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Das Ende einer Legende! Schwule ESC-Fans feiern ein letztes Mal mit Peter Urban

Von ms - 23.03.2023 - 14:00 Uhr
Peter Urban (links) mit Sänger Michael Schulte – Archivfoto
Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen
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Kommentar

So richtig lässt sich bis heute die Faszination von Homosexuellen am ESC nicht begründen, wahrscheinlich ist es eine kunterbunte Mischung diverser Aspekte. Für die einen ist es eine Rückbesinnung in die frühe Jugend, als die Erkenntnis, dass schlecht singende Menschen in verrückten Kostümen auch gefeiert werden können, das erste Erwachen von Pride und Kampfeslust ob der eigenen sexuellen Orientierung entflammte. Für andere war die Musik zumeist so farbenfroh fröhlich und die tanzenden Männer so schonungslos halbbekleidet, dass Träume ob einer anderen besseren homosexuelleren Welt für einen Abend wahr wurden – man bedenke, dass alles geschah in einer längst vergangenen Zeit vor dem Internet, eingerahmt von Käse-Igeln, Chips, Prosecco und europäischen Landesflaggen in Party-Kellern.

Ein Fest für schwule Jungs und Männer

Natürlich darf die schwedische Pop-Band ABBA nicht unerwähnt bleiben, die nicht nur beim ESC vor gefühlt viertausend Jahren ihren Durchbruch feierte, sondern mit ihrer Musik eine ganze Generation unschuldiger Jungs schwul machte. So und nicht anders war es. Inzwischen sind die Jungs wenigstens äußerlich erwachsen geworden, der erste Bartwuchs wich einem grauen Fell und das schwierigste an jenen ESC-Abenden ist es nicht mehr, wachbleiben zu dürfen, sondern schlicht nicht mitten in der Punktevergabe mit Chips im Mund einzuschlafen. Trotzdem, viele schwule Männer lieben den ESC bis heute, feiern die zumeist letzten Plätze von Deutschland und lästern, was das Zeug hält. Die unsichtbaren Drähte der digitalen Welt glühen an diesem Abend regenbogenbunt auf.

25 Jahre Urgestein Urban

Nun müssen wir deutschen schwulen Fans allerdings sehr stark sein. Zwar bleibt uns auch in diesem Jahr Barbara Schöneberger erhalten, die uns am späten Abend erneut erklären darf, warum der deutsche Beitrag zwar der beste war, aber irgendwie das sonst niemand anderes in Europa verstanden hat. Doch die unsichtbare Stimme im Hintergrund, das allwissende ESC-Urgestein Peter Urban (links im Bild neben ESC-Teilnehmer Michael Schulte) hört auf. In diesem Jahr wird er das letzte Mal den ESC moderieren. Seine bissig-bösen und stets wunderbar humorvollen Sprüche machten die Abende erst perfekt und in puncto lästernder Dreistigkeit müsste man ihm längst die Mitgliedschaft der Homosexuellen ehrenhalber verliehen haben.

Zudem, keiner kann so wunderbar in den Beginn von Songs hineinquatschen wie er und uns dabei erneut an jene Jugendtage erinnern, als Moderatoren dies auch bei unserem Lieblingssongs im Radio gemacht haben. Nun aber ließ Urban über seinen Haussender NDR mitteilen: „Ich werde 75, es ist der 25. ESC und das ist ein perfekter Zeitpunkt, um aufzuhören. Und irgendwann hätte es ja sowieso sein müssen.“ Zum ersten Mal griff Urban 1997 zum Kommentatoren-Mikrofon und war seitdem nicht mehr wegzudenken. Nur ein einziges Mal musste er aufgrund von Krankheit aussetzen.

Homosexueller ehrenhalber!

Ansonsten wird beim ESC in knapp zwei Monaten Mitte Mai vieles gleich und manches anders werden. Die 67. Ausgabe des europäischen Gesangswettbewerbs findet im britischen Liverpool statt – als Ersatz für das Gewinnerland die Ukraine, die aus verständlichen Gründen den ESC nicht ausrichten kann. Wieder werden rund 200 Millionen Menschen aus 40 Ländern live dabei sein, für Deutschland kämpft die Hamburger Rock-Band Lord Of The Lost (selten hat ein Bandname besser die Situation Deutschlands beim ESC beschrieben!) mit ihrem Lied „Blood & Glitter“ um den letzten Platz. Ein bisschen Wehmut wird trotzdem aufkommen, wenn die feine Ironie von Urban das letzte Mal in unseren Ohren erklingt. Peter, Danke für all die wunderbaren Jahre! Du bist unser schwuler Mann, ehrenhalber, versteht sich!

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