Direkt zum Inhalt
Schotten wollen keine Self-ID
ANZEIGE

Schotten wollen keine Self-ID Gesetzvorhaben steht vor der Abstimmung

ms - 21.12.2022 - 08:19 Uhr
Loading audio player...

Der Streit um das geplante neue Selbstbestimmungsgesetz in Schottland eskaliert immer mehr – nachdem zuletzt im November die schottische Ministerin für kommunale Sicherheit, Ash Regan, aus Protest zurückgetreten war und neun Abgeordnete aus der Regierungskoalition gegen das Vorhaben rebellierten, zeigt nun die jüngste Umfrage: Die Mehrheit der Schotten wollen das neue Gesetz in dieser Form ebenso nicht. Trotzdem könnte es noch diese Woche zu einer Abstimmung zugunsten des Gesetzes kommen.

Vorzeige-Projekt der Ersten Ministerin

Das neue Selbstbestimmungsgesetz ist das Vorzeige-Projekt der Ersten Ministerin des Landes, Nicola Sturgeon, die das Vorhaben um jeden Preis verwirklichen will. Aktuell befindet sich das Gesetzesvorhaben in der zweiten von drei parlamentarischen Phasen, in denen Gegenvorschläge und Kritik eingebracht werden können. Ob es trotz Koalitionszwang bei der finalen Abstimmung in der dritten Phase der Gesetzgebung zu einer Mehrheit kommt, ist derzeit noch offen, es zeichnet sich allerdings bisher eine Mehrheit für das Gesetzesvorhaben ab.  

Selbstbestimmung ab 16 Jahren

Das neue Selbstbestimmungsgesetz sieht vor, dass bereits Jugendliche ab 16 Jahren ohne Einwilligung der Eltern oder einer verpflichtenden medizinischen Diagnose nach einer dreimonatigen Wartezeit ihr Geschlecht ändern lassen können. Bisher bedarf es einer medizinischen Diagnose zur Geschlechtsdysphorie sowie einer Bedenkzeit von zwei Jahren, in der die betreffende Person im anderen Geschlecht leben muss. Zudem ist dies bisher nur volljährigen Menschen möglich.

59 Prozent sagen Nein zur Self-ID

Kritiker des sogenannten Gender Recognition Reform (Scotland) Bill haben Angst, dass durch das neue Gesetz ähnliche Probleme in Schottland entstehen wie derzeit in Großbritannien, wo eine Klagewelle aufgrund von anscheinend vorschnellen Diagnosen die Geschlechtsklinik Tavistock stark belastet und die Regierung selbst hier jetzt auch juristisch nachbessern will. Das schottische Parlament startete deswegen eine Befragung, rund 11.000 Schotten nahmen daran teil. Das Ergebnis: 59 Prozent der Inselbewohner lehnen das neue Selbstbestimmungsgesetz ab, 38 Prozent sind dafür.

Angst vor dem Wegfall von Schutzräumen

Befragt wurden die Schotten auch, warum sie Bedenken gegen das Gesetzesvorhaben haben: Viele haben Angst davor, dass durch den Verlust von geschlechtsspezifischen Räumen in Krankenhäusern, Gefängnissen, Frauenhäusern, Altenheimen, auf Toiletten, in Umkleiden oder auch im Frauensport eine gesteigerte Gefahrenlage für Frauen entstehen könne. Man befürchte, gewalttätige Männer bekämen Zugang zu Schutzräumen für Frauen, sodass eine Retraumatisierung von Frauen mit Gewalterfahrungen die Folge sein könnte. Als ein weiteres Argument gegen das Gesetz wurde genannt, dass junge Menschen zu früh in eine “lebensverändernde Entscheidung“ gedrängt werden würden, deren medizinische und teils lebenslang anhaltende Auswirkungen sie aufgrund der fehlenden Reife noch nicht überblicken könnten.

Self-ID regelt nur die juristische Seite

Befürworter des neuen Selbstbestimmungsgesetzes betonten erneut, dass es beim geplanten Gesetz ähnlich wie in Deutschland nur darum ginge, einen juristischen Geschlechtswechsel leichter zu vollziehen, sprich die Änderung des Geschlechts in allen offiziellen Dokumenten. Kritiker erklärten dagegen, ähnlich wie in den USA oder Großbritannien würde dies aber künftig Tür und Tor dafür öffnen, dass künftig auch die Vergabe von höchst umstrittenen Pubertätsblockern und Hormonen einfacher vonstattengehen würde. Eine Umfrage der BBC von Anfang des Jahres bestätigte ein ähnliches Verhalten, konkrete Punkte wie eine freie Entscheidungswahl für Minderjährige lehnte die Mehrheit der Bevölkerung ab, betonte aber, dass grundsätzlich Reformen in diesem Bereich wichtig wären.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.
Gesetzvorschlag in Indonesien

LGBTIQ+-Menschen unter Druck

Ein Dekret der indonesischen Regierung sorgt für scharfe Kritik, während LGBTIQ+-Menschen zunehmend Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.
Entsetzen in Kamerun

Mord an schwulem Mann

Fassungslosigkeit in Kamerun: Nach dem Mord an Paul Gérard in Douala prallen tiefe Trauer und homophober Spott aufeinander.