Direkt zum Inhalt

Herbe Enttäuschung Wenig Konkretes im bayerischen Koalitionsvertrag zu LGBTI*-Politik und Aktionsplan

Von ms - 27.10.2023 - 09:20 Uhr
Herbe Enttäuschung
Foto: IMAGO / Smith
ANZEIGE
Loading audio player...

Es ist für viele LGBTI*-Menschen in Bayern eine herbe Enttäuschung – gestern noch sah es im Vorfeld der Gremiensitzungen von CSU und Freien Wähler (FW) danach aus, dass der lang versprochene LGBTI*-Aktionsplan für mehr Akzeptanz endlich konkret Einzug in den Koalitionsvertrag hält, auch Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf versprach dies erneut gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Nun, nachdem der Koalitionsvertrag unterzeichnet und veröffentlicht wurde, ist die Ernüchterung vielerorts groß.

Nichts Konkretes, nur vage Bekundungen

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern kritisiert, dass es erneut keine konkreten Maßnahmen gegen homophobe Gewalt und Hetze in den Koalitionsvertrag geschafft haben. Zwar hält der Text grundsätzliche Bekenntnisse zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt fest, bleibt aber ansonsten sehr vage. Unter anderem ist so zu lesen: „Jeder soll in Bayern frei von Diskriminierung leben können, unabhängig von Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung, Herkunft oder Behinderung.“ Außerdem wird ein „konsequentes Vorgehen gegen queer-feindliche Übergriffe“ versprochen.

Zudem ist die Rede von einer „Agenda für Vielfalt und gegen Ausgrenzung“, die erarbeitet werden soll. Weitere Details werden nicht genannt. Auch in allen anderen Bereichen bleibt der Koalitionsvertrag offen und frei interpretierbar, beispielsweise wenn von der Stärkung von Beratungsangeboten im Bereich Diskriminierung die Rede ist.  

Lippenbekenntnissen von CSU und FW

Das Fazit von Markus Apel aus dem Vorstand des LSVD Bayern: „Die queerpolitischen Positionen im neuen Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern senden ein unentschiedenes und bedenkliches Signal hinsichtlich des ernsthaften Engagements der neuen Staatsregierung gegen Queerfeindlichkeit. Statt einen ´Aktionsplan Queer‘ mit wirksamen Maßnahmen gegen Queerfeindlichkeit als deutliches Ziel im Koalitionsvertrag zu verankern, bleiben die Koalitionspartner bei vagen Versprechungen.“ Der Verein spricht so von Lippenbekenntnissen.

Nein zum Selbstbestimmungsgesetz

Konkret werden CSU und Freie Wähler mit Blick auf das geplante Selbstbestimmungsgesetz – in seiner aktuellen Form wird dies abgelehnt, ähnlich wie das auch die Schwester-Partei CDU tut. „Als LSVD verurteilen wir die Ablehnung eines Selbstbestimmungsgesetzes in Bayerns neuem Koalitionsvertrag. Es ist bezeichnend, dass es diese queerpolitische Frage ist, bei der sich die CSU und Freien Wähler einig sind“, ergänzt Markus Apel.

Schlussendlich appelliert der LSVD an die neue Staatsregierung in Bayern, einen umfassenden, fachlich-fundierten Aktionsplan mit wirksamen Maßnahmen zur Bekämpfung von Queerfeindlichkeit zu entwickeln, zu finanzieren und umzusetzen. Ob es dazu wirklich kommen wird und ob LGBTI*-Verbände dann wie gefordert dabei tatsächlich mit eingebunden werden oder nicht, ist aktuell dabei völlig offen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDCSD-Terrorist Abdul Ballout - Justiz ließ ihn vor Anschlag immer wieder laufenSüddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Teilerfolg in der Türkei

Gesperrte Konten wieder frei

Nach internationalem Protest sind viele Instagram-Konten queerer Vereine in der Türkei wieder sichtbar – doch Aktivisten bleiben inhaftiert.
Asylrecht unter Druck

Amnesty und LSVD+ warnen

LSVD+, Amnesty und 36 Vereine fordern die Bundesregierung auf, das Asylrecht zu verteidigen und eine Aufweichung von EU-Grundrechten zu verhindern.
Amoklauf in Bayern

Neue Details zum Hintergrund

Nach dem Amoklauf von Schongau lenkt ein von Queerfeindlichkeit und Rassismus geprägtes Manifest den Blick auf versäumte Präventionsmöglichkeiten.
Nacktheit bei Heated Rivalry

Intime Dreharbeiten ohne Grenzen?

Die Hauptdarsteller von „Heated Rivalry“ waren zu kompletten Frontalnacktaufnahmen bereit. Regisseur Jacob Tierney entschied sich jedoch dagegen.
Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.