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Fletcher im Interview

Sängerin Fletcher "Es ist schrecklich, meinen Eltern meine Songs vorzuspielen!"

ja - 01.08.2020 - 14:00 Uhr

Konkret, tief berührend und fast schon unverschämt ehrlich: So hautnah zeigt sich Newcomer-Sängerin Fletcher. Die queere Musikerin schaffte 2019 ihren Durchbruch mit der Single „Undrunk", in welcher sie unter anderem davon singt, ihre Ex-Freundin „entvögeln" zu wollen. Die Sängerin bringt einen angenehm frischen Wind in die Szene der Pop-Musik, weil sie Dinge anspricht, die in diesem Genre sonst eher nicht zu finden sind. Fletcher im SCHWULISSIMO-Interview über Liebe und worüber sie mit ihren Eltern ungern spricht.
 

Dein letztes Album hatte ein ganz starkes Leitthema: Liebeskummer. Basieren alle sechs Songs des Kurzalbums auf selbst erlebten, wahren Erfahrungen? Und wenn ja, geht es in allen dieser Lieder um die gleiche Person?
Alles was ich jemals geschrieben habe basiert auf wahren, eigenen Erfahrungen. Ich wüsste nicht, wie ich über etwas schreiben könnte, das ich nicht selbst erlebt habe. Das finde ich sehr schwierig. So war es also auch bei dieser EP.
Ich war gerade nach New York City gezogen und liebte die Stadt und lernte eine besondere Person kennen. Und dann wurde mein Herz richtig gebrochen. In „You ruined New York City for me", welches auch der Name des Albums ist, habe ich all meine Gefühle dazu verarbeitet.

Du bist als queere Frau Teil der LGBTI*-Community. Wie verbringst du die aktuelle Pride-Zeit? Wurdest du gefragt, ob du auf ein paar Pride-Veranstaltungen performen kannst?
Ja. ich hätte auf verschiedenen Paraden dieses Jahr singen können und es war sehr herzzerreißend für mich, dass aufgrund der Pandemie nicht tun zu können. Aber der Pride und die Paraden sind für mich dieses Jahr sowieso weniger freudig. Natürlich ist es gut zu feiern, wer wir sind, was wir schon alles erreicht haben und dass wir stolz darauf sind. Aber andererseits ist es auch wichtig sich ins Gedächtnis zu rufen, warum wir heute all die Rechte haben, die wir haben: Nämlich aufgrund von schwarzen Trans-Frauen. Diese starteten damals den Stonewall-Aufstand, der so vieles ins Rollen brachte. Daher steht die Unterstützung von "Black Lives Matter Movements" dieses Jahr für mich an erster Stelle.

Meine geheimen Quellen haben mir gesagt, dass dieses Jahr noch ein weiteres Album von dir herauskommen wird?! Gibt es dabei dann auch wieder ein Überthema, wie bei der letzten EP? Und wenn ja, was ist es?
Es wird kein ganzes Album kommen, aber ich werde dieses Jahr definitiv noch neue Musik herausbringen. Was das Thema angeht muss ich ganz ehrlich sagen: Ich weiß nicht genau, wie man nicht über Liebe schreiben und singen kann. Liebe ist so ein krasses Gefühl, es löst so viele verschiedene Emotionen aus. In meiner Musik verarbeite ich diese zum Teil, weshalb sich die meisten meiner Lieder darum drehen. Es sind die Irrungen und Wirrungen einer Mittzwanzigerin, die ihr Leben „in den Griff kriegen" möchte und sich dabei selbst immer weiter kennenlernt.

Wann genau wird diese Musik herauskommen?
Das darf ich leider nicht genau sagen. Alles was ich verraten kann ist, dass es noch recht warm sein wird, wenn die Musik erscheint.


 

Fletcher im Interview

Ist es schlimm, deine Lieder deinen Eltern vorzuspielen?
Oh, es ist schrecklich! Jedes Mal, wenn ich einen neuen Song habe ist es unangenehm. Manchmal huste ich an entsprechenden Stellen. Meine Mama sagt dann "Cari, ich kann den Song gar nicht hören!!" Und ich denke mir nur „Ja diesen bestimmten Teil sollst du auch gar nicht hören."
Am Schlimmsten ist es, wenn mein Papa meine Lieder bei live Shows komplett mitsingt und ich mir nur denke „Bitte Papa, sing das nicht!" (lacht)

Hast du denn ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern, erzählst du ihnen persönliche Dinge? Oder erfahren sie so manche Dinge dann durch deine Musik?
Mittlerweile habe ich ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern, ja. Das war aber nicht immer so, besonders nach meinem „Coming-Out" war es sehr schwierig für sie, mich zu verstehen. Ich habe ihnen viel Zeit gegeben zum Verarbeiten. Ich selbst brauchte ja auch etwas Zeit damals. Es gab seitdem aber eine große Entwicklung und ich bin sehr dankbar dafür. Mittlerweile erzähle ich meiner Mama fast alles. Naja – mit gewissen Grenzen natürlich. Über Sex oder Ähnliches möchte man mit seinen Eltern dann doch nicht so detailliert sprechen. Wenn also mal so eine Zeile in einem Lied auftaucht denke ich mir „Tu wenigstes so, als wüsstest du nicht, wovon ich rede!" (lacht) 

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