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Vanessa & Sven

Ausgequetscht Vanessa & Sven

vvg - 10.07.2022 - 12:00 Uhr

sind Artist:innen, die seit ihrer Ausbildung schon zehn Jahre zusammenarbeiten. Ihre Partner-Äquilibristik wird zur Metapher einer liebevollen Partnerschaft und trotzdem sind sie nur allerbeste Freunde …

Wie habt ihr zusammengefunden – und wann?

Vanessa: Wir haben uns 2005 auf der Artistenschule in Berlin kennengelernt, haben dort zusammen unsere Ausbildung begonnen und seit 2007 arbeiten wir zusammen und treten als Duo auf.

Wie ist euer Programm entstanden?

Sven: Wir haben beide als Solo-Artisten angefangen. Unsere Zusammenarbeit entstand mehr oder weniger durch einen Zufall. Vanessa saß auf dem Boden und ich habe mich bei ihr aufgestützt, ein paar ältere Absolventen sagten, wenn ihr es schafft so einen Handstand zu machen, laden wir euch zum Kaffee ein. Das weckte unseren Ehrgeiz und wir haben so lange geübt, bis wir den Handstand auf ihren Füßen geschafft hatten. Es folgte immer mehr kreativer Input, bis wir genug „Vorführmaterial“ hatten.
Danach haben wir unseren Trainer gefragt, was er von unserem Duo-Act hält. Er hat uns einen Versuch gegeben, die wir als Chance sehr erfolgreich genutzt haben und so sind wir seitdem zusammengeblieben.

 

Habt ihr gemeinsame Alternativ-Programme oder tretet ihr auch solo auf?

Sven: Wir haben beide noch eine Solo-Darbietung, was die Leute generell nicht schlecht finden, wenn man mehr anbieten kann, als nur einen einzigen Programmpunkt. Vanessa macht eine Hula-Hoop-Nummer und ich mache eine weitere Handstand-Nummer.

Vanessa & Sven © vvg

Wie seid ihr beide überhaupt zur Artistik gekommen?

Vanessa: Meine Mama hat in der Gastronomie in einem Varieté, im Fuldaer Star Club gearbeitet. Ich habe sie oft auf ihrer Arbeit besucht und so schon als Kind dort meine erste Show gesehen. Das war der Moment, wo ich dachte: Wow, so etwas will ich auch machen. Dann habe ich „Die Sorellas“ kennengelernt, Rodrigue und Christoph, die beide wirklich einen großen Einfluss auf meinen Werdegang hatten und vor allem meine Mutter davon überzeugen konnten, diesen Weg auch zu gehen.
 
Sven: Ich kam vom Turnen und meine Patentante schenkte mir zum achten Geburtstag Karten vom GOP. Da war ich so begeistert von der Show, dass ich sofort Artist werden wollte. Zuerst hat das keiner ernst genommen, aber ich habe diesen Weg konsequent weiterverfolgt und mich bei der Artistenschule beworben. Und auch für mich sind die Sorellas wichtige Förderer und Freunde geworden.
 
Vanessa: Mit Rodrigue haben wir trainiert und mit Christoph ging es immer zum Make-up-Shoppen.
 
Sven: Christoph gab uns auch den Tipp, uns noch als Schüler beim Zirkusfestival in Basel zu bewerben, wo wir als Youngstages direkt Gold gewonnen haben, womit unsere Karriere dann begann. Aber nicht nur die Sorellas sind für uns Family, Friends und Support geworden, es gibt noch viele andere, die uns auf unserem Weg gefördert und unterstützt haben.

Was war bisher euer spannendster Auftritt?

Sven: Das ist immer schwierig zu sagen. Aufregend war die erste große Show nach der Pandemie mit Roncalli im Berliner Tempodrom. Das war für alle wie ein Comeback und die Bestätigung, dass wir in den zwei Jahren ohne große Auftritte unsere Akrobatik vor Publikum zu zeigen, nicht verlernt hatten. Es war so krass, als wäre es die erste Show in unserem Leben gewesen.

Hat euch eure Balance schon mal verlassen?

Vanessa: Der vielleicht schwierigste Auftritt war auf einem Kreuzfahrtschiff bei starkem Wellengang. Das war schon extrem schwer, da die Balance zu halten. Wir haben zwar ganz schön gewackelt, haben aber den Auftritt ohne Absturz übergestanden.

Was geht im Kopf ab, wenn eure Welt auf dem Kopf steht?

Sven: Wenn wir auf der Bühne auf dem Kopf stehen, gehen uns viele Dinge durch den Kopf. Die besten Shows machen wir allerdings, wenn wir während der Arbeit über nebensächliche Dinge nachdenken: was man noch einkaufen muss oder wann man die Wäsche macht. Dann schaltet Körper in den automatischen Modus. Man hat weder Angst, noch Lampenfieber, sondern vollzieht den Auftritt total entspannt.

Vanessa & Sven © vvg

Ihr seid oft auf Tour, hat man da noch Zeit für eine Beziehung?

Vanessa: Man hat natürlich ein Privatleben, wie andere Künstler:innen auch. Viele glauben bei unserem Auftritt, dass wir ein Paar sind, weil wir in der Show schon sehr intim miteinander umgehen. Wir sind aber kein Paar, denn wir bevorzugen beide den männlichen Part. Wir führen aber miteinander schon eine sehr intensive Beziehung auf freundschaftlicher Art. Wir sind einander sehr wichtige Vertrauenspersonen geworden; weil uns niemand so gut kennt, wie wir uns gegenseitig kennen.

Sven: Es ist schwierig eine Beziehung zu führen, denn der Partner muss viel kompromissbereiter sein, als in einer „normalen“ Beziehung, da wir sehr oft auf Reisen sind und unsere freien Tage garantiert nicht am Wochenende stattfinden.

Streitet ihr euch denn auch?

Vanessa: Das ist schwierig für uns, früher haben wir mehr gestritten. Heute sind wir gelassener, da wir uns hundert prozentig aufeinander verlassen können. Wir funktionieren fast wie ein altes Ehepaar, wo ohne große Worte manchmal nur ein Blick reicht, um miteinander zu kommunizieren.

Vanessa du liegst auf einem Flügel und lässt Sven auf deinem ausgestrecktem Bein Handstand machen. Woher nimmst du die Kraft?

Vanessa: Dieser Trick ist tatsächlich die größte Herausforderung in unserem Act, denn Knie und Fuß sind so sensibel, da kommt es auf jeden Muskel, jede Sehne und die perfekteste Koordinierung an. Da haben wir lange dran gearbeitet.

Wer von euch ist der Stärkere? Körperlich und mental – Vom Bizeps und vom Kopf?

Sven: Wir sind beide Personen, die sehr stark sind. Wir haben natürlich auch unsere Schwächen, aber gemeinsam schaffen wir es immer wieder, den anderen stark zu machen. Wir müssen bei unserem Auftritt auf der Bühne im absoluten Gleichgewicht sein. Und bei uns gibt es weder einen Besseren oder einen Stärkeren.

Was verbindet euch in der Freizeit?

Vanessa: Unsere funktionierende Freundschaft und das Reisen. Wir sind oft und viel zusammen auch wenn wir nicht auf Tour sind. Wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen; so verbringen wir zum Beispiel Urlaube auf Mallorca miteinander, wo wir am Strand unsere Trainingsübungen praktizieren können. Außerdem telefonieren wir sehr viel miteinander, selbst dann, wenn wir uns am selben Tag noch sehen.

Wie war eure Zeugnisnote im Fach Sport?

Sven: Ich glaube, wir hatten beide eine EINS.

Sven & Vanessa © vvg

Im Gegensatz zu vielen Artisten-Duos seid ihr kein Paar ...

Vanessa: Die Frage, ob wir ein Paar sind, kommt tatsächlich sehr oft. Dabei versuchen wir uns gar nicht, als Paar auszugeben, wir sind, wie wir sind.
Es ist aber ehrlich gesagt auch schwierig, bei der körperlichen Nähe und den Emotionen, mit denen wir vor das Publikum gehen, uns nicht als Paar anzusehen.

Dafür seid ihr ein gutes Beispiel dafür, dass ein schwuler Mann und eine Hetero-Frau ein Traumpaar abgeben; wie sieht das privat aus?

Sven: Gerade für Vanessa ist es sehr angenehm mit einem schwulen Mann zu arbeiten. Sie muss sich ihrem Freund nicht erklären, dass sie mit einem anderen Mann so nahen körperlichen Kontakt hat. So entsteht auch keinerlei Grund für Eifersüchteleien.
 
Vanessa: Und nicht jede Frau hat das Glück mit ihrem besten Freund zusammen arbeiten zu können.
 
Sven: Ich bin aktuell Single, worüber ich mich aber nicht beschweren möchte. Sollte der richtige Mann eines Tages doch auftauchen, so würde ich mich natürlich sehr darüber.

Wie ist eure Beziehung zur LSBTI*-Szene?

Vanessa: Wir stehen dem sehr offen gegenüber und supporten das natürlich auch. Für uns Zirkusleute sind viele Dinge eine Selbstverständlichkeit, was in anderen Berufen nicht als selbstverständlich betrachtet wird. Gerade im Showgeschäft sind viele homosexuelle Menschen tätig, das ist normal und das ist gut so. Wir wissen und schätzen es aber auch, dass es ein großes Privileg ist, so aufgewachsen zu sein und so frei leben zu können.
 
Sven: Der Zirkus ist bunt, wie die Regenbogenflagge, hier kann sich jeder Mensch frei fühlen und sein, wie er will und ist. Hier geht es nicht um Sexualität, nicht um Religion oder wer man ist oder von wo man kommt. Zirkus schafft ein neutrales Territorium für Verständigung und das ist ein riesengroßes Privileg in der heutigen Zeit. Wir lieben unsere Arbeit, den Zirkus, unser internationales Team und die vielen Menschen, die nach einer Vorstellung immer mit leuchtenden Augen nach Hause gehen. Wir hoffen, wir können das noch viele Jahre genießen.

 

Haben Artisten ein Haltbarkeitsdatum und was kommt danach?

Vanessa: Auf jeden Fall und wir werden oft danach gefragt. Irgendwann zeigt uns der Körper natürlich unsere Grenzen, unser Beruf ist nichts für die Ewigkeit. Wir möchten und wünschen uns auf jeden Fall so lange auftreten zu können, wie es uns Spaß macht und unsere körperliche Verfassung es ermöglicht. Das Ablaufdatum können wir uns nicht selbst aussuchen, aber es wird irgendwann kommen …

Wo kann man euch in diesem Jahr noch sehen?

Sven: Derzeit sind wir in Düsseldorf. Nach der Sommerpause werden wir in Ludwigsburg, Wien, Frankfurt, Bremen und Osnabrück auftreten.

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