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Marius Müller-Westernhagen // © IMAGO Photopress Müller

Marius Müller-Westernhagen: „Ich war ein Mann-Magnet!“

- 05.06.2022 - 10:00 Uhr

Mit 17 Millionen verkauften Tonträgern gilt Marius Müller-Westernhagen als einer der erfolgreichsten deutschen Rockmusiker. „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ gelang ihm 1978 der Durchbruch, mit Filmen wie „Theo gegen den Rest der Welt“ war er auch im Kino erfolgreich. Zum Hit „Freiheit“ schwenkte Gesamt-Deutschland Ende der Achtziger die Feuerzeuge. Zehn Jahre später füllte der in Düsseldorf geborene Künstler Stadien mit mehr als 80.000 Fans. Mit 73 veröffentlicht er nun sein 23. Studioalbum „Das eine Leben“ und übt Gesellschaftskritik. Beim Interview in Berlin erzählt er von seinem persönlichen Luxus und der Liebe zu zwei starken Geschlechtern.

Herr Westernhagen, wie kommt es, dass Sie nach acht Jahren ein Studioalbum mit neuen Songs veröffentlichen?
Ich saß im ersten Lockdown in Kapstadt und kam nicht raus aus Südafrika. Das hat mir schon Unbehagen bereitet, weil alle Leute, die ich kannte und die die Krankheit bekommen hatten, ins Krankenhaus kamen, und das war es dann. Der Lockdown dort war wesentlich schärfer als hierzulande. Es gab Militär in den Straßen, du durftest noch nicht mal spazieren gehen. Wenn du zum Arzt wolltest, musstest du eine Bescheinigung haben. Man saß im Haus und war geradezu gezwungen, viel nachzudenken, auch über das, was sich da gesellschaftlich veränderte. Ich musste spontan niederschreiben, was ich dachte und fühlte. Ich spürte geradezu die Verpflichtung dazu, meine Stimme zu erheben.

Der Tod spielt auf der neuen Platte immer mal wieder eine Rolle.
Ja, ab einem gewissen Alter sowieso. Ich habe mir allerdings schon sehr früh Gedanken um den Tod gemacht, denn je früher du dich damit auseinandersetzt, desto leichter wird’s wahrscheinlich.

Können Sie gut loslassen?
Inzwischen ja. Das Leben ist ein Lernprozess. Ich habe keine Angst vorm Tod. Wovor ich Angst habe, sind Krankheiten und irgendwann womöglich unfähig zu sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das möchte kein Mensch erleben. Es gab da einen Vorfall: Vor drei Jahren waren wir für die Aufnahmen zum „Pfefferminz-Experiment“ in New York. Ich hatte mir dort einen Virus eingefangen. Zuerst dachte ich, okay, das ist eine Grippe. Aber im Endeffekt lag ich mit schwerer doppelseitiger Lungenentzündung, die nicht behandelbar war, da sie von einem Virus kam, zwölf Tage in der Berliner Charité. Das war heavy. Ich fühlte mich erstmals so alt, wie ich war. Ich hatte vollkommen jegliche Kraft verloren. Und dann kommen Ärzte und sagen dir: „Sie sind wirklich sehr schwer krank.“ Dann fühlst du dich dem Tod schon nahe und hast Gedanken wie: „Mist, ich hab noch gar kein Testament gemacht.“ Oder: „Was wird nur aus dieser oder jener Person?“

Sie haben kein Testament gemacht?
Die Dinge sind schon geregelt.

Könnten Sie sich vorstellen, wie Phil Collins als gebrechlicher Mann auf der Bühne zu sein?
Nein, ich bin auch nicht hingegangen zum Genesis-Konzert. Ich kenne Phil sehr gut, weil wir in derselben Firma die sogenannten Umsatzträger waren. Warners Geschäftsjahr hing davon ab, ob Phil oder ich ‘ne Platte machten. Er ist ein unglaublich normaler und lieber Mensch, einer der besten Live-Sänger, die ich je gehört habe, und ein unfassbarer Trommler. Aber ich will das einfach nicht sehen. Und ich möchte das für mich auch nicht, auf einem Stuhl auf die Bühne geschoben zu werden.

Das sagen Sie jetzt!
Ich bin da selbstkritisch genug und habe auch genügend Menschen um mich herum, die mir kritisch gegenüberstehen und die Wahrheit sagen würden. Ich bin Gott sei Dank auch nicht so geltungssüchtig. Ich liebe und genieße die Bühne, aber ich brauche sie nicht. Ich komme da vollkommen euphorisiert runter wie jeder Künstler, aber eine halbe Stunde später bin ich wieder der normale Bürger und fühle mich wohl dabei. Ich konnte immer in meine Rollen ein- und aussteigen. Das war ein Riesenglück für mich, denn mein Vater konnte das nicht, und es war nicht schön mitanzusehen.

Der Applaus war Ihnen nie so wichtig?
Ich genieße ihn, aber sehe es realistisch. Mir war Respekt immer wichtiger als Bewunderung. Ich möchte, dass die Leute meine Leistung honorieren und respektieren, aber ich halte nichts von Personenkult. Ich empfinde auch für andere Menschen keinen Personenkult.

„Du kriegst den Schleim nicht abgewaschen, den sie dir ums Ego schmieren“, heißt es in einem Ihrer neuen Songs.
Wenn du sehr erfolgreich und beliebt bist, ist die große Gefahr, die eigene Identität zu verlieren. Das passiert, wenn du der Projektion der Menschen mehr folgst als der Realität. Ich habe Ende der Neunziger gemerkt, dass ich als Künstler eine ungesunde Größe erreicht hatte, die ich nie haben wollte. Ich war nie so unglücklich wie in jener Zeit. Deswegen kam es 1999 zu dem Entschluss, keine Stadiontourneen mehr zu spielen. Ich kam damit nicht zurecht. Ich konnte meinen eigenen Namen nicht mehr hören. Ich konnte kein Fernsehen oder Radio anmachen, ohne dass ich da auftauchte oder über mich geredet wurde. Ich wollte die Scheiße nicht mehr. Die Verpackung wurde immer wichtiger, die Inhalte immer weniger. Und das ist nicht mein Ansatz.

Wie stehen Sie zu Ihrem Song „Freiheit“?
Wann immer irgendwo eine Krise ist, fragt man mich, ob ich das Lied am Brandenburger Tor singen könnte. Zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls wollten sie sogar, dass ich das Lied auf dem Brandenburger Tor singe. Ich bin ein bisschen empfindlich, was den Song angeht. Gar nicht, weil ich ihn persönlich für so gut halte. Ich glaube, ich habe sehr viel bessere Songs geschrieben. Aber er hat diese Bedeutung für viele Menschen bekommen. Ich wollte das nie ausnutzen. Ich wollte nicht, dass das inflationär gehandelt wird. Es gibt so viele Musiker, die das dann überall immer wieder vortragen. Ich finde so was grauenhaft. Für das „Sound Of Peace“-Festival habe ich jüngst eine Ausnahme gemacht. Ich spürte eine Verpflichtung. Der Song muss eine Magie haben, die ich nicht verstehe. Die Menschen haben den ganzen Abend immer wieder angefangen, „Freiheit“ zu singen. Das ist einfach das, was bei dem Song passiert. Ich habe das Lied auch wirklich gefühlt an dem Abend. Es war ein schöner Moment. Es war keine Routine.

Wie haben Sie sich gefühlt, als die AfD und Impfgegner das Lied für sich vereinnahmt haben?
Ich kenne die einzelnen Schicksale nicht, nicht ihre Motive. Ich wollte auf einfache Art und Weise, ohne zu be- oder verurteilen, meine Position darstellen. Also habe ich das Bild gepostet, wie ich mich impfen lasse. Es gibt keine Alternative. Es war totaler Bullshit, was darüber verbreitet wurde. Das Schlimmste war der Chip im Arm, damit „die uns besser kontrollieren“. Die kontrollieren uns eh seit vielen Jahren, wir sind eh alle gläsern. Wir haben Facebook und Twitter, das sind konstante Brainwash- und Datensammlungen. Das haben Leute lange nicht kapiert, dass sie selbst das Produkt sind, was auf solchen Plattformen verkauft wird. Sie machen alle freudig mit, sie können ihre Meinung sagen ohne ihren Namen zu nennen – furchtbar.

Sie halten nicht viel von Sozialen Netzwerken?
Das ist eine rechtsfreie Zone, die es in keiner geordneten Gesellschaft geben darf, weil es zum Chaos und zur Anarchie führt. Ich bin vollkommen dagegen. So viel Gutes das Internet auch bewirkt und bewirkt hat – fantastisch viel Gutes. Aber eben auch so viel Schlechtes. Seit der Pandemie ist aber auch klar: Wir sind eine wahnsinnig verwöhnte und degenerierte Gesellschaft. Wir könnten gar keinen Krieg führen! Wir bringen uns schon um, wenn wir eine Maske tragen müssen, was eine Notwendigkeit ist und nicht eine Beschneidung von Freiheit. Jetzt stellen Sie sich mal vor, da fallen Bomben auf Deutschland!

Kann denn Popmusik heute noch etwas bewirken?
Sie hatte mal eine politische, gesellschaftliche Dimension. Ich bin durch Texte von Bob Dylan und Randy Newman sozialisiert worden, das passiert heute nicht mehr, weil die Idole sind heute im Sport, und das sind Menschen, die mit ihrem Reichtum protzen und unterhalten – aber mehr isses leider nicht. Die Tür war offen, dass Popmusik zu einer Kunstform werden könnte wie Jazz. Ich dachte auch, dass die Entwicklung von Rockmusik dahin geht. Mit Jimi Hendrix und Led Zeppelin gab es ja komplexes Zeug, was trotzdem ganz oben in den Charts war. Wenn man heute hinhört, ist da gar nichts. Wenn du Musiker bist, hörst du die mangelnde Qualität, die zum größten Teil herrscht, und auch diese Schludrigkeit in der Arbeit.

Ist das die Arroganz des Alters?
Nein, es bedeutet einfach, dass ich gewisse Vorstellungen habe von Qualität und von Ernsthaftigkeit, die ich gerne erfüllt haben möchte. Ich bin so fürchterlich in meiner Perfektion, dass wenn ich beispielsweise eine Bühne bauen lasse und merke, dass da etwas nicht richtig ist, dann sagen die Konstrukteure: „Aber das Publikum sieht das eh nicht.“ Dann antworte ich: „Aber ich sehe das.“ Das ist für mich wichtig.

Haben Sie Sinnsuche betrieben?
Wenn man meine Texte liest, war das immer Sinnsuche. Das ist bei den meisten Künstlern so. Es ist eine riesige Kompensation deiner selbst. Ich war in meiner Jugend immer sehr klein und dünn und musste mich immer durchsetzen, mit meinem Witz und Humor. Ich wurde zu jemandem, der vorneweg gegangen ist. Das hat manchmal große Vorteile und manchmal auch Nachteile. Aber ich weiß, dass ich eine Gruppendynamik und Atmosphäre schaffen und sie führen kann.

Was treibt Sie nach all den Jahren an?
Ich will immer noch besser werden! Der Ehrgeiz, Erfolg zu haben und Beachtung zu finden, ist bei mir nicht vorhanden. Mir ist auch vollkommen egal, was Menschen über mich reden, denn die meisten kennen mich nicht. Aber der Ehrgeiz, gute und wertvolle Platten zu machen, die in Menschen etwas auslösen, der ist ungebrochen und sogar noch größer als in meinen jungen Jahren. Diese Einstellung entspricht auch meinem Geschäftsmodell: Ich mache meine Alben und finanziere sie selbst; keiner weiß was davon, keiner redet mir rein. Auch um das Album-Cover kümmere ich mich. Dann gehe ich zu einer Plattenfirma und sage: „Hört’s euch an. Take it or leave it.“ Das ist der Vorteil des Riesenerfolgs in den Neunzigern, dass ich mir das heute leisten kann. 

Davon profitiert man noch Jahrzehnte?
Schon, aber viele Künstler machen es falsch. Die leben sofort auf viel zu großem Fuß, weil sie denken, das geht bis an ihr Lebensende so weiter, und sie ziehen nicht in Erwägung, dass es morgen vorbei sein kann. Das habe ich gelernt durch meinen Vater, er war Schauspieler. Als er mit 44 starb, hat er einen Haufen Schulden hinterlassen. Das finde ich grauenhaft. So wie ich lebe, lebe ich ein gutes, luxuriöses Leben.

Was ist Ihre Definition von Luxus?
Ich bin leider jemand, der Ästhet ist. Ich liebe schöne Dinge, ich bin ihnen geradezu verfallen. Für mich ist das Wichtigste mein Zuhause. Wenn ich abends durch meine Wohnung in Berlin gehe, denke ich immer: Wow, wer hätte das gedacht! Ich bin einfach unfassbar dankbar.

Was sehen Sie denn, wenn Sie durch Ihre Wohnung gehen?
Ich liebe Kunst, stilvolle Möbel und guten Wein. Design ist etwas Tolles. Ich richte meine Wohnung oder ein Haus immer selbst ein. Und wenn es fertig ist, würde ich am liebsten sofort wieder neu anfangen. Ich habe lange Kunst der 1920er und 1930er gesammelt und bin dann auf modernere Kunst gekommen, auch abstraktere Kunst. Ich kaufe Kunst nach Gefühl, aber nie spontan. Wenn ich irgendwo ein Bild sehe und es mich so berührt hat, dass ich noch Tage später daran denke, dann schlage ich vielleicht zu. So muss es auch sein. Kunst kauft man nicht aus Spekulation.

Haben Sie trotzdem schon mal einen Treffer gelandet, indem ein Bild eine enorme Wertsteigerung erfuhr?
Es gibt einige Bilder in meiner Sammlung, wo der Künstler von Galerien in die Museumsklasse aufgestiegen ist. Ich bin realistisch, was ich bezahlen kann und was nicht. Es ist ja heute kaum noch möglich, etwas zu kaufen, weil der Kunstmarkt derart explodiert ist. Aber ich glaube, ich habe ein ganz gutes Auge.

Apropos: Frauen waren immer eine große Inspiration für Sie, oder?
Oh ja, die Inspiration schlechthin. Das fing schon in meinen Kindheitstagen an. Wenn mein Vater vom Theater kam und manchmal Schauspielerinnen mit zu uns nach Hause brachte, kamen diese in ihren Kleidern und mit wunderschönem Make-up. Und sie rochen nach Parfüm. Das hat mich immer fasziniert. Da konnte ich als Fünfjähriger nicht schlafen. Ich war so verliebt! Das hat sich durch mein Leben gezogen. Man wird natürlich mit der Zeit etwas ruhiger und Gott sei Dank auch kontrollierter. Ich bin auch ein Mensch, der wenn er sich festgelegt hat, total treu ist. Ein Versprechen ist ein Versprechen.

Sie sind seit 2017 in zweiter Ehe mit der südafrikanischen Musikerin Lindiwe Suttle verheiratet.
Fünf Jahre sind es nun schon. Ehe ist die größte Herausforderung – gar keine Frage. Mehr noch als eine Musikkarriere. Weil Frauen und Männer grundsätzlich erst mal gar nicht zusammenpassen. Man muss die Fähigkeit entwickeln, Kompromisse zu schließen. Ich verstehe Frauen bis zu einem Punkt besser als andere Männer, weil ich ab meinem 14. Lebensjahr mit meiner Mutter und meiner Schwester groß geworden bin. Da erkennst du die weibliche Psyche und lernst sie viel besser kennen.

Sie wurden dadurch zum Frauenversteher?
Sagen wir so: Diese Macho-Abende, wo Jungs ausgehen und sich betrinken, fand ich immer abwegig und hat es nie in meinem Leben gegeben. Obwohl Fußball einen großen Teil meines Lebens ausgemacht hat, mochte ich auch nie das Abhängen in Umkleidekabinen und das gemeinsame Duschen.

In der Single „Zeitgeist“ rechnen Sie mit Botox-Süchtigen und dem Phänomen der Kardashians ab.
Alle sehen heute gleich aus. Bei den Leuten, die Botox spritzen, denkst du ja immer, die sind verwandt miteinander – die werden sich ja immer ähnlicher. Das ist Wahnsinn. Dabei bin ich überhaupt nicht gegen Schönheitschirugie. Wenn jemand ‘ne schreckliche Nase hat und damit unglücklich ist, dann ist es absolut hilfreich. Aber diese Spritzerei, bei der die Augen immer kleiner werden und die Wangen immer dicker, sieht schrecklich aus.
 

Marius Müller-Westernhagen // © Privat

Höchste Zeit, mein persönliches Trauma zu verarbeiten: Ich war 10 Jahre alt, ein süßes unschuldiges Mädchen, pummelig. Auf der Schulfete lief Ihr Song „Dicke“. Die Jungs haben jede Zeile mitgegrölt. Ich wäre gerne im Erdboden versunken.
Oh, das tut mir leid. Der Song ist aus einer anderen Intention heraus entstanden. Mich hat es geärgert in der Beziehung von Menschen untereinander, dass so viel hinterm Rücken geredet wird. Ich habe diese ganzen Klischees zusammengetragen und versucht, der Gesellschaft damit den Spiegel vorzuhalten. Gerade die Leute, an die es gerichtet war, haben sich besonders darüber empört. Es war ein Song über die unsäglichen Heimlichkeiten und Gemeinheiten gegenüber Minderheiten. Das war alles.

Ich war mir sicher: Das kann kein sensibler Mann sein, der solche Zeilen singt.
Wie alt war ich damals? Ich glaube, ich habe das 1978 noch nicht richtig überblickt. Ich habe damals auch ein paar andere Dinge gesagt, die sehr radikal waren, wo du in dem Alter wahrscheinlich wirklich nicht die Sensibilität hast, zu sehen, wie das bestimmte Menschen trifft. Da war ich gedankenlos. Ich habe mal über einen Politiker gesagt, dass ich ihn jederzeit als Kinderschänder besetzen würde, wenn ich einen Film hätte. Ich konnte mich später mit ihm darüber aussprechen und habe mich entschuldigt. 

Würden Sie „Dicke“ heute noch so schreiben?
100-prozentig nicht. Wenn du sehr jung bist, machst du Dinge nicht mit diesem Bedacht. Das hat auch seine Qualität, weil du Dinge raushaust, die du nicht raushauen würdest, wenn du sie durchdenkst – wie zum Beispiel „Dicke“. Du machst jedes Jahr ein Album, vielleicht auch mal zwei. Je älter du wirst, je größer wird deine Ernsthaftigkeit und Seriösität.

Sie sind immer noch „ein dünner Hering“, um mal aus dem Song zu zitieren. Sind Sie fitnessbegeistert?
Ja, immer schon. Ich muss mich körperlich ausleben. Ich habe zwei Mal die Woche einen Trainer da, der macht Kraft- und Koordinationsübungen mit mir. Wenn es irgendwie geht, mache ich zusätzlich drei Mal die Woche Ausdauertraining wie Laufen und Fahrradfahren. Und ich versuche mich so vernünftig wie möglich zu ernähren. Bei vegan bin ich noch nicht angekommen, aber ich versuche wirklich darauf zu achten.

Zuckerfrei, salzfrei?
Leider auch nicht zuckerfrei, denn Zucker brauch ich im Kaffee. Und ich bin schokoladensüchtig, nach dunkler Schokolade. Aber was ich festgestellt habe: Gut ist, wenn man wirklich nach 16 Uhr keine Kohlenhydrate mehr isst. Weder Nudeln, noch Brot, das ist eh teuflisch. Gott sei Dank bin ich kein Typ, der diesbezüglich Veranlagungen hat. Aber ich muss auch aufpassen, denn ab einem gewissen Alter hast du auf einmal so einen Spitzbauch. Ich fühle mich da auch verantwortlich gegenüber dem Publikum, die ein bestimmtes Bild von mir haben.

Sie sind nur für Ihr Publikum eitel
Ich bin geboren mit einem gewissen Sinn für Stil. Ich kann das in diesem Alter jetzt alles sagen, das ist wunderbar! Ich weiß einfach, ich habe Geschmack. Das kannst du nicht lernen. Natürlich bin ich insofern eitel, dass ich darauf achte, was ich anziehe, aber ich bin auch nicht krampfhaft bemüht. Meine Frau fragt mich schon eine Woche vorher, wenn wir irgendwo hinsollen, was ich anziehe. Ich kann es blind greifen, und es passt und funktioniert. Für mich hat Fashion aber in erster Linie mit der Silhouette zu tun. Das ist wie in der Architektur: Es ist fast schon egal, was du bei den Stoffen für Farben und welche Muster du verwendest. Die Silhouette muss stimmen. In der Musik ist das auch so.

Gehen Sie auch shoppen mit Ihrer Frau?
Ich kann meiner Frau Kleider kaufen. Ich geh auch mit ihr einkaufen, klar, viel in Second-Hand-Läden. Während sie oftmals sagt, „Nee, hier gibt es nichts“, sage ich: „Moment, warte…“ Ich reiche ihr die Sachen in die Umkleide, und dann gefällt es ihr doch. Deshalb behaupte ich immer gern: „Vom Kopf bis zum Bauchnabel bin ich ein schwuler Mann, darunter bin ich hetero.“

Haben Sie es mal mit einem Mann ausprobiert?
Nee. Ich bin so oft angegrabbelt worden, wirklich immer wieder. Ich war ein Mann-Magnet! Aber habe jedes Mal gesagt: „Tut mir leid, aber das wird nix. Da tut sich nix.“ Beim Essen hat mir mal ein Junge unterm Tisch zwischen die Beine gefasst. Er hätte auch meine Nase anfassen können, das hätte den gleichen Effekt gehabt. Ich hätte es vielleicht gerne mal ausprobiert, das wäre der doppelte Spaß gewesen, aber da regt sich nix. Ich sehe mir nur gerne schöne Männer an.

Wie ist die Beziehung zu Ihrer Tochter Sarah alias Mimi, die selbst Musikerin ist?
Sie ist ein absoluter Klon von mir! Sie zieht sich auch immer wieder zurück, hat gerne ihre Ruhe. Sie denkt viel übers Leben nach, ist sehr an Politik interessiert und sensibel. Je älter sie wird, desto besser verstehen wir uns. Wir haben eine richtig gute Freundschaft entwickelt, das muss ich wirklich sagen.

Ihre Mutter ist die englische Schauspielerin und Fotografin Polly Eltes, mit der Sie zusammen waren, bis Ihre Tochter drei Jahre alt war. Sie waren also nicht ständig an der Seite Ihrer Tochter.
Nee, das ist ja das Furchtbare. In der Zeit danach hatte ich so viel um die Ohren mit diesen ganzen Stadien-Konzerten, Millionen von Verkäufen und diesem ganzen Scheiß, von dem ich mich irgendwann bewusst zurückgezogen habe. Es war grauenhaft, das weiß ich auch. Aber wir haben jetzt wirklich ein tolles Verhältnis. Inzwischen schätzt sie meine Erfahrung. Sie fragt mich immer, wenn sie Entscheidungen zu treffen hat. Da waren auch Jahre, wo sie nicht zuhörte und bitter bestraft wurde dafür. Aber ich habe ihr immer gesagt: „Ich kann dir nur raten und sagen, was ich machen würde.“ Desto früher man Kinder aufs Leben vorbereitet, sie selbstständig denken und entscheiden lässt, desto besser ist es – davon bin ich überzeugt. Beschützen vor der Welt kannst du deine Kinder eh nicht.

Wo leben Sie heute?
Ich lebe in Berlin. Es hat eine Weile gebraucht. Ich habe mich in Deutschland nie so wirklich zu Hause gefühlt. Ich hatte keinerlei Patriotismus, als ich noch in Düsseldorf war. Mit Berlin habe ich das heute, weil es auch so multikulturell ist. Und es wird immer mehr wie New York. Wenn du dort ein paar Wochen lebst, bist du New Yorker, weil alle Menschen von irgendwo herkommen. In Berlin ist es auch so. Ich freue mich immer, wenn ich nach Berlin zurückkehre. Das hatte ich in Hamburg nie. Wobei mich Hamburg sehr geprägt hat und ich dort eine ganz wichtige Zeit hatte, Verschiedenes ausprobierte und erfolgreich wurde. Ich verdanke der Stadt viel, aber nur in Berlin habe ich das Gefühl: Hier gibt es so viele Freaks, hier fällts du gar nicht auf.

In Hamburg lebten Sie in der berühmt-berüchtigten WG „Villa Kunterbunt“ unter einem Dach mit Otto Waalkes und Udo Lindenberg.
Das war eine denkwürdige Zeit. Ich kam in Hamburg an und hatte null Geld. Ich trug so einen Pelzmantel aus dem Second-Hand-Laden und fuhr einen Achter-BMW, den ich für 2800 D-Mark von einem Bauern gekauft hatte. Und alle anderen Besitztümer passten in eine Tasche. Zum Glück traf ich eine Frau, die für mich alles in die richtigen Bahnen lenkte. Ich lebte wechselnd immer in den freien Zimmern der „Villa Kunterbunt“. Conny Plank lebte damals auch da, sowie ein Journalist vom „Stern“ und einer von der „Hörzu“. Wenn ich nachts dort auflief, habe ich immer geguckt: In welchem Zimmer kann ich heute schlafen? Und wenn nichts frei war, gab es immer noch eine winzig kleine Dachkammer mit einer Matratze. Da habe ich mich dann einfach abgelegt.

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