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Gewitter im Kopf // © Gewitter im Kopf

5 Fragen an Gewitter im Kopf Zwei YouTuber stehen für Toleranz, Akzeptanz und Inklusion

tr - 28.07.2021 - 10:00 Uhr

Anfang Juli sprachen wir mit Jan und Tim von dem YouTube Kanal „Gewitter im Kopf“. In deren Videos thematisieren sie Jans Leben mit Tourette, eine neurologische Erkrankung des Nervensystems, die sich bei Jan unter anderem in vokalen und motorischen Tics äußert. Über 2,2 Millionen Follower haben die Zwei.

Hallo ihr beiden. Schön, dass es geklappt hat. Ich freue mich sehr. Heute möchte ich mit euch über den CSD Leipzig 2021 sprechen.
Jan und Tim: Hallo, wir freuen uns ebenfalls sehr.

Ihr seid Botschafter für den CSD in Leipzig geworden. Was genau bedeutet das?
Jan: Wir wurden von der Stadt Leipzig vor einigen Monaten schriftlich eingeladen und gefragt, ob wir Botschafter für den CSD Leipzig 2021 werden wollen.

Tim: Als Botschafter haben wir zum Beispiel in schriftlicher Form ausgedrückt, was es für uns bedeutet, den CSD zu vertreten. Die Veranstaltung wird unter unserem Gesicht passieren. Wir werden vor Ort sein, an der Parade teilnehmen und gegebenenfalls auf der Bühne stehen, auf der wir ein paar Sätze zu dem diesjährigen Thema sagen. Im Anschluss sind wir dann noch in einem Live-Stream zu sehen und geben ein Interview. Im Vorfeld waren wir auch schon zu Gast bei „Inside CSD Leipzig – Der Podcast“

Jan: Wir beide wollen Diskriminierung gegen queere Menschen, wie auch jeglicher anderen Form von Diskriminierung keine Chance und keine Plattform geben und unterstützen den CSD Leipzig daher auf ganzer Ebene. 

Wie kam es zu dem Botschafterposten und warum habt ihr euch dafür entschieden?
Jan: Ich denke, es liegt daran, dass wir nicht nur das Thema Akzeptanz für queere Menschen vertreten, sondern auch Inklusion. Wir beide betreiben einen YouTube Kanal, der das Thema Tourette und Behinderung, bzw. Einschränkung thematisiert. Zudem stehen wir für Toleranz und Offenheit im Bezug auf Sexualität. Ich gehe mit meiner sexuellen Orientierung offen um und der CSD 2021 in Leipzig steht unter dem Motto Inklusion. Daher passen die Vorstellungen von uns und der Veranstaltung gut zusammen.

Tim: Wir sind übrigens nicht alleine Botschafter, sondern die kleinste Dragqueen der Welt - BayJane, die die gleichen Dinge vertritt, ist ebenfalls dabei.

Welche Erwartungen und Ziele habt ihr an den CSD Leipzig?
Jan: Wir sind beide noch nie auf dem CSD Leipzig gewesen. Ich kenne bisher nur den in Köln und war einmal in Kanada auf einem Christopher Street Day. Unsere Erwartungen dieses Jahr sind, zu sehen, wie die Leute sich trotz der Pandemie verhalten und dass sie trotzdem Spaß haben. Unser Ziel ist den Themen Queerness und Inklusion mehr Gehör zu verschaffen und weitere Sichtbarkeit, auch in den Medien und im öffentlichen wie gesellschaftlichen Bild, zu erreichen.

Jan, waren die Menschen dir als homosexueller Mann gegenüber immer tolerant oder hast du bereits Homophobie erlebt?
Jan: Ich gehe auch im Internet bewusst offen damit um, dass ich schwul bin. Persönlich habe ich positive Erfahrungen gemacht, aber ich weiß natürlich, dass es bei vielen Personen leider anders aussieht. Ich würde mich über einen ganz normalen Umgang freuen, den die Leute auch mit anderen pflegen. Homophobe Aussagen und Sprüche habe ich zwar schon erlebt, aber das ist wirklich extrem selten gewesen. Auf der Straße passiert es noch seltener. Ich glaube, die Menschen trauen sich das im Internet häufiger, als wenn sie mir direkt gegenüberstehen, weil sie sich im Netz vermeintlich anonym fühlen.

Ich freue mich, dass du mit Homophobie bisher kaum schlechte Erfahrungen machen musstest. Tim, was wünschst du dir für die LGBTI*-Gemeinschaft für die Zukunft?
Tim: Dass es als normal angesehen wird und gar nicht mehr nötig ist, sich zu outen. Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder lieben darf, wen er möchte. Ich wünsche mir, dass das von allen akzeptiert wird.

Wer mehr über die Jungs erfahren möchte, kann sich ihr Buch „Gewitter im Kopf - Leben mit Tourette“ kaufen. Es erschien am 21.06.2021 und hat es bereits unter die Spiegel-Bestseller geschafft. Das Werk ist biografisch aufgebaut und erklärt vor allem zu Beginn Tourette so, dass es auch Menschen verstehen, die mit diesem Thema noch nie Berührungspunkte hatten.

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