Direkt zum Inhalt
Proteste an britischen Schulen

Proteste an britischen Schulen Queere Gleichberechtigung oder Eingriff in die Intimsphäre von Mädchen?

ms - 06.03.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Unisex-Toiletten in öffentlichen Einrichtungen sowie an Schulen sind nicht nur in Deutschland seit vielen Monaten ein heftig diskutiertes Thema, sondern auch in Großbritannien – hier regte sich jetzt offenbar Widerstand seitens der Schüler selbst. In den letzten Wochen kam es immer wieder zu Demonstrationen und Protesten gegen Unisex-Toiletten, die keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich mehr vornehmen. Der Kernaspekt dabei: Gerade viele Schülerinnen würden sich nicht mehr sicher fühlen.

Schulleitung und Lehrer ignorieren Ängste

Auf mehreren Social-Media-Plattformen wie TikTok oder Instagram haben inzwischen viele Schüler Videos hochgeladen, die die Proteste festgehalten haben. Bisher ist es zu Demonstrationen unter anderem in Yorkshire, Cornwall, Lincolnshire, Southampton, Essex und Blackpool gekommen. Dabei richten sich die britischen Schüler auch direkt an die heimische Presse, vor allem auch deswegen, weil den besorgten Mädchen offenbar weder Lehrer noch Schulleitung zuhören wollen. „Wir versuchen, den Lehrern zu sagen, dass das einfach nicht fair ist. Wir haben versucht, mit ihnen zu reden, bevor wir protestiert haben, aber sie ignorieren es einfach“, so eine 14-jährige Schülerin gegenüber der Mail Online.

Gleichbehandlung oder Gefahr für Mädchen?

Auch immer mehr Eltern scheinen sich offenbar gegen die Unisex-Toiletten auszusprechen, deren Grundgedanke gerade auch eigentlich die Gleichbehandlung von männlichen, weiblichen, trans- und nicht-binären Schülern sein soll. Immer wieder kommt es aber eher dazu, dass Jungs ihre Smartphones über die Toilette oder unter die Türen halten, um zu versuchen, Fotos oder Videos von den Mädchen zu machen.

"Ich bin nicht glücklich und ich mag es nicht, dass es meiner Tochter inzwischen unangenehm ist, auf die Toilette zu gehen - sie ist ein Kind, sie ist eine Minderjährige! Sie geht den ganzen Tag aus Angst nicht auf die Toilette, während sie in der Schule ist. Ich habe mich sogar an die Schule gewandt, aber sie haben nichts unternommen. Warum hat uns die Schule nicht vorher darüber informiert und die Meinung der Leute eingeholt, bevor sie etwas in die Wege geleitet haben?“, so eine Mutter einer Schülerin der Weston Secondary School in Southampton.

Mehr sexuelle Übergriffe durch Unisex-Toiletten?

Die Proteste an den einzelnen Schulen sind sich sehr ähnlich, die Kernaussage ist stets gleich: Mädchen hätten ein Anrecht auf ihre eigenen Toiletten. Inzwischen erreichte die Debatte auch das britische Bildungsministerium. Ein Sprecher erklärte gegenüber des Daily Online: „Wir sind besorgt über die Berichte über Störungen und werden mit allen Schulen und lokalen Behörden in Kontakt bleiben, um sicherzustellen, dass sie in dieser Zeit unterstützt werden. Wir werden die Schulleiter immer dabei unterstützen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um ein ruhiges und unterstützendes Umfeld im Klassenzimmer aufrechtzuerhalten, da sie am besten in der Lage sind, bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen mit ihren Lehrern, Eltern, Schülern und lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten.“ Feministinnen weisen in diesem Zusammenhang daraufhin, dass in Großbritannien nach einer Studie des britischen Freedom of Information Act 90 Prozent der gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffe in Räumlichkeiten stattfinden, die von beiden Geschlechtern genutzt werden können.   

Unisex in Deutschland

In Deutschland gibt es vor allem in Berlin an einigen Bildungseinrichtungen sowie in öffentlichen Parks ebenso bereits Unisex-Toiletten – auch hier ist die Thematik äußerst umstritten. International werden Unisex-Toiletten zudem eher kritisch gesehen; so stellten bereits vor einigen Jahren die Vereinten Nationen (UN) fest, dass Schülerinnen mehrheitlich aus Scham und Angst bei Unisex-Toiletten auf das Urinieren und Trinken ganz verzichten würden. Daraus würden vermehrt Gesundheitsschäden wie Erkrankungen der Harnwege entstehen. Abschließend erklärte die Fachbehörde der UN für soziale Angelegenheiten UNDESA: „Es ist wichtig, dass separate Toiletten für Jungen errichtet werden, damit diese nicht die Toiletten benutzen, die für Mädchen vorgesehen sind.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Premium-Abo mit Goldkante?

Preismodell schon jetzt in Kritik

Die beliebte Dating-App Grindr startet in ausgewählten Regionen ein Premium-Abonnement zum stolzen Preis von bis zu 500 US-Dollar pro Monat.
Dobrindt verweist auf Tatort

Verfahren gegen nichtbinäre Maja T.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigt das strafrechtliche Vorgehen und das Urteil gegen die nichtbinäre deutsche Person Maja T. in Ungarn.
Neues Maß für das Arbeitsrecht

Weisungsrecht beim Gendern betont

Urteil in Hamburg: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitenden geschlechtergerechte Sprache verbindlich vorschreiben.
Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.