Direkt zum Inhalt
Peinliche Ampel-Politik?
ANZEIGE

Peinliche Ampel-Politik? Linke kritisiert die LGBTI*-Politik der Regierung

ms - 08.11.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die queer-politische Sprecherin der Linken, Kathrin Vogler, hat jetzt mit scharfen Worten erneut die Ampel-Regierung in ihrem Umgang mit dem Selbstbestimmungsgesetz kritisiert – sie spricht inzwischen ganz offen von einem „Warten auf Godot bei der Selbstbestimmung“. Einmal mehr scheint sich nach den zuletzt geäußerten Verbesserungsvorschlägen am Gesetzestext seitens des Bundesrats das Vorhaben immer weiter nach hinten zu verschieben.

Sachverständige werden ausgeladen?

„Es ist peinlich, aber auch typisch für die Politik der Ampel: Das von den Betroffenen sehnlichst erwartete Selbstbestimmungsgesetz ist diese Woche nicht zur ersten Lesung im Bundestag aufgesetzt worden. Damit entfällt auch die für nächsten Montag avisierte öffentliche Anhörung im Familienausschuss und die von allen Fraktionen bestimmten Sachverständigen müssen ausgeladen werden, ein wohl einmaliger Vorgang in der Geschichte des Parlaments“, so Vogler.

Ampel lässt LGBTI*-Menschen hängen 

Und weiter: „Das heute noch geltende Transsexuellengesetz ist durch zahlreiche Bundesverfassungsgerichtsurteile ein löchriger Käse geworden. Trans- und intergeschlechtliche sowie nichtbinäre Menschen warten seit Jahren auf die Wahrung ihrer Grundrechte. Sie derart hängen zu lassen ist verantwortungslos. Viele Staaten haben ein Selbstbestimmungsgesetz. Es ist notwendig, es ist richtig und es stärkt die Grundrechte, wenn es gut gemacht ist. Nun bleibt zu hoffen, dass die Koalitionsfraktionen hinter den Kulissen noch um Verbesserungen ringen. Der bisherige Regierungsentwurf des Gesetzes strahlte vor allem Misstrauen gegenüber den Betroffenen aus. Das Vertrauen, das viele in die selbst ernannte ´Fortschrittskoalition´ und ihren Queer-Beauftragten Sven Lehmann hatten, ist schwer beschädigt.“

Bundesrat rät zu Nachbesserungen

Zuletzt hatten mehrere Ausschüsse des Bundesrats das Gesetzesvorhaben geprüft und deutliche Nachbesserungen eingefordert. So forderten sie unter anderem glaubhafte Nachweise, die die Ernsthaftigkeit und Beständigkeit eines Menschen mit dem Wunsch eines juristischen Geschlechtswechsels bestätigen. Außerdem sollten die Familiengerichte immer einbezogen werden müssen, wenn Minderjährige einen Geschlechtswechsel vollziehen wollen, vor allem auch dann, wenn die Entscheidungsgewalt bei Kindern unter 14 Jahren wie derzeit geplant allein den Eltern obliegen soll – es sei auch verfassungsrechtlich nicht hinnehmbar, dass Eltern „allein aufgrund einer von ihnen vermuteten Abweichung der Geschlechtsidentität oder aus anderen Motiven“ heraus diesen Schritt gehen dürften.

„Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass auch Eltern die verschiedenen und komplexen Auswirkungen einer solchen Entscheidung für das Kind nicht immer hinreichend und sachgerecht gegeneinander abwägen können.“ Bei über 14-jährigen Jugendlichen indes müsse das Mitspracherecht der Eltern gestärkt werden – der bisherige Gesetzentwurf sieht indes vor, dass Jugendliche auch gegen den Willen der Eltern mit Hilfe des Familiengerichts einen Personenstandwechsel vollziehen sollen dürfen. Nach Angaben des Bundesrats ist aufgrund der technischen Umsetzung deutschlandweit die Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes dabei frühestens Ende 2025 möglich.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der Sommer zieht blank

Endlich wieder durchatmen

Die große Hitze geht wahrscheinlich kommende Woche – und mit ihr verschwinden Schweiß, Klebegefühl und die Sehnsucht nach Klimaanlagen.
Schwule Bären im Wandel

Ozempic verändert Szene

Medikamente zur Gewichtsreduktion verändern inzwischen auch die Bären-Community – und lösen eine Debatte über Körperbilder und Zugehörigkeit aus.
Neuzugang bei Heated Rivalry

Ein Prinz gesellt sich zum Cast

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry“ erweitert die zweite Staffel um fünf weitere Darsteller, darunter der Prinz aus „Young Royals“, Edvin Ryding.
Keenan schreibt Geschichte

Hockey-Star und „First Gentleman“

Nicolás Keenan, der Verlobte von Rob Jetten, wird bei der Hockey-WM als erster offen bisexueller Mann im Teilnehmerfeld Geschichte schreiben.
Trauer um Michael Jähme

Abschied von HIV-Aktivisten

Die Community trauert: Michael Jähme, langjähriger Aktivist der Aidshilfe- und Schwulenbewegung, ist mit 67 Jahren bei einem Bergunfall gestorben.
Wachowski sucht neue Wege

Hollywood zögert bei trans* Film

Lilly Wachowski (Matrix) findet trotz positiver Reaktionen keine Finanzierung für ihren neuen trans`Thriller „The Hunted“. Hat Hollywood Angst?
Oscar-Jahr für LGBTIQ+?

„La Bola Negra“ im Rennen

Die Oscars 2027 könnten für das LGBTIQ+-Kino historisch werden – mit Chancen für „La Bola Negra“, Colman Domingo und Andrew Scott.
Hass-Welle in Marokko

Gay-Kreuzfahrt sorgt für Debatten

Neuer Ärger auf See: Eine Gay-Kreuzfahrt machte in Marokko halt. Vor Ort blieb alles ruhig, online brach eine Hass-Welle über das Schiff hinweg.
Mord an junger trans* Frau

Gewalttat erschüttert Portland

Nach dem tödlichen Messerangriff auf Juju Nadeau trauert Portland um die junge trans* Frau und erinnert an ihr lebensfrohes Wesen.