Direkt zum Inhalt
Norwegen verdonnert Grindr wegen DSGVO-Verstoß zu fast 6 Millionen Euro Strafe
ANZEIGE

Weitergabe mit Folgen Norwegen verdonnert Grindr wegen DSGVO-Verstoß zu fast 6 Millionen Euro Strafe

co - 05.10.2023 - 16:00 Uhr
Loading audio player...

Die norwegische Datenschutzbehörde Datatilsynet fand heraus, dass Grindr unrechtmäßig personenbezogene Daten an Werbepartner weitergegeben hatte, die zur Identifizierung seiner Nutzenden führen können. Bereits 2021 wurde für das Vergehen eine Datenschutzstrafe festgelegt. Jetzt bestätigte ein Berufungsgremium den Betrag.

Um diese Daten ging es

Laut der Untersuchung von Datatilsynet hatte Grindr Alter, Geschlecht, GPS-Standort, IP-Adresse und Werbe-ID der Betroffenen weitergegeben. Mit diesen Informationen sei es laut der Behörde möglich gewesen, die Nutzenden zu identifizieren. Der sorglose Umgang der Dating-Plattform mit personenbezogenen Daten wurde schon häufig kritisiert (SCHWULISSIMO berichtete). Die norwegische Untersuchung bezog sich auf Daten aus dem Zeitraum zwischen Juli 2018 und April 2020. Danach hatte Grindr seinen Zustimmungsmechanismus angepasst.

Die Untersuchung ging auf eine Beschwerde des norwegischen Verbraucherrats aus dem Jahr 2020 zurück. Der Rat befürchtete, dass die unrechtmäßig weitergegebenen Daten dazu genutzt werden könnten, um LGBTI* in Ländern zu verfolgen, in denen Homosexualität illegal ist. Besonders gravierend ist dabei, dass die App auch Daten weitergab, die Personen als Grindr-Nutzende identifizierte – und da sich die App vorwiegend an schwule und bisexuelle Männer richtet, deute allein das schon eine nicht-heterosexuelle Identität an. Daher habe Grindr auch noch eine von der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) besonders geschützte Information offengelegt.

Die Strafe

Grindr muss nun ein Bußgeld in Höhe von 65 Millionen Norwegischen Kronen (etwa 5,8 Millionen Euro) zahlen. Es ist die höchste Datenschutzstrafe, die Datatilsynet bisher verhängte. Zuerst hatte die Behörde sogar eine noch höhere Strafe angedroht. Doch die angedrohten 100 Millionen Norwegischen Kronen wurden verringert, weil die App ihren Einwilligungsmechanismus anpasste.

Nachdem die Betreiber der App Berufung einlegten, ging die Angelegenheit an den Beschwerdeausschuss für den Schutz der Privatsphäre (Personvernnemnda). Dieser bestätigte nun die Bußgeldforderung. Jetzt bleibt Grindr nur noch der Weg vor Gericht, um der Strafe zu entgehen.

Datenschutzbehörde und Verbraucherschutz zufrieden

„Wir sind sehr erfreut, dass der Beschwerdeausschuss unseren Untersuchungsergebnissen zugestimmt und unsere Entscheidung bestätigt hat“, so Datatilsynet-Direktorin Line Coll. Um die betreffenden Daten weitergeben zu können, sei eine freiwillige Einwilligung erforderlich gewesen. Die App habe allerdings keine eingeholt. Stattdessenden hatten Interessierte nur die Wahl, alle Bedingungen zu akzeptieren oder die App schlicht nicht nutzen zu können. 

Es habe laut der Behörde außerdem keine explizite Frage nach der Erlaubnis gegeben, die Daten zu Werbezwecken an Dritte weiterzuleiten. Informationen zur Weiterleitung von Daten befanden sich lediglich in der Datenschutzerklärung, und das sei nicht ausreichend: „Der Einwilligungsmechanismus gibt Nutzenden Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Wenn sie nicht in der Lage sind, die von ihnen zu treffenden Entscheidungen zu verstehen, oder ihnen keine richtige Wahlfreiheit gegeben wird, ist die Einwilligung illusorisch.“

Auch Finn Myrstad, der beim norwegischen Verbraucherrat für Digitalpolitik zuständig ist, ist zufrieden mit dem Urteil: „Überwachungsbasierte Werbung, bei der Unternehmen personenbezogene Daten zu kommerziellen Zwecken sammeln und weitergeben, ist völlig außer Kontrolle geraten“, findet er. Dass die Datenschutzstrafe nun bestätigt wurde, zeige nun klar und deutlich: „Die Weitergabe personenbezogener Daten ohne Rechtsgrundlage hat ernste Folgen.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der Sommer zieht blank

Endlich wieder durchatmen

Die große Hitze geht wahrscheinlich kommende Woche – und mit ihr verschwinden Schweiß, Klebegefühl und die Sehnsucht nach Klimaanlagen.
Schwule Bären im Wandel

Ozempic verändert Szene

Medikamente zur Gewichtsreduktion verändern inzwischen auch die Bären-Community – und lösen eine Debatte über Körperbilder und Zugehörigkeit aus.
Neuzugang bei Heated Rivalry

Ein Prinz gesellt sich zum Cast

Die schwule Hit-Serie "Heated Rivalry“ erweitert die zweite Staffel um fünf weitere Darsteller, darunter der Prinz aus „Young Royals“, Edvin Ryding.
Keenan schreibt Geschichte

Hockey-Star und „First Gentleman“

Nicolás Keenan, der Verlobte von Rob Jetten, wird bei der Hockey-WM als erster offen bisexueller Mann im Teilnehmerfeld Geschichte schreiben.
Trauer um Michael Jähme

Abschied von HIV-Aktivisten

Die Community trauert: Michael Jähme, langjähriger Aktivist der Aidshilfe- und Schwulenbewegung, ist mit 67 Jahren bei einem Bergunfall gestorben.
Wachowski sucht neue Wege

Hollywood zögert bei trans* Film

Lilly Wachowski (Matrix) findet trotz positiver Reaktionen keine Finanzierung für ihren neuen trans`Thriller „The Hunted“. Hat Hollywood Angst?
Oscar-Jahr für LGBTIQ+?

„La Bola Negra“ im Rennen

Die Oscars 2027 könnten für das LGBTIQ+-Kino historisch werden – mit Chancen für „La Bola Negra“, Colman Domingo und Andrew Scott.
Hass-Welle in Marokko

Gay-Kreuzfahrt sorgt für Debatten

Neuer Ärger auf See: Eine Gay-Kreuzfahrt machte in Marokko halt. Vor Ort blieb alles ruhig, online brach eine Hass-Welle über das Schiff hinweg.
Mord an junger trans* Frau

Gewalttat erschüttert Portland

Nach dem tödlichen Messerangriff auf Juju Nadeau trauert Portland um die junge trans* Frau und erinnert an ihr lebensfrohes Wesen.