Direkt zum Inhalt
Selbstbestimmungsgesetz
ANZEIGE

Selbstbestimmungsgesetz kommt! Bleiben Frauenschutzräume doch biologischen Frauen vorbehalten?

ms - 06.02.2023 - 10:08 Uhr
Loading audio player...

Nach Angaben von Justizminister Marco Buschmann sind die Arbeiten an dem neuen geplanten Selbstbestimmungsgesetz “weitestgehend abgeschlossen“. Aufgrund diverser Detailfragen war der Gesetzentwurf offenbar zuletzt mehrfach zwischen Justiz- und Familienministerium hin und her gewandert. Für Aufsehen hatten dabei Buschmanns Äußerungen im Januar dieses Jahres geführt, als er in einem Interview andeutete, dass auch die besonderen Schutzrechte von biologischen Frauen weiterhin berücksichtigt werden müssten. Frauenorganisationen wie auch queere Verbände sehen aus unterschiedlichen Motiven derzeit skeptisch auf die letzten Erklärungen. Es steht die spannende Frage im Raum, was nun konkret im neuen Gesetzestext stehen wird.  

Besondere Schutzräume nur für biologische Frauen erlaubt?

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärte Buschmann nun weiter, dass nur noch Detailfragen zu klären seien, so müsse beispielsweise sichergestellt werden, dass die künftige Möglichkeit, ohne medizinische Abklärung oder anderweitige Überprüfungen auf dem Standesamt einen juristischen Geschlechtswechsel zu vollziehen, nicht dazu führen dürfe, dass die Vertragsfreiheit oder das Hausrecht eingeschränkt werde.

Weiter sagte Buschmann: „Der Staat muss die geschlechtliche Identität respektieren, die eine Bürgerin oder ein Bürger hat. Deshalb darf er Personen, die ihren Geschlechtseintrag ändern lassen wollen, nicht durch quälende Verfahren zwingen. Das betrifft das Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Es gibt aber auch das Verhältnis der Bürger untereinander. Was ist zum Beispiel mit dem Sportverein, der Sauna, dem Fitnessstudio? In vielen Bereichen wird es keine Probleme geben, weil es ja gemischte Saunen, gemischte Fitnessstudios gibt. Es gibt aber auch Fitnessstudios nur für Frauen. Manche Frauen-Fitnessstudios werden entscheiden: Alle Personen mit Geschlechtseintrag weiblich sind uns willkommen. Es wird aber vielleicht auch Einrichtungen geben, die nicht anhand des Geschlechtseintrags differenzieren wollen. Wo es dafür ein nachvollziehbares Bedürfnis gibt, etwa in Saunen, wird das weiterhin möglich sein, wie es heute auch der Fall ist.“

Inakzeptables Verhalten soll verhindert werden

Genau dieser Aspekt löste zuletzt bei queeren Aktivisten viel Unbehagen aus und eröffnet ein ganzes Spektrum an neuen Fragen, beispielsweise: Wie konkret entscheidet dann künftig der Betreiber einer Frauen-Sauna, wer reindarf und wer nicht? Befürworter indes hoffen, dass der in der Vergangenheit immer wieder erklärte mögliche Wegfall von Schutzräumen für Frauen ausbleibe und die Rechte von Frauen damit gestärkt werden würden. Buschmann selbst nannte es „völligen Unsinn“, dass das Gesetz dazu führen könne, dass Frauen in Schutzräumen belästigt werden könnten und erklärte weiter: „Auch künftig wird das Recht eine sichere Handhabe bieten, um solches inakzeptables Verhalten zu verhindern. Das stellen wir sicher.“

Lehmann pocht auf schnelle Umsetzung

Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, erklärte via Twitter: „Ich freue mich, dass Justizminister Buschmann die Arbeiten zum Selbstbestimmungsgesetz als weitgehend abgeschlossen ansieht. Das sieht das Bundesfamilienministerium auch so. der Entwurf liegt jetzt im Justizministerium zur Freigabe. Es wäre wichtig, wenn es endlich grünes Licht dafür gäbe, damit wir mit der Gesetzgebung starten können.“ Immer wieder hatte sich in der Vergangenheit der Termin für die geplante Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes nach hinten verschoben, verschiedene LGBTI*-Verbände hatten dies zuletzt scharf kritisiert. Auch auf Twitter zeigen sich derzeit die meisten von Lehmanns Followern eher skeptisch und warten lieber erst einmal ab, wann das Gesetz wirklich kommt und wie es final ausformuliert sein wird.

Spannung bei den Detailfragen

Ebenso spannend bleibt auch die Frage nach dem Alter: Die Grünen wollten auch nach der Vorstellung der ersten Richtlinien des Gesetzvorhabens im letzten Sommer weiterhin durchsetzen, dass Jugendliche ab 14 Jahren künftig selbstbestimmt ohne Zustimmung der Eltern einen juristischen Geschlechtswechsel am Standesamt durchführen lassen können. Die FDP hingegen pochte darauf, dass dies bis zur Volljährigkeit nur mit Erlaubnis der Eltern oder anderweitig durch Abklärung über das Familiengericht möglich sei.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der Sommer zieht blank

Endlich wieder durchatmen

Die große Hitze geht wahrscheinlich kommende Woche – und mit ihr verschwinden Schweiß, Klebegefühl und die Sehnsucht nach Klimaanlagen.
Schwule Bären im Wandel

Ozempic verändert Szene

Medikamente zur Gewichtsreduktion verändern inzwischen auch die Bären-Community – und lösen eine Debatte über Körperbilder und Zugehörigkeit aus.
Neuzugang bei Heated Rivalry

Ein Prinz gesellt sich zum Cast

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry“ erweitert die zweite Staffel um fünf weitere Darsteller, darunter der Prinz aus „Young Royals“, Edvin Ryding.
Keenan schreibt Geschichte

Hockey-Star und „First Gentleman“

Nicolás Keenan, der Verlobte von Rob Jetten, wird bei der Hockey-WM als erster offen bisexueller Mann im Teilnehmerfeld Geschichte schreiben.
Trauer um Michael Jähme

Abschied von HIV-Aktivisten

Die Community trauert: Michael Jähme, langjähriger Aktivist der Aidshilfe- und Schwulenbewegung, ist mit 67 Jahren bei einem Bergunfall gestorben.
Wachowski sucht neue Wege

Hollywood zögert bei trans* Film

Lilly Wachowski (Matrix) findet trotz positiver Reaktionen keine Finanzierung für ihren neuen trans`Thriller „The Hunted“. Hat Hollywood Angst?
Oscar-Jahr für LGBTIQ+?

„La Bola Negra“ im Rennen

Die Oscars 2027 könnten für das LGBTIQ+-Kino historisch werden – mit Chancen für „La Bola Negra“, Colman Domingo und Andrew Scott.
Hass-Welle in Marokko

Gay-Kreuzfahrt sorgt für Debatten

Neuer Ärger auf See: Eine Gay-Kreuzfahrt machte in Marokko halt. Vor Ort blieb alles ruhig, online brach eine Hass-Welle über das Schiff hinweg.
Mord an junger trans* Frau

Gewalttat erschüttert Portland

Nach dem tödlichen Messerangriff auf Juju Nadeau trauert Portland um die junge trans* Frau und erinnert an ihr lebensfrohes Wesen.