Direkt zum Inhalt
Regierung und Gerichte in Singapur wollen nicht mit der Zeit gehen

Singapur beharrt auf Homo-Hass Regierung und Gerichte in Singapur wollen nicht mit der Zeit gehen

ms - 04.08.2022 - 10:30 Uhr
Loading audio player...

Die Situation für Homosexuelle in Singapur bleibt eine äußerst schwierige und wurde jetzt abermals von Seiten der Regierung als solche zementiert. Eigentlich überarbeitet das Land gerade veraltete Gesetze aus der britischen Kolonialzeit, das Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex bleibt dabei allerdings unangetastet – das bekräftigte jetzt abermals die Regierung von Singapur.

Zuvor hatte bereits im März dieses Jahres das Oberste Gericht des Landes alle Anfechtungen des Gesetzes rüde mit der Behauptung zurückgewiesen, dass homosexueller Sex zwar strafbar sei (und bleibe), aber von Seiten der polizeilichen Behörden in der Regel nicht verfolgt oder geahndet werde. Die drei klagenden schwulen Männer hätten deswegen nichts zu befürchten, auch wenn die Gesetzgebung nach wie vor Haftstrafen von bis zu zwei Jahren für schwulen Sex vorsieht. Dieser, wahrlich sehr eigenwilligen Urteilsbegründung schloss sich jetzt die Regierung abermals an und erklärte überdies, dass auch eine Überarbeitung der veralteten Definition der Ehe als Verbund nur zwischen Mann und Frau nicht vorgesehen ist. Im Gegenteil, man prüfe derzeit, wie man die Richtlinien so ausarbeiten könne, um auch künftig vor einer möglichen, gerichtlichen Anfechtung geschützt zu sein, so Justiz- und Innenminister Kasiviswanathan Shanmugam.

Unterstützung bekommt die Regierung wenig verwunderlich von der römisch-katholischen Kirche: "Wir begrüßen und unterstützen die klare Stellungnahme der Regierung zur Ehe und sind sicher, dass sie ihre derzeitige Rechtsposition, die die Ehe als eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau definiert, zu schützen sucht. Wir hoffen, dass der Schutz der Ehe und unsere Freiheit, ohne Angst oder Bevorzugung zu verkünden und zu lehren, was wir glauben, anerkannt und beibehalten wird", so die offizielle Stellungnahme der römisch-katholischen Erzdiözese Singapur.

Singapur bleibt also ganz im Sinne der konservativen Hardliner auf Spur, während andere Länder im asiatischen Raum wie beispielsweise Thailand sich schrittweise auch rechtlich für die Gay-Community öffnen. Bedauern über diese jüngsten Entwicklungen kommen von zahlreichen LGBTI*-Organisationen und queeren Aktivisten wie beispielsweise Johnson Ong Ming: „Dieses Gesetz ist ein großes Zeichen für die Gesellschaft, dass schwule Männer immer noch kriminell sind, auch wenn sie nicht strafrechtlich verfolgt werden." Und Téa Braun, Geschäftsführerin des Human Dignity Trust, stellte zudem fest: „Schwule Männer sind in Singapur immer noch effektiv nicht erfasste Kriminelle und einer Kultur der Scham und Homophobie ausgesetzt. Gesetze, die 1938 die Ansichten der Gesellschaft über sexuelle Handlungen zwischen Männern zum Ausdruck bringen sollten, haben in einer Demokratie des 21. Jahrhunderts wie Singapur keinen Platz mehr.“ Das Oberste Gericht und auch die Regierung des Landes scheinen dies offensichtlich noch immer anders zu sehen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Akzeptanz nimmt weiter ab

Weltweiter Negativ-Trend hält an

Die gesellschaftliche Akzeptanz für LGBTIQ+-Menschen geht einer internationalen Studie zufolge in vielen Ländern erneut zurück, auch in Deutschland.
Drake Von wehrt sich

Adult-Star bestreitet Vorwürfe

Nach seiner Festnahme in Las Vegas hat der Adultdarsteller und OnlyFans-Star Drake Von die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.
Rekordlauf in Rom

Cunningham knackt 13-Sekunden-Marke

Der offen schwule US-Leichtathlet Trey Cunningham hat beim Golden-Gala-Meeting in Rom einen 27 Jahre alten Veranstaltungsrekord gebrochen.
ESC-Zukunft weiter offen

Boykott-Länder warten ab

Ein halbes Jahr nach der Rückzugswelle beim ESC bleibt die Zukunft ungewiss, in Spanien, Island und Belgien wird weiterhin über Boykott diskutiert.
Neue Dating-App für Community

Kritik an bekannten Dating-Diensten

Ein Berliner startete eine neue App für queere Menschen, die nebst Dating und Sex auch soziale Vernetzung und gemeinschaftliches Miteinander suchen.
Asyl für schwulen Türken

Positiver Bescheid in Österreich

Ein 40-jähriger Mann aus der Türkei hat in Österreich als schwuler Flüchtling Asyl erhalten – ein bislang einmaliger Erfolg.
Japan vor Grundsatzurteil

Kommt endlich die Ehe für alle?

Der Oberste Gerichtshof Japans will bis Anfang 2027 über die Verfassungsmäßigkeit der Ehe für alle entscheiden – ein Urteil mit weitreichenden Folgen.
Missbrauchs-Skandal in Italien

Schwere Vorwürfe an Militärschule

Ein Lehrer der Militärschule Teulié in Mailand soll Schüler sexuell missbraucht, unter Druck gesetzt und mit schulischen Vorteilen beeinflusst haben.
Risse durch die USA

LGBTIQ+-Rechte unter Druck

Ein neuer Bericht zeigt, dass sich das Geschäfts- und Gesellschaftsklima für LGBTIQ+-Menschen in den USA das vierte Jahr in Folge verschlechtert hat.