Direkt zum Inhalt
Streitfall Terre des Femmes

Streitfall Terre des Femmes Gericht ebnet Weg für eine außerordentliche Mitgliederversammlung um die Frage: Was ist eine Frau?

ms - 10.11.2022 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Seit mehreren Monaten kriselt es massiv bei Deutschlands größter Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TDF) – Ausgangspunkt ist dabei ein Streit um die Frage rund um biologische Frauen und Trans-Frauen. Nun bringt eine Entscheidung des Berliner Landgerichts neuen Schwung in die Angelegenheit.

Was ist eine Frau?

Dabei geht es im Kern um ein Positionspapier, welches die Frauenorganisation bereits 2020 veröffentlicht hatte. Darin ist klar festgehalten, dass das biologische Geschlecht ausschlaggebend für die Einschätzung einer Frau ist – eine bis heute oftmals vorhandene Streitfrage gerade mit Blick auf Schutzräume für Frauen. Damit positionierte sich die Frauenorganisation auch klar gegen die aktuellen Pläne der Ampel-Koalition zum Selbstbestimmungsgesetz, das die Definition einer Frau einzig von der Person selbst abhängig macht. Diverse Trans-Aktivisten liefen daraufhin Sturm gegen das Positionspapier, weswegen im Juli dieses Jahres der Verein zur Überraschung vieler seiner Mitglieder kurzfristig das Positionspapier zurücknahm. Wie es konkret zu dieser Entscheidung gekommen ist, ist bis heute nicht eindeutig.

Geschäftsführerin Christa Stolle hatte im Cicero-Interview erklärt, die Debatte um die Frage, was genau eine Frau ist, sei kontraproduktiv, spalterisch und destruktiv. Widerspruch dagegen kam von Inge Bell, ebenso aus dem Vorstand der Organisation. Ein Rechtsgutachten attestierte Teilen des Vorstandes schließlich sogar ein satzungs- und rechtswidriges Handeln, da die Mitglieder der Frauenorganisation in diese inhaltliche 180-Grad-Wende offensichtlich nicht mit einbezogen worden waren.

Sollte eine basisdemokratische Abstimmung verhindert werden?

Auch wenn rund 200 Frauen der Organisation den Wunsch nach einer außerordentlichen Mitfrauenversammlung äußerten, um die Sachlage basisdemokratisch zu klären, soll die Geschäftsführung und Teile des Vorstandes die Vernetzung der Vereins-Frauen untereinander behindert haben, um eine Abstimmung in dieser Angelegenheit zu verhindern. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Inge Bell zog daraufhin vor Gericht – das Landgericht in Berlin entschied jetzt in einem Eil-Antrag, dass die Geschäftsstelle Bell die Mitgliederlisten und alle Kontaktdaten übermitteln muss, sodass eine außerordentliche Mitfrauenversammlung angegangen werden kann.

Bell dazu via Twitter: „Das ist eine großartige Entscheidung. Sie ebnet endlich den Weg zu einer unabhängigen und direkten Kommunikation zwischen mir als Vorständin und den Mitfrauen – und damit auch den Weg zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Und eigentlich hätte es dazu auch gar keiner Gerichtsverhandlung bedurft, weil die Sache auf der Hand liegt. Die Geschäftsführerin ließ mir aber leider keine Wahl.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Verzicht auf WM 2026

Fanverband zieht Konsequenzen

Die offizielle LGBTIQ+-Fanorganisation der englischen Fußball-Nationalmannschaft ist bei der WM in den USA aus Sicherheitsbedenken nicht dabei.
Streit um Zivilgesetzbuch

Selenskyj betont Gleichberechtigung

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat sich für eine offene Diskussion über LGBTIQ+-Rechte ausgesprochen, trotz geplanter neuer Hass-Gesetze.
Mord nach Dating-App-Treffen

Dolmetscher tot aufgefunden

Der Tod des international bekannten Dolmetschers Roberto Pietro Guerrino schockt Italien. Die Spur führt zu einer schwulen Dating-App.
LGBTIQ+-Veteranen in den USA

US-Ministerium streicht LGBTIQ+

Eine neue Anweisung der US-Regierung verändert die Betreuung von LGBTIQ+-Veteranen und sorgt für große Unsicherheit über bestehende Angebote.
Verschärfung des SBGG

LSVD+ warnt vor Generalverdacht

Der LSVD+ kritisiert Pläne zur möglichen Nachschärfung des Selbstbestimmungsgesetzes und fordert, die vorgesehene Evaluation abzuwarten.
Prostitutionsring in Wien

Opfer waren männliche Jugendliche

Nach einem Mordfall in Wien ermittelt die Polizei derzeit gegen 15 Verdächtige wegen einem mutmaßlichen Prostitutionsring von männlichen Jugendlichen.
Regenbogenparade in Wien

Rekordbeteiligung bei 30. CSD

Die Wiener Regenbogenparade hat erneut Hunderttausende Menschen angezogen, die Veranstalter warnen indes vor Rückschritten bei LGBTIQ+.
Großes CSD-Event trotzt Krieg

Zehntausende bei Tel Aviv Pride

Trotz Kriegslage und hoher Sicherheitsvorkehrungen zog der Tel Aviv Pride Zehntausende Menschen an und wurde zur größten LGBTIQ+-Parade im Nahen Osten