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Zwischen Superhelden und Hollywood-Stars

Bambi Mercury Zwischen Superhelden und Hollywood-Stars

ms - 31.10.2022 - 17:00 Uhr

Sie ist eine der beliebtesten und kreativsten Drag-Queens Deutschlands, neben ihr sah Heidi Klum blass aus und Conchita Wurst wirklich spießig – die Rede ist natürlich von Bambi Mercury. In diesem Monat ist die Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises mit einigen weiteren LGBTI*-Künstlern und Kreativen bei der COMIC CON STUTTGART zu Gast. Erstmals wird dort auf der Queer Avenue LGBTI*-Menschen eine ganz besondere Plattform geboten – ein klares Statement für mehr Vielfältigkeit, Toleranz und Offenheit. Neben vielen Comic-Künstlern und den Werken von über 250 Zeichnern sowie zahlreichen, besonderen Aktionen können auch Hollywood-Superstars in Stuttgart hautnah erlebt werden, beispielsweise James-Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen (Hannibal, Rogue One: A Star Wars Story), Daddy-Material Simon Kassianides (The Mandalorian, Agents of S.H.I.E.L.D.) und Natalia Tena (Game of Thrones, Harry Potter) – doch wir wissen schon jetzt, kein Gast wird so sehr strahlen, funkeln und begeistern wie Bambi Mercury, denn neben ihrer äußeren Erscheinung kommt dieses besondere Funkeln direkt aus ihrem Herzen! SCHWULISSIMO wollte von Bambi wissen, warum sie sich zwischen die Superhelden mischt und wer es ihr im Besonderen angetan hat.

 

Bambi, dich hat es auf die CCON COMIC CON STUTTGART verschlagen, was macht eine Drag-Queen wie du zwischen lauter Comic-Fantasy-Gestalten?

Drag und Cosplay ähneln sich schon in vielerlei Hinsichten. Ich freue mich sehr auf kreativen Austausch und darauf, all die Kostüme und Outfits der anderen Teilnehmer:innen bewundern zu können!

 

Hast du ein besonderes Interesse an Superhelden?

Ich bin schon seit meiner Kindheit Star-Wars- und generell Science-Fiction-Fan! Für mich waren starke Frauen immer Superhelden.

 

Wer ist dein besonderer Superheld und warum?

Carrie Fisher als Prinzessin Leia, Natalie Portman als Padme aka Queen Amidala oder auch Milla Jovovich als Leeloo in einem meiner Lieblingsfilme „Das fünfte Element“. Starke Frauen, die sich durchsetzen und nicht von anderen abhängig sind, haben mich schon immer begeistert.

© Bambi Mercury

Im echten Leben mit Blick auf die LGBTI*-Community: Was für Superhelden brauchen wir jetzt dringend?

Menschen, die ihre Plattformen nutzen und ein Sprachrohr für marginalisierte Gruppen sind. Wir müssen auf den Social Media Plattformen jetzt nicht unbedingt zu Informationsauskünften werden, aber neben Entertainment ist etwas Aufklärung und Anteilnahme am Weltgeschehen sehr wichtig. Da wir heutzutage mit der ganzen Welt vernetzt sind, können wir viel mehr auf wichtige Themen aufmerksam machen, so zum Beispiel auf den dringend benötigten Support der Frauen im Iran.

 

Die COMIC CON in Stuttgart bietet mit der Queer Avenue eine ganz besondere Plattform, um für Vielfältigkeit, Toleranz und Offenheit einzustehen – neben dir werden auch weitere LGBTI*-Gäste dabei sein. Wie blickst du auf dieses besondere Event? Ist es im Jahr 2022 inzwischen eine “Selbstverständlichkeit“ oder noch immer eine Besonderheit, dass ein Veranstalter der queeren Community so eine Plattform bietet?  

Ich würde mir wünschen, dass die Thematik eine gewisse Normalität bekommt. Man möchte nicht immer für die Quote angekarrt werden oder für bestimmte Unternehmen das Pinkwashing-Zugpferd sein. Ich finde es toll, dass wir bei der CCON COMIC CON Stuttgart dabei sein dürfen und es nicht nur im Kontext des Pride Monats stattfindet. Unsere Community ist 12 Monate im Jahr sichtbar und nicht nur in dem einen Monat.

Man sollte Drag nicht machen, weil man denkt, dass man sehr reich und mega-erfolgreich werden kann. Es ist viel Arbeit und mit viel Selbstinvestment verbunden.

Deine Looks sind nicht nur sehr kreativ, sondern oftmals selbst eine wilde Mischung aus Pop und Fantasy. Wie kommst du auf deine Looks und was ist dir dabei besonders wichtig?

Musik, Filme und Bücher haben mich als Kind sehr geprägt. Ich liebe es, einen eigenen individuellen Stil zu prägen und alles miteinander zu verbinden. Ich finde es für meine Kunstfigur sehr authentisch.

Als DJ liebst du die 1990er – verrate uns, welche Musik brauchen wir, damit eine Party legendär ist? Natürlich brauchen wir dich dazu, aber was noch?

Als DJ spiele ich meistens Frauen*, queere Artists oder Allies. Die Klassiker sind natürlich die Spice Girls, Destiny‘s Child, Britney Spears, Cher, Janet Jackson und Co. Aber ehrlich gesagt, an „Everybody“ von den Backstreet Boys kommt niemand dran vorbei.

 

Du setzt mit deinen Outfits und deine Statements auch ein klares Zeichen für die Avantgardisten und die Außenseiter unter uns, all jene, abseits der langweiligen Normalität. Auf der anderen Seite machen jene besonderen Menschen anderen immer noch Angst, wir erleben gerade auf der halben Welt politisch und gesellschaftlich massive Gegenreaktionen. Warum sollten Menschen keine Angst vor uns “bunten Vögeln“ haben? Und wie blickst du auf diese aktuellen Entwicklungen?

Ich persönlich bin eher genervt davon immer als „schriller Vogel“ oder „bunter Vogel“ betitelt zu werden. Es ist nicht wirklich aussagekräftig und nimmt einem auch die Ernsthaftigkeit. Die heteronormative Welt lebt, wie wir, in ihrer eigenen Bubble und ganz selten gibt es mal Überschneidungen. Da draußen herrschen so viel gefährliches Halbwissen wie: „Als Drag willst du Frau sein und bist automatisch Trans. Homosexuelle sind pädophil. Drag Queens sexualisieren Frauen und fördern somit auch Missbrauch etc.“ Und so viel mehr Unsinn, der sich in den Köpfen der Menschen festigt. Ich würde mir wünschen, dass mehr Fragen gestellt werden, mehr Aufklärung, mehr Austausch untereinander, so können wir uns alle gegenseitig schützen. Es ist zum Beispiel einfach erschreckend, wie viele Trans*Geschwister in der letzten Zeit weltweit ihr Leben lassen mussten.

 

Du warst bei Viva La Diva und bei Queen of Drags: Lass uns einmal hinter die Welt der Drag-Queens blicken, man hört immer auch von Zickenkriegen hinter den Kulissen – wie müssen wir uns das Miteinander vorstellen?

Ich kann von keinem Zickenkrieg berichten. Wie sagte meine Mama immer: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich – aber nicht bildlich gesprochen.

 

In deinen Statements verbindest du die große Show immer ein wenig auch mit Politik und den Dingen, die uns gerade unter den geschminkten Nägeln brennen. Welche Dinge in der Community beschäftigen dich im Moment? Was muss geschehen?

Ich würde mir sehr wünschen, dass sämtliche Booker*innen auch ein bisschen schauen, dass sie auch ihre eigene Community repräsentieren - sei es bei den Performances oder bei den DJs. Ich versuche bei meiner Party „Queensland“ im Schwuz immer einen guten Mix zu haben. Queens and Kings, Gay, Lesbian, Trans and many more. Wenn man sich die meisten Line-ups anschaut, sind diese meistens auch eher weiß. Es sind die kleinen Dinge, die schon viel ausmachen können.

 

Der erste offen schwule US-Politiker Harvey Milk hat einmal gesagt, man muss den jungen Menschen Hoffnung geben. Was würdest du gerne den jungen Menschen aus der Community mitgeben, was würdest du ihnen gerne sagen, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Depressionen immer mehr um sich greifen.

Choose your own Family! Umgib dich mit Menschen, die dir guttun und wo du auch DU selbst sein kannst. Höre immer auf dein Bauchgefühl und entscheide für dich und tu es nicht nur, um anderen zu gefallen.

Starke Frauen, die sich durchsetzen und nicht von anderen abhängig sind, haben mich schon immer begeistert.

Du bist seit 2015 als Drag-Queen unterwegs, wie hat sich die Drag-Community seitdem verändert? Und wie hat sich vielleicht auch der Blick von außen auf die Community entwickelt?

Da Drag Race den Mainstream erreicht hat, messen sich alle untereinander und sind Spezialist:innen im Beurteilen von Make-up und Drag. Wobei die Meisten denken, dass sie sich nach zwei Folgen Drag Race das Recht herausnehmen können, andere zu beurteilen. Jeder Artist begibt sich auf eine Reise und macht eine Entwicklung durch. Ich finde es schön, wenn Künstler*innen vernünftig bezahlt werden und nicht mit einem 50-Euro-Schein abgespeist werden. Und wichtig: Support Your Local Artists! Auch wenn sie kein großes Following bei Social Media haben oder nicht im TV sind. Es mindert ihr Talent nicht!

 

Du sagst, dass jeder eine Drag-Queen sein kann. Hand aufs Herz, was würdest du sagen, braucht es wirklich, damit man eine richtig gute Drag-Queen werden kann? Was ist das Geheimnis deines Erfolges?

Man sollte Drag nicht machen, weil man denkt, dass man sehr reich und megaerfolgreich werden kann. Es ist viel Arbeit und mit viel Selbstinvestment verbunden. Wichtig ist: bleib dir treu und egal wie du auf deine alten Drag-Looks zurückblickst, wenn es sich für den Moment gut angefühlt hat, dann war es auch richtig so.

 

Gibt es auch Tage, wo du, der private Tim, sich denkt: Heute geht mir Bambi echt auf die Nerven?

Ist mir bis jetzt nie passiert. Ich bin Bambi sehr dankbar, dass ich durch Bambi so viel erleben durfte und noch immer darf und ich freue mich darauf, wo uns die Reise noch hinführt.

 

Wir auch! Ein Blick in die Zukunft, was wünschst du dir für die kommenden Jahre?

Weniger schockierende Nachrichten in den Medien, keine Nazis im Bundestag, ein Abkommen, dass queere Menschen und explizit Transmenschen schützt, keine Kriege, niemanden, der fliehen muss und Frauen auf der ganzen Welt, die selbst bestimmen dürfen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht.

 

COMIC CON STUTTGART  26. bis 27.11.2022

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