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Erstmals: Zwei Bürgermeister als Lebenspartner in Italien

Impuls für queere Rechte Erstmals: Zwei Bürgermeister als Lebenspartner in Italien

mr - 10.03.2026 - 20:30 Uhr
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Am 27. Juni findet in Pordenone ein Ereignis statt, das in Italien Geschichte schreibt: Zum ersten Mal werden mit Alessandro Basso (Fratelli d’Italia, Pordenone) und Loris Bazzo (Lega, Carlino) zwei amtierende Bürgermeister eine eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Bemerkenswert ist nicht nur die Seltenheit einer Verbindung zweier Bürgermeister, sondern auch, dass beide prominente Vertreter konservativer Parteien sind – in einem Land, das in den letzten Jahren durch restriktive LGBTIQ+-Politik international auffiel.

 

Zwei Bürgermeister, ein Schritt gegen parteipolitische Grenzen

Die Entscheidung trafen Basso und Bazzo, Jahrgänge 1978 und 1976, nach fünfjähriger Partnerschaft – eine Zäsur, nicht nur privat, sondern auf politischer Bühne. Um innerparteiliche Spannungen zu vermeiden, leitet der 89-jährige Alvaro Cardin, ehemaliger Bürgermeister von Pordenone, die Zeremonie. Während das Paar auf seine Privatsphäre achtet, sorgt die Hochzeit inmitten einer Regierungsmehrheit, die seit 2022 zahlreiche Initiativen gegen queere Communitys durchsetzte, für Aufmerksamkeit.

 

Rechte und Realität: Zwischen Liebe und politischen Hürden

Italien verschärfte zuletzt Gesetze gegen queere Menschen, darunter das Verbot der Leihmutterschaft, die Einschränkung von Regenbogenfamilienrechten und der Versuch, sexuelle Aufklärung an Schulen stark zu beschränken. Auch die Blockade von Anti-Diskriminierungs-Gesetzen und Versuche, trans* Mädchen und Frauen vom Sport auszuschließen, prägen das politische Klima. Trotz internationaler Kritik, etwa durch den Europarat, bleibt Italien eines der wenigen westeuropäischen Länder ohne umfassendes Gesetz gegen Hassverbrechen aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität.

 

Zitat zur Bedeutung des Ereignisses

„Dass zwei Bürgermeister offen zueinander stehen, ist ein Novum – unsere Verbindung reflektiert viele Jahre parteipolitischer Angriffe. Doch heute haben wir gemeinsam einen Schritt zur Offenheit gemacht, der in Italien vor kurzer Zeit noch undenkbar war“, so Basso.

 

Zur Zukunft queerer Rechte in Italien

Die Feier bleibt für das Paar ein privater Moment, die gesellschaftspolitische Brisanz jedoch unübersehbar. Während Paare wie Basso und Bazzo für Sichtbarkeit sorgen, bleibt vielen queeren Menschen in Italien Gleichstellung im Alltag verwehrt. Rechtliche Anerkennung und umfassender Schutz vor Diskriminierung stehen weiterhin auf der politischen Agenda des Landes. Ob die Sichtbarkeit aktiver Politiker die Blockadehaltung der regierenden Parteien langfristig beeinflussen kann, bleibt offen – doch das Signal aus Pordenone zeigt, dass gesellschaftlicher Wandel auch innerhalb konservativer Kreise möglich ist.

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