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LSVD bezeichnet Strategie beim MPX-Impfstoff als “unfassbar“ und “fahrlässig“
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Scharfe Kritik an Bundesregierung LSVD bezeichnet Strategie beim MPX-Impfstoff als “unfassbar“ und “fahrlässig“

ms - 04.08.2022 - 12:00 Uhr

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland übt jetzt scharfe Kritik an der deutschen Bundesregierung – in puncto Affenpocken würde die Ampel-Koalition schwule Männer im Stich lassen. Bisher sind gerade einmal rund 40.000 Impfdosen in Deutschland angekommen und inzwischen auch größtenteils bereits verimpft worden, dabei gibt es bei weitem nicht genug Einheiten für alle betroffenen Männer der Risikogruppe MSM (Männer, die Sex mit anderen Männern haben) und auch nicht einmal für all jene Männer, die mehrere wechselnde Sexualpartner haben. Bis Ende September werden zwar 200.000 weitere Impfdosen erwartet, ob diese aber tatsächlich bis dahin eintreffen, ist ungewiss – die Deutsche Aidshilfe hatte unlängst eine Aufstockung der Bestellung auf mindestens eine Million Einheiten gefordert, noch dazu, da ein bestmöglicher Impfschutz erst mit der zweiten Impfdosis gegeben ist.

Alfonso Pantisano aus dem Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) dazu: „Es ist unfassbar, dass die Bundesregierung und die Länder bei der Beschaffung und Verteilung des Impfstoffes gegen das MPX-Virus unsere Community im Stich lassen. Statt eine klare Impfstrategie vorzulegen und für eine bedarfsgerechte Beschaffung von Impfdosen zu sorgen, reagieren das Bundesgesundheitsministerium und die Gesundheitsministerien der Länder nur zögerlich und verschleppen eine bedarfsgerechte Verteilung unter den Bundesländern. Gerade in der queeren Community, vor allem unter Männern, die Sex mit Männern haben, ist die Nachfrage nach dem Impfstoff hoch. Viele wollen sich und andere durch eine Impfung schützen, können es aber derzeit nicht.“

Dabei betont Pantisano auch, dass in der Allgemeinbevölkerung oftmals der Irrglaube vorherrsche, nur Homosexuelle könnten von Affenpocken befallen werden: Es entsteht der Eindruck, dass so lange das MPX-Virus angeblich nur eine vermeintliche Minderheit betrifft, kein erhöhter Handlungsbedarf bestünde. Dieser Vertrauensverlust wäre fatal. Die Zahl der infizierten Menschen steigt stetig an und auch Kinder infizieren sich zunehmend. Das zeigt, dass die Übertragungswege nicht nur bei Sexualkontakten erfolgen. Das MPX-Virus betrifft somit nicht nur unsere Community, sondern bedroht die gesamte Bevölkerung. Die Entscheidung der Bundesregierung, vorerst keine weiteren Dosen des Affenpocken-Impfstoffs zu bestellen, ist fahrlässig und erfüllt uns mit Sorge. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach muss umsteuern und eine ausreichende Impfstoffversorgung gewährleisten. Das Bundesgesundheitsministerium muss gemeinsam mit den Ländern auch dafür sorgen, dass die vorhandenen Impfdosen dort verteilt werden, wo sie wirklich benötigt werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass einige Bundesländer Impfstoffe übrighaben und Hotspots wie Berlin auf dem Trockenen sitzen. Die derzeitige Stille aus den Gesundheitsministerien ist unerträglich.“

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