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Daniel Donskoy live // © Markus Nass

Im Interview Daniel Donskoy

id - 13.07.2019 - 07:00 Uhr

Man kann auch nur geliebt werden, wenn man anfängt, sich so zu akzeptieren, wie man ist.

Daniel Donskoy ist Schauspieler, Musiker, Model, Regisseur und vor allem – wie er selber sagt – Weltbürger. Zwischen seinen vielen Reisen durch halb Europa erwischte SCHWULISSIMO-Redakteur Ingo ihn per Telefon bei einem Stopp in Berlin, um ein wenig mit ihm über Musik, Schauspiel, Heimat und rote Haare zu reden.

Aufgrund deiner Biografie, also geboren in Russland, aufgewachsen in Tel Aviv und Berlin, mit Abstechern nach London… Ist es für dich da schwierig, eine Stadt oder ein Land als Heimat zu bezeichnen?

Ja, total schwierig. Ich verbinde mit jeder Stadt quasi eine unterschiedliche Lebensphase. Als Kind war Berlin die Stadt meiner Kindheit. Israel war die Zeit des Teenagerdaseins und Erwachsenwerdens, dann meine wilde Phase mit 18 in Berlin und die Arbeitswelt habe ich dann in London entdeckt. Das heißt, eigentlich habe ich für jede Lebensphase eine eigene Heimat, also die Heimat der Arbeit ist London, die Heimat der Familie ist Tel Aviv und die meines derzeitigen Lebens und meiner Biografie ist derzeit halt Berlin.

Spielt Russland für dich in diesem Zusammenhang gar keine große Rolle für dich mehr?
Genau, eigentlich gar nicht. Na klar, ich habe als Kind schon viel von Sowjetbildung mitbekommen, also Tolstoi, russische Literatur, russische Kultur aber vor allem natürlich auch russische Musik. Aber das Land Russland an sich gar nicht, zumal meine Familie kommt aus der Sowjetunion, und dieses Land existiert so ja nicht mehr.

Was aber auffällt, das pulsierende Stadtleben scheint dir mehr zu liegen, als ein Leben auf dem ruhigen Lande, oder täuscht dieses?
Ich würde total gerne was finden, was beides miteinander kombiniert. Also dass man in der Nähe einer Großstadt lebt. Das Geile an Tel Aviv zum Beispiel ist ja dass man in Strandnähe leben kann, man hat die Nähe zum Stadtrummel, aber dennoch die Ruhe des Standes und des Meeres. Irgendwann werde ich mir sicher was suchen, was beides kombiniert Aber ich mag schon zu Hause zu entspannen. Aber zu Hause bin ich nicht oft, deswegen weiß ich jetzt noch nicht, wo dieses stätige Zuhause einmal sein wird. Sicher aber da, wo es auch Natur gibt.


Viele kennen dich mittlerweile ja als falschen Pfarrer Sanmann in der RTL-Serie „Sankt Maik“. Man nimmt dich also erst einmal als Schauspieler wahr, dann kommt er plötzlich mit Musik um die Ecke.
Ich bin ja eher über Umwege zur Schauspielerei gekommen. Ich habe ja eigentlich Biologie studiert. Aber ja, die Musik hat mich natürlich schon früh begleitet, aber auch hier hatte ich nicht den Gedanken, dieses einmal hauptberuflich zu machen. Richtig kam das ja doch erst vor kurzem. Umso glücklicher bin ich, dass ich den Schritt gewagt habe, obwohl ich schon zuerst ein bisschen Schiss davor hatte. Es macht mir aber so einen Riesenspaß, weil es auch ein Geschenk ist, so unmittelbar mit dem Publikum zu agieren. Die ersten Gigs auf Festivals und die erste Tour gibt mir auch viel Kraft für die Schauspielerei. Ich würde auch ungerne beides trennen wollen, denn ich liebe einfach beides.

Die ersten neuen Songs sind ja bereits auf den einschlägigen Plattformen zu hören und zu kaufen. Am 14. Juni erscheint dann die EP „Didn’t I Say So“. Wie würdest Du selber deinen Stil und deine Songs beschreiben?
Also, ich würde sagen, es ist auf jeden Fall Richtung Pop, aber dennoch mit einem gewissen Einschlag von Indie und Brit-Pop. Ich arbeite ja nebenbei auch an dem Album und ich merke, in meiner Brust schlagen da verschiedene Herzen, sowohl musikalisch, als auch geografisch. Daher finde ich es schwierig, mich auf ein Genre festzulegen. Ich plane ein Konzeptalbum. Die EP war da quasi eher noch die Findungsphase, das Album wird auch weiter Indiecharakter haben, ein bisschen rockig, ein bisschen Urbancharakter, aber auch ein bisschen was Elektronisches.

Wenn „Should I Give Up On Love“ von jemanden wie z.B. Ed Sheeran stammen würde, wäre es wahrscheinlich ein Riesenhit. Für mich ist das schon sehr eingängiger Pop und weniger das typische Singer/Songwriter-Ding. Siehst du das ähnlich?
Ich erzähle sehr gerne Geschichten. James Bay ist dafür ein gutes Beispiel, welcher mit seinem ersten Album ja die eher typische Singer-/Songwritergeschichte gemacht hat und bei seinem zweiten Album dann in die Pop- und elektronische Richtung gegangen ist. Dem ist ja nichts entgegenzusetzen, weil ich finde als Musiker manchmal total schwer, seinen Stil zu finden. Ich schreib ja die Songs, sitze am Klavier oder an der Gitarre und erzähle eine Geschichte. Das Ganze dann in den passenden Mantel zu bekommen, kann so vielschichtig sein, da ist auch nichts richtig oder falsch. Ich könnte ja die Songs auch in R n’B machen. Ich versuche halt jedes Mal zu erspüren, welcher Mantel dem Song den Nährboden gibt, damit der Song bei den Leuten ankommt. Klar, „Should I Give Up On Love“ die Aussage ist nicht großartig happy, aber es geht in dem Song darum, man soll die Liebe nicht einfach aufgeben. Deshalb hat der Song eine positive Note. Diesen Gedanken kennen wir alle, nach jeder unglücklichen Liebe geht das Leben trotzdem immer irgendwie weiter.
 

Im Oktober gehst du ja mit der EP im Gepäck auf Tour. Insgesamt sechs Konzerte in Deutschland stehen auf dem Plan. Dabei fällt auch, dass du es dabei offenbar eher intimer hast. Ich schätze, dir ist der direkte Kontakt zum Publikum wichtig?
Ja. Ich liebe das. Ich würde ja gerne jedes Mal auch in das Publikum reingehen. Ich finde, es gibt nichts Schöneres als dass man mit den Leuten gemeinsam das Konzert macht und nicht, dass man nur für sie singt. Man verabredet sich in einem Raum in dem nichts existiert und kreiert dann gemeinsam mit dem Publikum für zwei Stunden den Raum des Konzertes. Es ist schön, dass man den Leuten in die Augen schauen kann und umgekehrt genauso.

Was für ein Programm erwartet denn die Zuschauer*innen? Eine EP füllt ja noch keinen Konzertabend.
Stimmt, die Zuschauer auf der Tour werden die ersten sein, die die Songs des neuen Albums zu hören bekommen. Zum Start der Tour wird das Album voraussichtlich bereits fertig sein. Ich habe bis jetzt ja schon rund 50 Songs geschrieben, da sollte die Auswahl nicht so schwer fallen. Erscheinen wird es 2020, es wird noch persönlicher als die EP. Wenn man sich halt fragt, was einen zu dem Menschen gemacht hat, der man heute ist. Da bleibt es nicht aus, dass man auch über mir nahestehende Menschen und familiäre Dinge schreibe… Ich hoffe, da werden mir nicht allzu viele Leute böse sein…

Das wird sich dann ja sicher zeigen…
(lacht) Ohoh…

Kommen wir noch mal auf die Schauspielerei zurück. „Sankt Maik“ ist ja recht erfolgreich. Aber auch im Sonntagabend-Schwergewicht „Tatort“ hast du deine Fuß in der Tür. Nach einer Rolle 2018 im Tatort Dresden in 2018 bist du nun bei dem Göttinger Tatort als Gerichtsmediziner Nick Schmitz zu sehen. Wird dieses eine weitere feste Rolle für dich?
Ja, wir drehen auf jeden Fall dieses Jahr noch mindestens eine neue Folge, vielleicht sogar noch zwei. Es macht mir echt Spaß in dem Team, vor allem mit Maria Furtwängler und Florence Kasumba, zu arbeiten. Im Juli kommt mein erster deutscher Kinofilm „Crescendo“ raus und zudem bin ich gerade im Casting für weitere Rollen – vor allem in UK und den USA, da ich dieses Jahr noch keine weiteren Folgen von „Sankt Maik“ drehen werde.

Sicher nicht nur viele Mädels fragen sich bei Sankt Maik sicher, was trägt der Maik/Pfarrer unter seiner Soutane. Meist scheinen es ja nur Turnschuhe und… ja was eigentlich zu sein? Gibt es da vielleicht auch so einen ungeschrieben Kodex wie beim schottischen Kilt?
(lautes Lachen) Stimmt. Bei Hosen würde ich mich auch weigern. Unter dieser Soutane wird es im Sommer echt so heiß und es wird alles sehr, sehr schwitzig. Am liebsten würde ich die Unterhose dann auch nicht tragen. Wenn man meine Kolleg*innen fragen würde, ich bin am Set echt oft leicht bekleidet. Ich bin in Tel Aviv aufgewachsen und ich liebe es einfach, den Wind auf der Haut zu spüren. Ich liebe es, in Boxershorts rumzulaufen.

Du bist aber auch schon als Model aufgetaucht. Ich habe z.B. das Buch „red hot II“. Da gibt es zu deinem Bild folgendes Statement: „Manchmal war es schwierig, sich als Heranwachsender anders zu fühlen. Erst mit der Zeit und der Reife entdeckte ich, dass das Wort "anders" durch "einzigartig" ersetzt werden kann. Liebe dich selbst, wie einzigartig du auch bist, und entzünde das Feuer, das in dir ist.“ Wir sind ja ein schwules Magazin, da zieht man schon Parallelen zu anderen Vorgängen: Stichwort Mobbing in der Schule, eben nicht nur z.B. als „Pumuckl“ oder „Duracell“, sondern vor allem auch gegenüber schwulen, lesbischen oder trans*-Jugendlichen. Hier hört man leider noch viel zu oft von Suiziden aufgrund solch eines Mobbings. Was würdest du solchen Betroffenen raten?
Das ist so schwer, da was zu raten. Ich hatte ja das riesige Glück, ein gutes Umfeld zu haben. Ich würde raten, nicht zu versuchen, sich allen anzupassen. Wenn man immer versucht zu gefallen, ist das nicht richtig. Am Ende muss man sich selber gefallen und nicht den anderen Leuten. Man muss nicht von allen gemocht werden. Das nicht mögen oder akzeptiert werden ist nicht dein Problem, sondern das der anderen Arschlöcher, die es nicht hinkriegen. Natürlich ist das total schwer, vor allem als Kind. Man kann auch nur geliebt werden, wenn man anfängt, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Wir leben zum Glück mittlerweile in einer Gesellschaft, die sich in die richtige Richtung entwickelt, zumindest in Europa und vielen Teilen Welt.

Daniel Donskoy // © Sven Serkis

Apropos rote Haare, es gibt ja durchaus mittlerweile auch Menschen, mich eingeschlossen, die auf rote Haare stehen. Auch der Erfolg der Reihe „red hot 100“ oder eines Models wie Barbara Meier zeigt ja, dass sich hier offenbar in den vergangenen Jahren einiges verändert hat. Nimmst du das auch so wahr?
Ja. Aber ich versuche mich jetzt nicht darüber zu definieren. Ich hoffe ja, dass ich wegen meiner Leistung besetzt werde und nicht wegen der roten Haare. Zumal rothaarige Rollen ja oft noch immer irgendwelche Klischees bedienen, zum Beispiel in Komödien. Aber auch bei schwulen Rollen ist es manchmal seltsam. Wenn ich zu Castings für eine schwule Rolle gehe und vorspiele und dann gefragt werde, ob ich mitbekommen habe, das die Rolle schwul ist, weil ich einfach „normal“ gespielt habe, ohne Klischees zu bedienen.

Vor kurzem hast du dir ja deine rote Lockenpracht auf eine ziemlich kurze Länge gestutzt. WARUM um Himmels Willen? Meist deutet solch eine Typveränderung ja auch auf ein Ende von Etwas bzw. auf einen neuen Abschnitt hin. Was war es bei dir?
Ich hatte einfach große Lust darauf, mich davon zu trennen. Und ja, es war tatsächlich mit der Musik ein neuer Anfang in meinem Leben. Ich will halt nicht immer nur der Daniel mit den roten Locken sein.

Die Coolness ist zum Glück geblieben. Was aber auch auffällt, der Daniel zieht nicht nur in seinen Rollen auch mal nackte Haut. So zum Beispiel auch auf dem Cover der EP. Und wenn selbst Heteromänner bemerken, dass der „Donskoy seine Hemden immer so weit aufgeknöpft hat“ freut das die Fans sicher noch mehr, oder?
(lacht) Klamotten sind toll, aber es ist noch toller frei zu sein. Da sitzt man z.B. in so ner Talkshow über zwei Stunden unter Lampen und in stickiger Luft, und das ist wirklich nicht angenehm. Ich finde Nacktsein was Schönes. Bei der EP ist das Cover ja eher sowas wie „sich nackt zeigen“, allerdings nicht in der Form von nackt, sondern halt von seinen Gefühlen her.

Apropos Fans: Hast du denn auch schon Reaktionen von schwulen Fans erhalten? Und wie gehst du mit Komplimenten von ihnen um? Oder gab es da auch schon skurrile Begegnungen?
Nicht wirklich. Bei Instagram sind erstaunlicher Weise aber noch zu – ich würde sagen 87 % – Frauen meine Follower…

Und ich, offenbar als einer der wenigen Männer…
(lacht) Ich wurde z.B. mal gefragt, ob ich auf eine schwule Bachelor-Party als Pfarrer-Stripper kommen würde. Das musste ich freundlich ablehnen. Es ist manchmal wirklich lustig, was für seltsame Ideen in Kombination mit Religion für Fantasien zutage kommen. Ich erinnere mich an einen Kommentar von wegen „unter dem Kreuz nageln“ (lautes Lachen). Aber ja, letztes Jahr war ich für den CSD in Köln angefragt da konnte ich leider nicht, auch dieses Jahr hat es terminlich nicht geklappt. Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr dabei sein kann.

Apropos CSD: In Tel Aviv die Gay Pride ist unglaublich. Die ganze Stadt feiert da im Sommer dieses Event mit mehr Leuten, als eigentlich in der Stadt sonst leben. Warst du schon mal da?


Nein, bisher noch nicht…
…unbedingt mal machen!

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr von Daniel Donskoy unter: www.donskoymusic.com

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