportlerin

Empörung in den USA: Die 16-jährige Schwester der Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Alysa Liu wurde jetzt von einem rechten Medium als trans* geoutet.
Trauer um Carola von Braun

Kämpferin für Ehe-Gleichheit

Carola von Braun war eine prägende Liberale und eine frühe Stimme für die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare. Sie verstarb nun mit 83 Jahren
Eklat um Miss-Wahl in den USA

Titel nach wenigen Wochen weg

Brittany Boltinhouse verliert ihren Titel als Miss North Carolina USA nach Vorwürfen von Rassismus, Homophobie und Transfeindlichkeit.
Zeichen der Solidarität

CSDs verzeichnen viele Teilnehmer

Zwei Wochen nach dem Anschlag in Berlin ziehen CSD-Demonstrationen vielerorts deutlich mehr Menschen an als in den Vorjahren.
Erneute Debatte um Grundgesetz

Frei löst Unions-Widerstand aus

Unionsfraktionschef Thorsten Frei lehnt einen ausdrücklichen Schutz sexueller Identität im Grundgesetz ab und erntet dafür jetzt breite Kritik.
Solidarität nach CSD-Anschlag

Köln und Berlin setzen Zeichen

Köln und Berlin reagierten am Wochenende auf den CSD-Anschlag mit Solidaritätsveranstaltungen. Tausende Menschen forderten Schutz für queeres Leben.