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Ein schwuler Premierminister

Ein schwuler Premierminister Ein starkes Signal für Schwule und Lesben in Frankreich

ms - 09.01.2024 - 12:40 Uhr

Frankreich bekommt einen schwulen Premierminister – nach dem Rücktritt der bisherigen Premierministerin Élisabeth Borne ernannte Staatspräsident Emmanuel Macron heute den 34-jährigen Franzosen Gabriel Attal zu ihrem Nachfolger – er wird damit zum jüngsten und ersten offen schwulen Regierungschef Frankreichs.

Steile politische Karriere

Attals politische Karriere begann 2012 als Berater und Redenschreiber, seit 2017 ist er Mitglied von Macrons Partei En Marche und wurde als Pariser Abgeordneter in die Nationalversammlung gewählt. Er stieg auf zum Staatssekretär im Bildungsministerium, wurde 2020 Regierungssprecher und 2022 schlussendlich beigeordneter Minister für öffentliche Haushalte im Wirtschaftsministerium. Seit dem letzten Jahr schlussendlich bekleidete er unter Premierministerin Borne das Amt des französischen Bildungsministers.

Ein Politiker für junge Franzosen

Attal wurde auch durch seine YouTube- und Twitch-Kanäle bekannt und steht im ständigen Austausch mit jungen Franzosen. Er setzt sich auch aktiv gegen Mobbing an Schulen ein und machte dies zu einer seiner politischen Prioritäten. Erst vor kurzem erließ er auch neue Richtlinien, die das Tragen von islamischen Kleidungsstücken wie Abayas und Qamis sowie allen weiteren religiösen Symbolen an Schulen untersagt. 

Fremdbestimmtes Coming-Out

Privat war Attal rund sechs Jahre lang bis 2023 mit dem Europaabgeordneten Stéphane Séjourné liiert. Geoutet wurde Attal eher unfreiwillig vor einigen Jahren, als ein ehemaliger Schulkamerad, der Anwalt Juan Branco, die Homosexualität von Attal in einem Buch öffentlich machte. Attal bekräftigte allerdings anschließend, dass ihn das Outing „nicht am Schlafen gehindert“ habe.

Allerdings verstärkten die Erfahrungen rund um sein Coming-Out seinen Einsatz gegen Mobbing: „Es stimmt, dass die sozialen Netzwerke oft ein Grab für anonyme Angriffe sind. Ich erhalte dort jeden Tag Beleidigungen, insbesondere homophobe. Ich habe mich inzwischen an diese Gewalt gewöhnt, für meine Familie ist das aber schwieriger“, so Attal im Closer-Interview. Er stehe voll und ganz zu seiner sexuellen Orientierung, sei aber trotzdem als Politiker nicht bereit dazu, für die Boulevardpresse mit seinem Ex-Mann zu posieren. In ersten Stellungnahmen online auf X zeigte sich die schwule Community Frankreichs heute trotzdem begeistert über die Ernennung von Attal.

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