Direkt zum Inhalt
Sexuelle Gesundheit

Sexuelle Gesundheit Deutsche Aidshilfe stellt erste Forderungen für LGBTI* vor

ms - 16.12.2022 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Zwei Jahre lang hat die Deutsche Aidshilfe zusammen mit dem Robert-Koch-Institut erforscht, wie queere Menschen im Gesundheitswesen besser behandelt werden können. Ein großes Augenmerk lag dabei auch auf der Frage, was Gesundheitseinrichtungen künftig tun müssen, um dem Bedarf von trans und nicht-binären Menschen in Sachen sexuelle Gesundheit gerecht zu werden.

Communitynahe Checkpoints

Die ersten Ergebnisse wurden jetzt vorab bereits veröffentlicht, dabei stellt die Deutsche Aidshilfe fünf zentrale Empfehlungen für die Prävention von HIV und Geschlechtskrankheiten sowie für die Förderung des sexuellen Wohlbefindens bei queeren Menschen auf. Zunächst bedürfe es spezialisierter Checkpoints in allen Großstädten, die möglichst communitynah und einfach zu erreichen sind. Bisher gibt es solche oder ähnliche Anlaufstellen zumeist nur in einzelnen Städten wie beispielsweise Berlin – und selbst innerhalb einer Großstadt gibt es oftmals nur sehr wenige dieser Einrichtungen, sodass im Bedarfsfall Betroffene längere Anfahrtsstrecken selbst dann in Kauf nehmen müssen, wenn sie in derselben Stadt leben.

Informationen und Testmöglichkeiten

Im zweiten Punkt spricht sich die Aidshilfe für exklusive “Testing Days“ aus, gerade in Aidshilfen oder aber auch in Praxen, die bisher kein reguläres Angebot speziell für trans und nicht-binäre Menschen haben. Dazu sei es im dritten Punkt auch wichtig, umfassende und gut recherchierte Info-Materialien zur Verfügung zu stellen – mit Fokus auf die Prävention von HIV und Geschlechtskrankheiten sowie die sexuelle Gesundheit. Wichtig dabei ist, dass die Broschüren nicht pauschal verfasst sind, sondern individuell auf trans und nicht-binäre Menschen eingehen. Das würde nicht nur den Betroffenen direkt helfen, sondern auch möglichen Sexpartnern sowie ganz erheblich auch dem Fachpersonal in Beratungsstellen.

Bessere Schulung

Damit kommt die Aidshilfe auch gleich zu ihrer vierten Forderung, die bereits in diesem Sommer auch von der Bundesärztekammer sowie jüngst auch vom Deutschen Ärzteblatt gefordert wurde: Es braucht dringend besser geschultes medizinisches Personal, gerade in Test und Beratungseinrichtungen, aber auch in Arztpraxen. Menschen mit HIV sowie aber auch trans und nicht-binäre Personen eint, dass sie aufgrund von Unwissenheit oder Angst ihres Gegenübers oftmals bewusst wie unbewusst Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren, nicht immer ist dies aber überhaupt den Verursachern bewusst.

Forschung, Forschung, Forschung!

Zuletzt legt die Aidshilfe auch einen Schwerpunkt auf das Thema Forschung, am besten mit drei Ausrufezeichen versehen. Es sei sehr wichtig, mehr zu forschen und mehr zu recherchieren zu den besonderen medizinischen und körperlichen Bedürfnissen von queeren Menschen, gerade im Wechselspiel mit HIV und anderen Geschlechtskrankheiten, aber auch im Bereich Prävention und der Verbesserung der sexuellen Gesundheit. Bisher wird dieses Feld oftmals noch stiefmütterlich behandelt oder queere Menschen werden unreflektiert als eine einzige homogene Gruppe in Studien einbezogen, auch wenn es innerhalb der Community viele markante Unterschiede in allen Lebensbereichen gibt – von der psychischen und physischen Gesundheit über das Sexualverhalten bis hin zu generellen Aspekten der Lebensgestaltung.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Aufsehen um neue HBO-Serie

Schwules Leben und Lieben in Polen

Die neue polnische Serie "Proud" porträtiert das Leben von jungen Schwulen und sorgt im Land derzeit für viel Aufregung.
Prominente Kritik an US-Agenda

Im Fokus ICE-Jugendhaftzentrum

Über 200 Prominente, darunter Madonna, Billy Porter oder Javier Bardem, fordern die Schließung einer ICE-Haftanstalt für Kinder und Familien in Texas.
HIV in Schottland

Keine neue Infektionen bis 2030?

Schottland ist auf dem Weg, HIV-Übertragungen bis 2030 ganz zu beenden, dazu bedarf es allerdings jetzt mehr Einsatz der Regierung, so Fachverbände.
Schwere Lage in Australien

Queere Menschen in Down Under

Die Lage für queere Menschen in Australien habe sich innerhalb von knapp zehn Jahren verschlechtert, betonte jetzt die Menschenrechtskommission.
Depressionen bei Jugendlichen

Erneute Zunahme der Fallzahlen

Abermals sind die Fälle von Depressionen bei Jugendlichen angestiegen, besonders belastet sind dabei queere Minderjährige.
Anhörung im Fall Uganda

Sitzung im kanadischen Parlament

Homosexuelle aus Uganda haben sich in einer Anhörung an Kanada gewandt und erhoffen sich mehr Schutz für Schwule und Lesben.
Japan prüft Öffnung der Ehe

Beratungen des Obersten Gerichts

Seit Jahren wird in Japan über die Einführung der Ehe für alle gestritten, nun hat sich endlich das Oberste Gericht der Sache angenommen.
Neues Verbot in Frankreich

Jugendliche und Social-Media

Frankreichs Senat stimmte für ein Social-Media-Verbot einiger Plattformen für Jugendliche. Ungewiss ist, ob das Gesetz nicht gegen EU-Recht verstößt.
25 Jahre Ehe für alle

Niederlande feiert Jubiläum

Heute vor 25 Jahre führten die Niederlande als erstes Land weltweit die gleichgeschlechtliche Ehe ein, ein Meilenstein für die Community.