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Zustimmung zum Geschlechtswechsel schwindet
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Trans-Menschen in Großbritannien Chancengleichheit geht zu weit, sagt jeder dritte Brite

ms - 23.09.2022 - 12:00 Uhr

Eine neue Umfrage der British Social Attitudes (BSA) zeigt nun auf, dass die öffentliche Unterstützung in der Bevölkerung für einen Geschlechtswechsel von Trans-Personen immer mehr schwindet – binnen der letzten zwei Jahre ist ein dramatischer Rückgang zu verzeichnen, immer weniger Briten wollen, dass Trans-Menschen ihr Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde einfach nur via Sprechakt ändern dürfen. 

Konkret sank der Anteil der Befürworter von einstmals 53 Prozent auf aktuell nur noch 32 Prozent – damit haben sich die Zustimmungswerte innerhalb von zwei Jahren beinahe halbiert. Insgesamt 39 Prozent sprechen sich nun klar dagegen aus. Zudem ist jeder dritte Brite (33 Prozent) der Auffassung, dass die Chancengleichheit für Transgender-Personen inzwischen zu weit gegangen ist. Dem gegenüber stehen 32 Prozent der Befragten, die denken, dass noch viel mehr für Trans-Menschen getan werden müsste. Sir John Curtice, Senior Research Fellow am National Centre for Social Research, das den Bericht veröffentlicht hat, erklärte gegenüber der Times: "Dies ist der einzige Fall, in dem sich die Einstellungen im Moment nicht in eine liberalere Richtung bewegt haben. Die Frage der Geschlechteranerkennung ist in den letzten Jahren in den Medien viel stärker thematisiert worden. Die breiteren Umfragen zeigen, dass die Menschen ziemlich geteilter Meinung darüber sind, ob man es den Menschen erlauben kann, dies auf der Grundlage ihrer Selbstidentifikation zu tun, im Gegensatz dazu, dass sie irgendein Verfahren durchlaufen müssen.“ Befragt nach den Rechten für Homo- und Bisexuelle sagten indes 73 Prozent der Briten, dass hier noch mehr getan werden müsste.

Die Skepsis gegenüber Gesetzesvorhaben für Trans-Menschen zeichnete sich auch bei der britischen “More In Common“- Studie ab, die im Sommer dieses Jahres veröffentlicht worden war. Eines dieser Streitthemen ist die Einnahme von Pubertätsblockern bei Jugendlichen: Für die Mehrheit (54 %) der Briten sollten Pubertätsblocker erst nach dem 18. beziehungsweise sogar 21. Lebensjahr zum Einsatz kommen, jeder fünfte Inselbewohner hält indes gar nichts davon (17 %). Andere geschlechtsangleichende Medikamente wie beispielsweise Hormone werden noch deutlicher für Minderjährige abgelehnt (60 %). Operative Eingriffe für Jugendliche verneinen sogar drei Viertel (74 %) aller Menschen im Vereinigten Königreich. Eine knappe Mehrheit der Briten ist sich inzwischen auch unsicher (22 %) bei der Frage oder lehnt es direkt ab (32 %), dass Trans-Frauen biologischen Frauen in allen Aspekten des menschlichen Lebens gleichgesetzt werden. Seit dem Jahr 2004 dürfen in Großbritannien Trans-Personen ihren Personenstand gemäß dem “Gender Recognition Act“ ändern, allerdings muss dazu medizinisch bestätigt werden, dass die betreffende Person an einer Geschlechtsdysphorie leidet und der Antragsteller muss bereits zwei Jahre in seinem gewünschten Geschlecht leben. Bis heute wird immer wieder versucht, ähnlich wie in Deutschland mit dem geplanten Selbstbestimmungsgesetz, ein Gesetz einzuführen, dass eine gesetzliche Geschlechtsänderung nur via Sprechakt ermöglicht. In Großbritannien sorgten diese Pläne zu massiven Protesten aus der Bevölkerung, sodass ein bisheriges Gesetzvorhaben Ende 2020 scheiterte.

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