Direkt zum Inhalt
Verfassungsschutz für Homosexuelle

Verfassungsschutz für LGB Sexuelle Orientierung als Schutzaspekt gesetzlich verankert

ms - 19.01.2023 - 08:36 Uhr
Loading audio player...

Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Behinderung ist verboten – dieses klare Statement haben die Niederlande jetzt in einer finalen Abstimmung in ihre Verfassung aufgenommen. Nachdem zeitnah jetzt König Willem-Alexander das Gesetz unterzeichnen wird, tritt das neue Gesetz in Kraft.

Schwule, Lesben und Bisexuelle besser schützen

Mit 56 zu 15 Gegenstimmen erreichte die finale Abstimmung im Senat die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit, sodass der Artikel 1 der niederländischen Verfassung nun ergänzt werden kann. Die Abstimmung im Senat war der letzte noch notwendige Schritt in einem mehrjährigen Verfahren, bereits im Jahr 2010 hatten Grüne, Sozialdemokraten und Linksliberale erstmals die Initiative zu der Verfassungsänderung ergriffen. Bisher hatte die Verfassung in den Niederlanden nur ein Diskriminierungsverbot aufgrund der Religion, der Lebensanschauung, der politischen Gesinnung, der Rasse und des Geschlechts festgehalten. Nun soll die Verfassung explizit auch Schwule, Lesben und Bisexuelle (LGB) schützen. Die wenigen Gegenstimmen kamen unter anderem von der rechtspopulistischen Partei PVV.

Grundgesetzänderung auch in Deutschland?

Die LGBTI*-Community und diverse Verbände in den Niederlanden feiern die finale Abstimmung als historischen Schritt für Homosexuelle. Kernziel des Vorhabens war es dabei, dass errungene Rechte fest in der niederländischen Rechtssprechung verankert sind und bleiben, auch dann, wenn die Regierung wechselt. Ähnliches wünscht sich auch die Ampel-Koalition in Deutschland und plant, den besonderen Schutz des Grundgesetzes in Artikel 3 um den Passus “sexuelle Identität“ zu erweitern.

Verfassungsrechtler rechnen dem Vorhaben aus verschiedenen Gründen allerdings wenig Erfolgschancen zu. Zum einen bedarf es auch in Deutschland einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag sowie dem Bundesrat, was einer Zustimmung von CDU/CSU zwingend notwendig macht. Zum anderen ist der Begriff der “Identität“ so ungenau definiert, dass es allein aus juristischen Aspekten heraus zu massiven Problemen kommen kann. Auch innerhalb der Community wird seit Monaten immer wieder darüber diskutiert, warum im Grundgesetz ähnlich wie jetzt in der niederländischen Verfassung nicht juristisch eindeutig die “sexuelle Orientierung“ festgeschrieben werden kann.

Intensive Gespräche in Deutschland

Im Interview mit der Tagesschau hatte der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, im Januar dieses Jahres erklärt, warum die Ergänzung des Grundgesetzes ein so wichtiger Punkt ist: „Ein ausdrücklicher verfassungsrechtlicher Schutz ist wichtig, auch damit bestimmte Errungenschaften, wie die Ehe für alle, nicht wieder zurückgedreht werden können. Wir brauchen für die Grundgesetzänderung eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Es laufen derzeit intensive Gespräche, um in dieser Legislaturperiode dafür einen Anlauf zu machen.“ Auch im nationalen Aktionsplan “Queer leben“ ist das Vorhaben zur Grundgesetzänderung festgehalten – ob und wann eine konkrete Umsetzung möglicherweise erfolgen könnte, steht noch nicht fest.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Premium-Abo mit Goldkante?

Preismodell schon jetzt in Kritik

Die beliebte Dating-App Grindr startet in ausgewählten Regionen ein Premium-Abonnement zum stolzen Preis von bis zu 500 US-Dollar pro Monat.
Dobrindt verweist auf Tatort

Verfahren gegen nichtbinäre Maja T.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigt das strafrechtliche Vorgehen und das Urteil gegen die nichtbinäre deutsche Person Maja T. in Ungarn.
Neues Maß für das Arbeitsrecht

Weisungsrecht beim Gendern betont

Urteil in Hamburg: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitenden geschlechtergerechte Sprache verbindlich vorschreiben.
Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.