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Kulturkrieg in der Kirche

Kulturkrieg in der Kirche Afrikanische Bischöfe widersprechen geschlossen der Weisung aus Rom und den Segnungen von Schwulen und Lesben

ms - 12.01.2024 - 15:00 Uhr
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Der Kulturkampf in der römisch-katholischen Kirche spitzt sich weiter zu – die katholischen Bischöfe Afrikas und Madagaskars haben nun eine einheitliche Erklärung abgegeben, in der sie sich weigern, dem Erlass von Papst Franziskus zu folgen, die es Priestern inzwischen erlaubt, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Einstimmig erklären die Geistlichen, solche Beziehungen stünden „im Widerspruch zum Willen Gottes.“

Risse innerhalb der Kirche

Die Erklärung wurde vom kongolesischen Kardinal Fridolin Ambongo im Namen des Symposiums der nationalen Bischofskonferenzen Afrikas unterzeichnet und kommt in ihrer Ausarbeitung einer landesweiten Ablehnung gleich. Die Kontroverse zeichnete sich bereits Stunden nach der Erklärung des Papstes Ende Dezember ab, nahm nun aber in den kommenden Wochen weiter an Fahrt zu und findet im aktuellen Statement aus Afrika seinen bisherigen Höhepunkt.

Klar ist dabei bereits, dass sich die wachsende Kluft zwischen dem manchmal progressiven Papsttum von Franziskus und der konservativen Kirche in weiten Teilen der Welt damit weiter vertieft. Auch eine vor kurzem nochmals veröffentlichte Erklärung seitens des Papstes, dass eine Segnung von Homosexuellen keineswegs mit einer Ehe gleichzusetzen sei, half hier offenbar nur wenig.  

Homosexualität, eine Abscheulichkeit?

In seiner Erklärung legte Ambongo dann noch einmal nach und bekräftigte, dass es für afrikanische Priester nicht angemessen sei, gleichgeschlechtliche Segnungen zu erteilen, dies stelle einen Skandal dar und stifte zudem nur Verwirrung. Er verwies außerdem auf die biblische Lehre, die Homosexualität angeblich als Abscheulichkeit verurteilen würde.

Zudem bestärkte er die Wichtigkeit der afrikanischen Kultur und stellte für sich fest, dass alle LGBTI*-Organisationen und Gruppen „unvereinbar mit den kulturellen Normen“ und überdies auch korrupt seien. „Innerhalb der Kirchenfamilie Gottes in Afrika hat diese Erklärung eine Schockwelle ausgelöst, sie hat Missverständnisse und Unruhe in den Köpfen vieler Laien, geweihter Personen und sogar von Pfarrern gesät und starke Reaktionen hervorgerufen!“, so der Bischof weiter zum Erlass des Papstes.

Sexuelle Lust und Gott

Die Kritik richtet sich dabei immer mehr auch an Kardinal Victor Manuel Fernandez, der erst im Juli letzten Jahres zum Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre und damit zum obersten Hüter der katholischen Doktrin im Vatikan ernannt worden war. Im Jahr 1998 hatte Fernandez ein kleines Büchlein mit dem Titel „Die mystische Leidenschaft: Spiritualität und Sinnlichkeit“ veröffentlicht – darin berichtet der damals junger Priester über seine sinnlichen Erfahrungen zu Gott und beschreibt auch Orgasmen sehr deutlich und detailliert. Konservative katholische Blogger haben den 26 Jahre alten Text, dessen Büchlein längst vergriffen ist, in Italien wieder ausgegraben – das Ziel scheint es dabei zu sein, Sexualität insgesamt und die Reformpläne des Vatikans zu bekämpfen.  

Fernandez schreibt in dem Text unter anderem: „Wenn Gott auf dieser Ebene unserer Existenz anwesend sein kann, kann er auch anwesend sein, wenn zwei Menschen einander lieben und zum Orgasmus kommen; und dieser Orgasmus, der in der Gegenwart Gottes erlebt wird, kann auch ein erhabener Akt der Anbetung Gottes sein.“ An anderer Stelle heißt es sehr ähnlich noch einmal: „Wenn sexuelles Vergnügen in einem Akt der Liebe erreicht wird, dann ist sexuelles Vergnügen auch ein Akt der Anbetung Gottes, der das Glück derer liebt, die sich lieben.“

Daneben beschreibt er die unterschiedliche Wahrnehmung des sexuellen Höhepunkts bei Männern und Frauen, wobei letztere „oft unersättlich“ seien, was der Geistliche auf den reichlichen Blutfluss bei Frauen zurückführt. Außerdem widmet er sich Aspekten wie dem sexuellem Verlangen, Pornografie oder auch der sexuellen Befriedigung und hinterfragt, wie diese eine Einfluss auf die Rolle der Lust in Gottes mystischem Plan haben.

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