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LGBTI*-Community in Angst Hasswelle in den USA sorgt für Schrecken in der Community

ms - 22.11.2022 - 11:30 Uhr

Viermal wurde binnen einer Woche die LGBTI*-Bar VERS in New York City angegriffen – verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand, doch angesichts des jüngsten Massakers mit bisher fünf ermordeten Menschen im LGBTI*-Club Q in Colorado Springs stellt sich immer öfter in den USA die Frage, wie gewalttätig homophobe Menschen inzwischen sind. Zwar sind zuletzt auch in Amerika wie auch in Deutschland die Zahl der Angriffe auf LGBTI*-Menschen und Einrichtungen weiter angestiegen, doch gibt es für 2022 noch keine konkreten Zahlen.

Ist Gewalt gegen LGBTI* einfach schon Alltag?

Die Angst geht offensichtlich trotzdem bereits um, denn einmal mehr zeigt der Amoklauf im Bundesstaat Colorado wie aber auch die “alltäglich“ gewordenen Angriffe auf Schutzräume von LGBTI*-Menschen, dass in der aufgeheizten Stimmung inmitten des US-Kulturkampfes anscheinend immer mehr gegen LGBTI*-Menschen gesagt und auch gewaltsam getan werden darf. In New York fragen sich in diesen Tagen zudem viele Schwule und Lesben, ob es inzwischen schon normal sei, dass eine beliebte Bar viermal binnen einer Woche angegriffen wird? In allen Fällen versuchte ein noch unbekannter Täter, einen Ziegelstein durch das Fenster der Bar zu werfen, um so Besucher zu verletzen.

Der Eigentümer des VERS, David DeParolesa, eröffnete die Bar erst im Juli dieses Jahres und hatte bereits vorsorglich bruchsicheres Glas einbauen lassen, um seine LGBTI*-Gäste vor Angriffen zu schützen. Nur infolgedessen kam bisher niemand zu Schaden. Doch auch hier stellt sich die Frage: Ist es inzwischen alltäglich, dass Betreiber von LGBTI*-Treffpunkten ihre Bars oder Clubs wie Festungen vor Angriffen verbarrikadieren müssen? DeParolesa von der Bar VERS gegenüber der New York Post: „Die Entwicklungen dieser Tage fühlen sich wie eine weitere Manifestation von Hass gegen unsere Gemeinschaft an". Aktuell fahndet die Polizei nach dem Täter, der auf einem Video festgehalten worden ist.

Wer greift wann zur nächsten Waffe?

Unabhängig wann oder ob der Angreifer in New York gefasst wird, stellt sich für viele zudem die Frage: Wie lange dauert es, bis der Mann oder ein anderer Angreifer anstatt zum Ziegelstein einmal mehr zu einer Schusswaffe greift, so wie es in Colorado Springs der erst 22-jährige Anderson Lee Aldrich getan haben soll. Der pure Zufall verhinderte, dass nicht mehr Menschen unter den Todesopfern sind, weil ein ehemalige US-Soldat geistesgegenwärtig den Attentäter überwältigen konnte. In Amerika kommen in diesen Tagen erneut auch Erinnerungen an den bis heute schlimmsten Anschlag gegenüber der LGBTI*-Community hoch, bei der im Jahr 2016 im Club Pulse in Florida 49 Menschen erschossen worden waren.

Solidarität reicht nicht aus

Präsident Joe Biden hat zu Beginn der Woche den Anschlag in Colorado Springs verurteilt und einmal mehr seine Solidarität mit der Community bekundet. Reicht das? Sarah Kate Ellis, die Geschäftsführerin der größten LGBTI*-Organisation Amerikas, GLAAD, erklärte: „Wenn wir Massenerschießungen wie die in Colorado Springs verhindern wollen, muss unsere Regierung Gesetze zur Waffenkontrolle erlassen, den Schutz für LGBTI*-Personen kodifizieren und soziale Medienplattformen regulieren. So können wir unsere Gemeinschaften sicher halten.“

Wie das konkret funktionieren kann, bleibt fraglich – erst diese Woche hat Elon Musk im Sinne der Redefreiheit den Twitter-Account des Ex-Präsidenten Donald Trump wieder freischalten lassen – für viele gelten Trump und seine Anhänger als jene, die die homophobe, hasserfüllte Stimmung immer weiter anheizen; das wird sich bis zur Wahl des US-Präsidenten 2024 wohl stetig steigern. Der Großvater des Attentäters von Colorado Springs sitzt so offensichtlich für die republikanische Partei derzeit im kalifornischen Parlament und schürte im Januar 2021 beim Sturm auf das Kapitol den Hass der Bevölkerung immer weiter an.

Spielt die republikanische Partei mit dem Feuer?

Eine Verbindung sei offensichtlich, sagt auch die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York City: „Nachdem Trump seine Anti-Einwanderer- und Anti-Latino-Rhetorik verschärft hatte, gab es die tödlichste Welle an Anti-Latino-Schießereien in der modernen Geschichte. Und jetzt nach einer Anti-LGBTI*-Kampagne, Colorado Springs. Man muss nur die Punkte verbinden, sie führen zur republikanischen Partei!“ Nebst der offensichtlichen Gefahr von Angriffen wird die LGBTI*-Community auch indirekt bedroht, indem sie ihren dringend notwendigen Schutzräumen immer mehr beraubt wird – wohin können LGBTI*-Menschen in den USA noch gehen, wenn sie sich in ihren eigenen Clubs und Bars nicht mehr sicher fühlen? Der Schritt zwischen dem Griff zu einem Ziegelstein oder zu einem Sturmgewehr scheint für viele homophobe Hasser in den USA offensichtlich nur noch ein sehr kleiner zu sein. 

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