Direkt zum Inhalt
Mütter und Väter
ANZEIGE

Mütter und Väter Streit innerhalb der LGBTI*-Community über Definitionsfrage

ms - 05.04.2023 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sorgt aktuell für heftige Diskussionen auch innerhalb der LGBTI*-Community – in zwei Fällen gab der Gerichtshof den Anträgen von zwei Trans-Menschen nicht recht. Im Kern geht es dabei um die Definitionsfrage, wenn eine Mutter eine Mutter und ein Vater ein Vater ist.

Was ist eine Mutter?

In der ersten Beschwerde hatte eine Trans-Frau aus Berlin eingefordert, als Mutter in die offiziellen Dokumente eingetragen zu werden – sie hatte mit männlichen Geschlechtsorganen das Kind gezeugt. Das Berliner Standesamt hatte der Trans-Frau bereits 2015 verwehrt, als Mutter in das Geburtenregister eingeschrieben zu werden. Die Begründung: Die Trans-Frau hat das Kind nicht geboren. Eine Mutter sei nur die Frau, die das Kind tatsächlich zur Welt gebracht hat. Der Europäische Gerichtshof schloss sich final nun der Begründung des Berliner Standesamtes an. Eine Mutter ist jene Person, die das Kind tatsächlich zur Welt bringt.

Was ist ein Vater?

In einem zweiten Fall ging es um einen Trans-Mann, der als Vater seines Kindes in die Geburtsurkunde eingetragen werden wollte, auch wenn er als Frau geboren wurde und das Kind selbst zur Welt gebracht hatte. Noch während der Schwangerschaft hatte der heutige Trans-Mann sein Geschlecht dabei offiziell gewechselt. Ein Berliner Amtsgericht hatte dazu entschieden, dass er als Mutter des Kindes einzutragen sei. Der Trans-Mann ging vor den Bundesgerichtshof, der die Beschwerde ablehnte, da die Mutter eines Kindes die Person sei, die das Kind geboren habe.

"Biologische Tatsachen"

Eine Änderung des Geschlechts einer Person habe dabei keinen Einfluss auf die Rechtsbeziehung zwischen dieser Person und ihren Kindern, so die Begründung. Die Verbindung zwischen der Fortpflanzungsfunktion und dem Geschlecht beruhe dabei unbestreitbar auf „biologischen Tatsachen.“ Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte auch diese Einstellung und erklärte, dass es seitens der deutschen Behörden und Gerichte kein Fehlverhalten gegeben habe. Es handele sich auch nicht um eine schwerwiegende Diskriminierung, wie die Richter in Straßburg festhielten.  

Trans-Verein spricht von „antiquiertem Familienbild“

Kritik kommt hingegen von Trans-Organisationen, beispielsweise dem Bundesverband Trans sowie dem klagenden Trans-Mann, die in einer gemeinsamen Verlautbarung von einem „antiquierten Familienbild“ sprachen. Ferner erklärte der Bundesverband, dass die Richter die Gefahren des sogenannten Deadnamings nicht anerkennen würden. Des Weiteren sprach der Verband auch von „struktureller Transfeindlichkeit“. Einige Frauenverbände hingegen begrüßten das Urteil.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.