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Digitaler Hass
Rubrik

Digitaler Hass Im Zentrum der Angriffe sind LGBTI*-Menschen

ms - 25.01.2023 - 14:00 Uhr

Der Hass nimmt in dramatischer Weise zu – in diesen kurzen Worten lassen sich die jüngsten Studienergebnisse von ADL zusammenfassen, einer der führenden amerikanischen Anti-Hass-Organisationen, gegründet bereits 1913, anfangs, um der Diffamierung von Juden entgegenzuwirken. Heute sammelt die Organisation Daten über Extremismus und Bigotterie auch gegenüber anderen Gruppen von Menschen, die im Fokus von Angriffen stehen – ganz weit oben steht dabei derzeit die LGBTI*-Community.

Online-Verstärker füttern Hass-Narrative

Dass der Hass im Internet seit einigen Jahren bereits stark präsent ist, ist keine Neuigkeit – allerdings verzeichnet die ADL seit einigen Monaten einen massiven Anstieg davon auf allen Social-Media-Kanälen. Dabei agieren einige große Anti-LGBTI*-Plattformen inzwischen immer mehr als machtvolle Online-Verstärker, die Kampagnen gegen Homosexuelle und queere Menschen anheizen, mit weiteren falschen Narrativen füttern und so immer mehr den Nährboden für extremistische Aktivisten, Drohungen oder direkter Gewalt in der realen Welt bereiten.

Der US-Hass kommt auch nach Europa

LGBTI*-Organisationen wie GLAAD in den USA sehen darin inzwischen eine der größten Bedrohungen für die LGBTI*-Community. Es ginge dabei schon lange nicht mehr nur darum, LGBTI*-Menschen zu beschimpfen, sondern immer mehr würde versucht werden, Menschen aus der Mitte der Gesellschaft dazu zu motivieren, aktiv und gewaltvoll gegen Schwule, Lesben oder Trans-Menschen vorzugehen. Die Folgen sind bereits jetzt zu erleben – immer öfter kommt es zu Angriffen auf LGBTI*-Menschen oder Clubs und Bars der Community. Dabei beweist das World-Wide-Web auch, dass Hass-Kampagnen nicht in den USA verbleiben, sondern immer öfter auch massive Verbreitung in Europa finden.

LGBTI*-Jugendliche haben immer mehr Angst

Ein weiterer “Nebeneffekt“ ist dabei auch, dass gerade junge LGBTI*-Menschen noch mehr von der Gesellschaft bedrängt werden – die Zahl der depressiven Erkrankungen und Angststörungen innerhalb der Generation Z steigt so immer rapider an. Eingebettet sind die digitalen Hass-Kampagnen in Amerika in reale Gesetzesvorhaben seitens der US-Republikaner, die in vielen Bundesstaaten versuchen, durch Anti-LGBTI*-Gesetze gezielt die Rechte von nicht heterosexuellen Menschen zu beschneiden.  

Hand in Hand mit Rechtsextremisten

Dabei spielt die Handvoll der großen Social-Media-Accounts mit einer großen Zahl von Followern, die die LGBTI*-Community dämonisieren wollen, rechtsgerichteten Kräften direkt in die Hände, so ADL: „Diese Behauptungen werden häufig von großen rechtsextremen Medienpersönlichkeiten aufgegriffen, wodurch sich ihre Reichweite erhöht. Online-Verstärker sind die Hauptakteure in einem Ökosystem des Anti-LGBTI*-Hasses, das Online-Belästigungskampagnen gegen LGBTI*-Personen und -Gruppen antreibt und Erzählungen verbreitet, die extremistische Aktivitäten, Drohungen und sogar Gewalt in der realen Welt inspirieren.“

Zu den großen Hass-Agitatoren online gehört offenbar beispielsweise Libs of TikTok (LoTT), ein Account, auf dem sehr gerne alle Homosexuellen als Kinderschänder (“Grooming“) porträtiert werden. Allein auf Twitter folgen LoTT rund 1,7 Millionen Menschen; die Plattform wird auch gerne immer wieder von homophoben US-Politikern wie Floridas Gouverneur Ron DeSantis zitiert. Die Mär vom Grooming verbreitet auch Blaze Media nach Angaben von ADL sehr gerne.

Neue robuste Nutzungsbedingungen gefordert

ADL bekräftigt dabei eindringlich, wie wichtig es ist, gegen solche Hass-Accounts vorzugehen: „Dazu gehört die Zusammenarbeit mit Social-Media-Plattformen, um robuste Nutzungsbedingungen zu entwickeln und durchzusetzen, die Online-Hass und Belästigung verhindern. Darüber hinaus setzt sich die ADL bei ihren Regierungspartnern für eine Verschärfung der Gesetze gegen Online-Hass ein und berät sich mit Partnern der Strafverfolgungsbehörden, um gegen Online-Hassreden vorzugehen, die zu Gewalt und/oder glaubwürdigen Drohungen aufrufen.“

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