Direkt zum Inhalt
Bitte keine homosexuellen Fußball-Spieler! // © Renata Angerami

Bitte keine homosexuellen Spieler Wer LGBTI* nicht unterstützt, sieht auch kein Problem im Profisport

ms - 01.06.2022 - 13:15 Uhr
Loading audio player...

Die Fanplattform FanQ hat gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland eine repräsentative Umfrage zur Homofeindlichkeit im Fußball durchgeführt. Über 2.300 Fußballfans in Deutschland nahmen an dieser Studie teil und während sich in einigen Punkten zu erwartende Muster offenbaren, überraschen im positiven Sinne die Ergebnisse an anderer Stelle durchaus.  

Für eine differenzierte Betrachtung der Ergebnisse wurden die Befragten dabei in zwei Gruppen eingeordnet: Eine Gruppe sieht sich als Unterstützer der LGBTI*-Community, die andere nicht. Dabei zeigt sich: Die Wahrnehmung von homofeindlichen Vorfällen unterschiedet sich signifikant zwischen den beiden Gruppen. Während rund die Hälfte der Unterstützer (47 Prozent) angaben, im Amateurfußball schon einmal Zeuge von homofeindlichen Vorfällen geworden zu sein, ist es bei den Nicht-Unterstützern nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent). Auch rund um den Profifußball zeigt sich eine ähnliche Verteilung: 54 Prozent der Unterstützer haben hier schon einmal einen homofeindlichen Vorfall wahrgenommen, bei den Nicht-Unterstützern waren es dagegen nur knapp 19 Prozent.

In einem Aspekt sind sich beide Gruppen aber ziemlich einig: Der Deutsche Fußballbund sowie die Deutsche Fußball-Liga zeigen viel zu wenig Engagement im Kampf gegen Homofeindlichkeit im Fußball.

Bei den Unterstützern sind weit mehr als 60 Prozent mit dem Engagement des DFB und der DFL nicht glücklich, bei der zweiten Gruppe zeigt sich auch eine Mehrheit von rund 55 Prozent mit der Arbeit der beiden Organisationen unzufrieden. Zudem herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass homofeindliche Vorfälle vor allem ein Problem im Männerfußball sind (91 Prozent der Unterstützer und 49 Prozent der Nicht-Unterstützer stimmen dem zu) und kaum im Frauenfußball auftreten. Ebenso ist für beide Gruppen mehrheitlich klar, dass sich Fußballprofis zu wenig gegen Homofeindlichkeit einsetzen.

Spannend dabei auch die Frage, wie sich das Coming Out eines Profis auf seine Karriere ausüben würde – für die homofreundliche Gruppe (68 Prozent) ist dies klar mit negativen beruflichen und privaten Konsequenzen verbunden, während die Fußballfans in der homofernen Gruppe mehrheitlich gar keine Meinung haben (45 Prozent) oder denken, es gäbe keine Probleme bei einem Profi-Outing (47 Prozent). Rund die Hälfte der Nicht-Unterstützer (47 Prozent) würde es zudem nicht gut finden, wenn sich ein Spieler in ihrem Club als homosexuell outen würde. Die Unterstützer würden dies indes beinahe einhellig begrüßen. 

Uneins sind sich beide Gruppen so auch sehr deutlich bei der Frage, wie wichtig der Kampf gegen Homofeindlichkeit im Fußball ist – während die Unterstützer darin eine große Priorität sehen (87 Prozent), ist es für Nicht-Unterstützer mehrheitlich (67 Prozent) unwichtig. Bei den Maßnahmen, die ergriffen werden sollten, um dem Hass gegen Homosexuelle im Fußball entgegenzuwirken, zeigt sich klar, dass Nicht-Unterstützer sich mehrheitlich darüber noch gar keine Gedanken gemacht haben, während die zweite Gruppe hingehen konkrete Punkte wie Diversity Trainings, Suspendierungen und Sperren sowie Geldstrafen, LGBTI*-Kampagnen und die Verankerung von Diversität in der jeweiligen Vereinssatzung fordert.

Es gibt also noch immer viel zu tun in puncto Profi-Fußball und Homosexualität und die Leiter der Studie stellen abschließend nüchtern fest: „Noch immer hat sich im deutschsprachigen Raum kein einziger aktiver Fußballprofi geoutet, noch immer gehören homofeindliche Schmähungen leider oftmals zum Alltag.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spin-Off von Heated Rivalry

Spekulationen über neue HR-Serie

Wird es ein Spin-Off der schwulen Hit-Serie "Heated Rivalry" geben, in der es um das schwule Paar Scott und Kip geht? Es gibt erste Anzeichen dafür...
US-Paralympionike Jake Adicoff

Zwei Goldmedaillen bei Olympia

US-Paralympionike Jake Adicoff hat bereits zwei Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, am Wochenende will er zwei weitere gewinnen.
Präzedenzfall in den USA

Gefahr für alle trans* Menschen

Ein US-Bundesgericht hat nun ein Verbot von geschlechtsangleichender Medizin bei erwachsenen trans* Personen bekräftigt. Ein Präzedenzfall für die USA
Schuldspruch in Belgien

15 Jahre Haft für grausame Bluttat

Urteilsspruch: 15 Jahre Haft für drei junge Männer, die 2021 in Belgien einen schwulen 42-Jährigen mittels Grindr in eine Falle lockten und töteten.
Social-Media-Verbot

Bundespräsident Steinmeier dafür

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich jetzt nach Bundeskanzler Merz auch für ein Verbot von Social-Media für Jugendliche ausgesprochen.
Vorfreude auf den ESC 2026

Songs und Bühnenshow stehen fest

Kribbeln im Bauch dank ESC? Jetzt stehen die 35 Songs für 2026 fest und auch die Bühnenshow verspricht ein einmaliges Erlebnis in Wien zu werden.
Urteilsspruch in Augsburg

Haftstrafe für homophobe Schläger

Vier Männer wurden in Augsburg jetzt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie brutal auf ein schwules Paar eingeschlagen hatten.
Missbrauch in der Kirche

93 Millionen Euro für die Opfer

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten fünf Jahren rund 93 Millionen Euro an die Opfer von sexuellem Missbrauch bezahlt.
"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.