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Studentenrat in Sachsen-Anhalt erlaubt keinen Einspruch und keine Diskussion
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Erneut Cancel Culture an Uni Studentenrat in Sachsen-Anhalt erlaubt keinen Einspruch und keine Diskussion

ms - 22.07.2022 - 11:00 Uhr

Nachdem in den letzten Wochen die Berliner Humboldt-Universität für ein massives Medienecho und Empörung in weiten Teilen der Gesellschaft auslöste, weil sie nach Androhung von Gewalt von Seiten einer queeren Aktivistengruppe einen Vortrag der Biologin Marie Luise Vollbrecht zum Thema biologische Zweigeschlechtlichkeit kurzzeitig erst gecancelt und schließlich Wochen später auf öffentlichen Druck nachgeholt hatte, wurde nun ein weiterer Fall von Cancel Culture an einer deutschen Universität öffentlich.

Dieses Mal davon betroffen ist der Arbeitskreis Antifaschismus an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Seit rund 27 Jahren setzt sich der Arbeitskreis gegen antiaufklärerische und unwissenschaftliche Tendenzen sowohl von politisch rechter wie von politisch linker Seite ein. Der Arbeitskreis organisierte Jahr für Jahr bis zu sechzig Veranstaltungen, mehrere Ausstellungen, Tagesseminare bis hinzu Filmvorführungen und Konferenzen. Der AK Antifa ist damit einer der aktivsten und der älteste Arbeitskreis des Studentenrats an der Universität in Halle. Nun hat dieser Studentenrat den Arbeitskreis in dieser Woche offiziell aufgelöst. Begründung: Transfeindlichkeit.

Anlass für diese Einschätzung waren zwei Vortragsveranstaltungen im Herbst 2021. Beim ersten Vortrag mit dem Titel “Austreibung der Natur. Zur Queer- und Transideologie“ wurde unter anderem die Gendertheorie von Judith Butler kritisiert. Bereits hier wurde nach Angaben des Arbeitskreises im Vorfeld massiv versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Ein zweiter Vortrag im Oktober beschäftigte sich dann mit der vermeintlichen Homophobie und Frauenfeindlichkeit in der queeren Szene. Gegenüber dem News-Magazin Jungle World erklärte Raik, ein Mitglied der AG Antifa: „Einige Wochen später wurde von der Grünen Hochschulgruppe (GHG), der Juso-Hochschulgruppe und der Offenen Linken Liste (Olli) der Antrag gestellt, unseren Arbeitskreis aufzu­lösen. Diese drei Gruppen sind bestens mit der queeren Szene hier vernetzt. Der Vorwurf, der mantrahaft wiederholt wurde, lautete, wir seien transphob. Dabei ist es schockierend, wie wenig Mühe man sich gibt, diese Vorwürfe zu belegen.“ Auch Anja Kleinky vom AK Antifa betont gegenüber dem Magazin Ruhrbarone: „Unsere Referenten und wir haben immer wieder artikuliert, dass wir die Diskriminierung von Transpersonen verurteilen. Zum Verhängnis wurde uns aber die Kritik des Transaktivismus, was keineswegs transfeindlich ist“. Laut Kleinky wurde der Auflösungsantrag des Arbeitskreises dann kurz und knapp unter Missachtung der eigentlichen, universitären Vorgehensweise vom Studentenrat (Stura) positiv beschlossen – darüber durfte auch nicht diskutiert werden und die Öffentlichkeit war von der Onlinesitzung wie ansonsten üblich ausgeschlossen. “Der Stura als gewähltes Gremium der Studierendenschaft geht hier alles andere als demokratisch vor“, so Kleinky weiter.

Der jetzt aufgelöste Arbeitskreis erklärte in einem offiziellen Statement via Facebook auch, dass dieses Vorgehen kein spezifisches Problem in Halle, sondern ein weltweites Phänomen an immer mehr Universitäten sei: „Wir sehen die Auflösung des AK Antifa in einer Reihe mit dem Rücktritt der Philosophin Kathleen Stock, die von Transaktivisten so lange denunziert und terrorisiert wurde, bis sie sich im Oktober 2021 gezwungen sah, ihre Professur an der Universität Sussex niederzulegen, und der Absage des Vortrags der Biologin Marie-Luise Vollbrecht im Juli dieses Jahres an der Humboldt-Universität in Berlin. Sie ist Ausdruck des autoritären Bedürfnisses von Vertretern einer postmodernen Linken, die unter dem Vorwand, für die Rechte von Minderheiten einzutreten, die Meinungsfreiheit und die akademische Freiheit in einem Maß einschränken wollen, das die Grundlagen des – nicht nur – akademischen Pluralismus berührt.“ Und Raik aus dem Arbeitskreis ergänzt im Interview: „Es ist eine besonders autoritäre Abwehr von Kritik. Mehr noch: von Auseinandersetzung, Diskussion und Denken überhaupt. Mir würde spontan kein anderer Begriff als Cancel Culture für dieses Vorgehen einfallen.“

Zuspruch gab es seit Bekanntwerden der Auflösung von zahlreichen anderen Studentengruppen und Arbeitskreisen, die sich teilweise mit ähnlichen Situationen auseinandersetzen müssen. Solidaritätsbekundungen kamen so beispielsweise auch aus Berlin, Leipzig oder Pirna. Der AK Antifa will zeitnah die beiden Vortrage in Schriftform veröffentlichten, um den Nachweis zu erbringen, dass die verschiedenen Vorwürfe haltlos seien. Zudem kündigte der Haller Arbeitskreis an, weiterarbeiten zu wollen und bittet auf seiner Facebook-Seite um Spenden. 

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