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Eskalation in Uganda

Eskalation in Uganda Lesbisches Paar droht drakonische Straffe wegen einem Kuss

ms - 17.03.2026 - 12:00 Uhr
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Erst im Februar war ein lesbisches Paar in Uganda aufgrund von Küssen in der Öffentlichkeit verhaftet worden. Anfangs gewährte das Gericht ihnen die Freilassung auf Kaution, nun sollen die beiden jungen Frauen ein zweites Mal beim Küssen gesehen worden sein – im Falle einer Verurteilung droht ihnen nun eine lebenslange Haftstrafe bis hin zur möglichen Todesstrafe für „wiederholte Homosexualität“. Grundlage ist das strenge Anti-Homosexuellengesetz von 2023. 

Lesbisches Paar bleibt in Haft

Die 22-jährige Wendy Faith und die 21-jährige Alesi Diana Denise waren bereits Mitte Februar in der nordwestugandischen Stadt Arua festgenommen worden. Nach Angaben von Regionalmedien wurden sie von lokalen Bürgerwehren beobachtet, die die Polizei informierten. Faith ist als Musikerin unter dem Namen Torrero Bae bekannt. Nach mehr als einer Woche in Polizeigewahrsam wurden die beiden dann einem Gericht vorgeführt und wegen Verstoßes gegen das Anti-Homosexuellengesetz angeklagt. Ein Gericht gewährte ihnen zunächst Kaution, doch nur wenige Stunden später wurden sie erneut festgenommen und wieder in Haft genommen – angeblich sollen die zwei Frauen erneut beim Küssen gesehen worden sein. 

Bei einem weiteren Gerichtstermin am gestrigen Montag wurde ihnen deswegen nun die erneute Freilassung auf Kaution verweigert. Sie bleiben nun bis mindestens Anfang April in Haft. Unterstützung von ihren Familien bekommen sie nicht, diese lehnen Homosexualität ab. Der stellvertretende Stadtkommissar von Arua, Job Richard Matua, drohte den zwei Frauen dabei ganz direkt bereits Konversionstherapien an, angeboten von einer katholischen Einrichtung im Land: „Wir haben kulturelle Führer, religiöse Autoritäten und Berater zusammengebracht, um diese Mädchen zu rehabilitieren.“

Beweislage dünn

Vertreter von Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen scharf und sehen darin eine gezielte Repression gegen sexuelle Minderheiten. Ein Sprecher der Aktivistengruppe Kuchu Times erklärte: „Wir betrachten diese erneute Festnahme nicht als einen isolierten juristischen Vorgang, sondern als einen systematischen Versuch, den Geist homosexueller Uganderinnen und Ugander zu brechen. Die Taktik der ‚Drehtür-Festnahmen‘ wird häufig eingesetzt, wenn die Beweislage dünn ist, um Betroffene ohne Gerichtsverfahren in einem Kreislauf der Inhaftierung zu halten – sei es, um weitere Ermittlungen zu rechtfertigen oder eine feindselige Öffentlichkeit zufriedenzustellen.“

Auch der ugandische LGBTIQ+-Aktivist Hans Senfuma erklärte: „Sie sind keine Kriminellen. Küssen ist kein Verbrechen. Wendy und Diana, die beiden jungen unschuldigen Frauen, sehen sich in Uganda einer lebenslangen Haftstrafe gegenüber, und ihr einziges ‚Verbrechen‘ ist ein Kuss. Es ist sehr enttäuschend, dass Homophobe sie zudem in eine sogenannte Konversionstherapie drängen wollen, die für sie schädlich und gefährlich sein kann. Freiheit für Wendy und Diana! Liebe ist kein Verbrechen!“ Und Frank Mugisha, Leiter der Organisation Sexual Minorities Uganda, forderte die Behörden auf, die Anklage sofort fallen zu lassen: „Sie haben kein Verbrechen begangen und gehören zu ihren Familien und Freunden, nicht ins Gefängnis. Lassen Sie alle Anklagen fallen und heben Sie das ugandische Anti-Homosexuellengesetz auf!“ Mehrere queere Aktivisten bemühen sich derzeit außerdem um ein kanadisches Visa für die zwei Frauen

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