Direkt zum Inhalt
LGBTI*-Verein Stonewall will Universität Oxford erpressen

Forderung nach Sprachverbot „Hier ist eine Lobbygruppe, die der Verwaltung befiehlt, ihre Politik ohne die übliche Kontrolle zu ändern!"

ms - 16.09.2022 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die britische LGBTI*-Organisation Stonewall ist seit Monaten massiver Kritik ausgesetzt, weil der älteste und früher hochrenommierte Verein für einstmals Schwule, Lesben und Bisexuelle in den letzten Monaten immer radikaler in seinen Ansichten und Forderungen zu werden scheint. Sowohl private Unternehmen wie auch staatliche Einrichtungen und mehrere britische Ministerien haben ihre finanzielle Unterstützung inzwischen eingestellt. Im Kernpunkt der Kritik ist der extreme Einsatz für Trans-Themen, der anscheinend weder Widerspruch noch Kritik zulässt. Zudem soll die LGBTI*-Gruppe auch immer wieder politisch massiven Druck ausgeübt haben.

Ein besonders dreister Fall von möglicher Erpressung hat nun die britische Times aufgedeckt: Stonewall forderte demnach von der Universität Oxford, Mütter in allen Dokumenten nicht mehr mit dem weiblichen “sie“ zu beschreiben. Die Drohung der LGBTI*-Organisation: Nur durch ein Folgeleisten könne die Bildungseinrichtung einen höheren Platz auf der umstrittenen Arbeitgeberliste erhalten – einmal im Jahr veröffentlicht Stonewall eine selbst erstellte Rankingliste der einhundert beliebtesten Arbeitgeber im Vereinigten Königreich. Stonewall forderte die Universität zudem auf, mehr über LGBTI*-Themen auf ihren offiziellen Social-Media-Konten zu posten, wenn sie ihre Platzierung auf der jährlichen Stonewall-Liste verbessern wolle.

Die Zusammenarbeit mit Stonewall scheint der Universität anscheinend peinlich gewesen zu sein, denn die Leitung der hochdekorierten britischen Bildungseinrichtung hatte bis zuletzt versucht, ihre Korrespondenz mit der queeren Lobbygruppe geheim zu halten. Schlussendlich wurde die Universität jedoch zur Freigabe der Dokumente verurteilt, nachdem der britische Informationsbeauftragte bekräftigt hatte, dass die Teilnahme an dem Stonewall-Ranking, dem sogenannten Workplace Equality Index, es der LGBTI*-Gruppe ermögliche, "einen erheblichen Einfluss" auf die Politik öffentlicher Einrichtungen auszuüben. Die Oxford-Papiere gehören zu Hunderten von Dokumenten, die im Rahmen von Anträgen auf Informationsfreiheit jetzt veröffentlicht wurden. Die Universität Oxford belegte im Index im Jahr 2019 den Platz 93. Ein Jahr später kletterte sie auf den 76. Platz. Aus den Dokumenten geht nach Angaben der Times hervor, dass Stonewall in seinem Feedback für das Jahr 2020 bemängelte, dass Oxford in seinen Mutterschaftsrichtlinien Mütter mit "sie" anspricht, obwohl die LGBTI*-Aktivisten darauf bestanden, die Sprache geschlechtsneutral zu gestalten.

Hunderte von öffentlichen Einrichtungen, darunter Kommunalverwaltungen, Firmen, Vereine und Polizeikräfte, bewerben sich trotz aller Kritik jedes Jahr für den Index von Stonewall. Dabei mehren sich zuletzt immer wieder die Vorwürfe, dass Stonewall das Ranking gezielt dazu benutzt, um Organisationen zu zwingen, ihre Agenda in Bezug auf Trans-Rechte zu einhundert Prozent und ungefragt sowie unkritisch zu übernehmen. Michael Biggs, Soziologieprofessor in Oxford, erklärte, dass die Universität "eigentlich demokratisch von ihren Akademikern regiert werden sollte, aber hier ist eine externe Lobbygruppe, die der Verwaltung befiehlt, ihre Politik ohne die übliche Kontrolle zu ändern." Die Universität erklärte inzwischen, man habe die Anweisungen und Vorschläge von Stonewall diesbezüglich ignoriert. Stonewall selbst kommentierte das Verhalten auf Rückfrage der Times mit der Erklärung, man versuche keineswegs, das Wort “Mutter“ zu eliminieren. Dass das System wohl aber tatsächlich Methode hat, scheint sich immer mehr zu verfestigen – erst letztes Jahr deckte die ab Times abermals auf, dass die Verwendung des Indexes genau dazu dient, Unternehmen und Behörden unter Druck zu setzen. Die veröffentlichten Dokumente warfen zudem Fragen darüber auf, inwieweit die LGBTI*-Organisation immer wieder versucht zu kontrollieren, was staatliche Gesundheitseinrichtungen, Regierungsabteilungen und lokale Räte in sozialen Medien veröffentlichen. Stonewall streitet dies ab.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Landesaktionsplan im Fokus

Anlaufstelle für queere Menschen

Kathrin Anklam-Trapp übernimmt das Amt der Landesbeauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität in Rheinland-Pfalz.
Fall Felix Nmecha

Gebet sorgt für Reizstoff

Queer  Football  Fanclubs verlangt vom DFB eine Abgrenzung gegenüber den queerenfeindlichen Äußerungen des Nationalspielers Felix  Nmecha.
Der heilige Sebastian

Schwule Symbolfigur bis heute

Seit Jahrhunderten gilt der Heilige Sebastian als eine der bedeutendsten schwulen Symbolfiguren in Kunst, Kultur und Geschichte.
200.000 Menschen erwartet

Péter Magyar setzt auf Offenheit

Die ungarische Hauptstadt wird am Samstag, den 27. Juni 2026 erstmals seit Jahren einen uneingeschränkten Budapest Pride erleben.
Schwules Filmdrama im BR

Homo-Heilungen in Großbritannien

Der BR zeigt heute mit „Lilies Not for Me“ ein eindringliches Drama über Homosexualität und die Ursprünge der Konversionstherapie im England der 1920er Jahre.
Stonewall auf Rädern

Historisches Symbol unterwegs

Eine Nachbildung des legendären Stonewall Inn aus New York wird in diesem Sommer Teil der Londoner Pride-Parade sein.
Verbot ohne Schlupflöcher?

Englands Konversionstherapieverbot

Die britische Regierung hat nach acht Jahren einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt, der Konversionstherapien umfassend verbieten soll.
Kampf den Fake News

Neue Regeln in Großbritannien

Großbritannien prüft neue Regeln, die vertrauenswürdige Nachrichtenquellen auf sozialen Plattformen stärken sollen. Eine Chance auch für LGBTIQ+?
Mutiges Forum in Afrika

Vernetzung von LGBTIQ+-Aktivisten

Angesichts zunehmender Einschränkungen für LGBTIQ+-Menschen in mehreren Ländern Afrikas soll in Benin erstmals ein Pride Social Forum stattfinden.