Direkt zum Inhalt
Ein Jahr Ampel-Regierung
ANZEIGE

Ein Jahr Ampel-Regierung Der queer-politische Aufbruch lässt auf sich warten!

ms - 08.12.2022 - 12:19 Uhr
Loading audio player...

Seit genau einem Jahr ist die Ampel-Regierung im Amt – Zeit für den Lesben- und Schwulenverband, eine Bilanz aus Sicht der LGBTI*-Community zu ziehen. Eines stehe dabei schon jetzt fest: Der angekündigte queer-politische Aufbruch lässt auf sich warten.

Viel heiße Luft und wenig Taten?

Henny Engels, Mitglied des Bundesvorstands des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) hält fest:Ein Viertel der Legislatur der Ampelregierung ist vergangen. Mit dem Koalitionsvertrag haben die Koalitionsparteien SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP einen queer-politischen Aufbruch versprochen und zahlreiche Vorhaben zur Verbesserung der Situation queerer Menschen in Aussicht gestellt. Mit der Vorstellung des Eckpunktepapiers für ein neues Selbstbestimmungsgesetz und dem Kick-off zur Umsetzung des Aktionsplans ´Queer leben´ der Bundesregierung sind die ersten Schritte getan. Außerdem hat Bundesinnenministerin Faeser die Dienstanweisung Asyl aktualisiert und hiermit der Anwendung des sogenannten Diskretionsgebots konsequent einen Riegel vorgeschoben. Das ist erfreulich. Trotzdem ist bis heute kein einziges Gesetzesvorhaben aus dem queer-politischen Aufbruch verabschiedet worden.“

Stillstand nach fünf Jahren Ehe für alle?

Bereits mehrfach war in den letzten Wochen auch anderweitig Kritik laut geworden, dass die Ampel-Regierung und gerade auch das zuständige Bundesfamilienministerium zu langsam und träge in puncto LGBTI* agieren würde. Engels vom LSVD dazu: „Noch immer durchlaufen trans Menschen in Deutschland tagtäglich den pathologisierenden, diskriminierenden und teuren Prozess der Personenstandsänderung wegen des sogenannten Transsexuellengesetzes. In einer demokratischen Gesellschaft muss die Grundlage staatlichen Handelns der Schutz der persönlichen Freiheit sein und nicht eine ideologisch aufgeladene Ordnungsvorstellung über Geschlechtszugehörigkeit. Regenbogenfamilien warten seit vielen Jahren auf eine rechtliche Gleichstellung. Fast fünf Jahre nach der ´Ehe Für Alle´ und über zwei Jahre nach Einführung des dritten Geschlechtseintrags ´divers´ fehlt es nun aber noch immer an den erforderlichen rechtlichen Reformen im Familien- und Abstammungsrecht. Die gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Absicherung der Vielfalt an gelebten Familienformen wie Zwei-Mütter-Familien, Zwei-Väter-Familien, Mehrelternfamilien oder Familien mit trans- und intergeschlechtlichen Eltern müssen angegangen werden.“

Wie geht es für LGBTI* weiter mit der Ampel?

Blutspendeverbot im Abseits

Zuletzt geriet auch eine Neujustierung bei den Richtlinien zur Blutspende immer mehr ins Hintertreffen, auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, hatte gegenüber dem ZDF eingeräumt, dass dies derzeit nicht vorrangig behandelt werde. „Durch die aktuelle Gesetzeslage entgehen der medizinischen Infrastruktur immer noch Blutspenden von Männern, die Sex mit Männern haben! Außerdem stehen bis heute längst überfällige Reformen im Antidiskriminierungsrecht aus, wie beispielsweise der flächendeckende Ausbau und die nachhaltige Finanzierung eines Netzwerkes zivilgesellschaftlicher Beratungsstellen gegen Diskriminierung“, so Engels weiter. Noch immer werden schwule Männer im Bereich Blutspende nicht gleichberechtigt behandelt, sondern dürfen erst nach vier Monaten ohne Sex eine Spende abgeben.

Aktionsplan – eine Luftnummer?

Abschließend geht der LSVD und Engels auch mit dem nationalen Aktionsplan hart ins Gericht, der erst vor kurzem von Lehmann selbst vorgestellt worden war – konkrete Zeitpläne hatte der Queer-Beauftragte auch bei der Pressekonferenz nicht nennen können. Zudem: „Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen warten seit einem Jahr darauf, dass die Bundesregierung ihre Versprechen umsetzt! Der Aktionsplan ´Queer leben´ ist hier ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings wurden dort überwiegend Punkte erneut bekräftigt, die bereits im Koalitionsvertrag angekündigt waren. Damit der Aktionsplan auch wirklich Leben verändert, müssen die angekündigten Maßnahmen nun umgesetzt und das heißt natürlich auch finanziert werden. Dafür schlägt der LSVD die Einrichtung eines Sonderfonds vor. Denn die LSBTIQ* Community braucht nicht noch mehr Worte der Hoffnung, sondern Taten und Gesetze, die das Leben in Deutschland für alle freier und damit demokratischer gestalten.“ Eine Reaktion seitens der zuständigen Ministerien sowie von Lehmann selbst steht aktuell noch aus.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.