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Stana von All Out

Stana von All Out „Nach der Machtübernahme durch die Taliban schweben LGBTI* in akuter Lebensgefahr“

km - 10.02.2022 - 10:00 Uhr

Folter, Morde, außergerichtliche Hinrichtungen, Todesstrafe: Nach der Machtübernahme durch die Taliban schweben Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI*) in Afghanistan in Lebensgefahr. Die neuen Machthaber verfolgen LSBTI* gnadenlos und suchen gezielt nach ihnen. Die Grenzen sind weitgehend geschlossen. Eine Flucht ist schier unmöglich.

Doch selbst nach einer erfolgreichen Flucht in die Nachbarländer Pakistan und Iran ist der Schrecken nicht vorbei. Denn: Auch dort kann für Homosexualität die Todesstrafe verhängt werden. Zudem werden LSBTI* als Zielgruppe in den internationalen Hilfs- und Kooperationsmaßnahmen oft ignoriert.
All Out hat zusammen mit ILGA Asia eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um LGBTI* in Afghanistan zu versorgen – es konnten über 30 Menschen unterstützt werden. Nun gibt es eine Petition, um der Politik Druck zu machen und die Dringlichkeit der Rettung von queeren Menschen in Afghanistan deutlich zu machen.
SCHWULISSIMO hat unter anderem darüber mit Kampagnenmanagerin Stana
Iliev von All Out gesprochen.

 

Was sind deine Aufgaben als Kampagnenmanagerin?
Was All Out macht, ist ganz einfach: Wir nutzen das Internet, um Tausende von Menschen auf der ganzen Welt zu mobilisieren, um die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren und trans* Menschen (LGBTI*) zu verteidigen.

Als eine von fünf Kampagnenmanager*innen bei All Out beobachte ich die Nachrichten aus aller Welt und pflege ein internationales Netzwerk aus LGBT* Aktivist*innen. Wenn irgendwo etwas passiert, springen wir in Aktion und unterstützen die Gruppen vor Ort.

Dann schicken wir eine E-Mail an unsere Mitglieder, in der wir ihnen sagen, wie sie etwas bewirken können, indem sie eine Petition unterschreiben oder selbst starten, eine Spende machen oder an einem Protest teilnehmen, usw.

© All Out
Stana Iliev © All Out

Wie kam es dazu, dass ihr mit ILGA Asia zusammenarbeitet und warum gerade ILGA Asia?
Unsere Spendenaktionen kommen zustande, indem sich Organisationen bei uns bewerben oder wenn ein besonderer Notfall vorliegt. Alle Partner, mit denen wir arbeiten unterlaufen einer Sorgfaltsprüfung durch uns. Wir halten aber alles trotzdem sehr unkompliziert und unbürokratisch, damit auch kleine Gruppen und Aktivist*innen Zugang haben.

Als wir erfuhren, dass ILGA Asia ein Sonderprojekt zur Unterstützung gefährdeter LGBTI-Afghanen ins Leben gerufen hat und nach den nötigen Ressourcen sucht, haben wir uns sofort an sie gewandt und angeboten, gemeinsam eine Crowdfunding-Kampagne durchzuführen. ILGA Asia ist die asiatische Abteilung von ILGA world, mit mehr als 100 Mitgliedsorganisationen in dieser Region unter sich vereint.

Warum ist die Lage in Afghanistan so gefährlich für LGBTI*?
Nach der Machtübernahme durch die Taliban schweben LGBT* in akuter Lebensgefahr. Neben Berichten über Folter und Morden and LGBT* suchen die neuen Machthaber gezielt und gnadenlos nach LGBT* Menschen, denn Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit steht nun unter Todesstrafe. 

Viele Menschen haben keinen Zugang mehr zu Grundversorgung und können nicht mehr arbeiten, da sie sich verstecken müssen und nicht aus dem Haus können, weil sie um ihr Leben fürchten.

Was kostet die Rettung/Versorgung eines queeren Lebens?
Dies lässt sich nicht allgemein berechnen. Alle Out-Mitglieder haben gespendet, um ILGA Asia bei der Finanzierung von Lebensmitteln, Unterkünften, Medikamenten und anderen Notfallmitteln für über 30 Personen zu unterstützen.

© All Out
© All Out

Nachdem die Spendenaktion abgeschlossen ist, bleibt das Thema Afghanistan und LGBTI* aktuell. Inzwischen gibt es eine Petition von euch zusammen mit dem LSVD.
Hier geht es darum, dass das Aufnahme- und Evakuationsprogramm der Bundesregierung LGBT* als besonders schutzbedürftig mitberücksichtigen muss. Dies ist leider bisher nicht vorgesehen. Deutschland hat die Rettung besonders schutzbedürftiger Menschen zugesagt. Die Innenministerkonferenz hat bereits im August beschlossen, besonders gefährdete Personengruppen aus Afghanistan schnellstmöglich nach Deutschland in Sicherheit zu bringen. Aber passiert ist seitdem so gut wie nichts. Die humanitären Evakuierungslisten des Auswärtigen Amtes wurden geschlossen. Afghanistan ist von der politischen und medialen Agenda verschwunden. Die neue Bundesregierung hat beschlossen, ein humanitäres Aufnahmeprogramm für Afghanistan zu starten. Unklar ist, ob und wie LGBTI* als hoch gefährdete Gruppe ausdrücklich berücksichtigt werden.

Die Zeit rennt davon. Uns erreichen noch immer verzweifelte Hilfegesuche. Es gibt konkrete Namen, die auch der Bundesregierung vorliegen. LGBTI* können nach wie vor aus Afghanistan und den Nachbarländern gerettet werden. Afghanische LGBTI* brauchen JETZT unsere Hilfe. Außenministerin Baerbock und Innenministerin Faeser müssen sofort handeln und so viele afghanische LGBTI* wie möglich vor den Taliban retten.

Wie finanziert ihr euch und die Aktion?
All Out finanziert sich zu ca. 40-50% von Einzelspenden unserer Mitglieder und der Rest kommt von größeren Stiftungen und Unternehmen. Die Spendenaktion für ILGA Asias Programm in Afghanistan ist einer unsere Grassroots Fundraiser. Wir prüfen die Partner, mit denen wir arbeiten gewissenhaft und All Out Mitglieder erhalten dann von uns E-Mails mit Informationen direkt von unseren Partnern vor Ort. So finanzieren viele tausende Kleinspenden von überall auf der Welt die Arbeit der Aktivist*innen und Gruppen direkt vor Ort.

© All Out
© All Out

Wie kann man euch unterstützen oder helfen?
Unterstützen ist ganz einfach. Momentan ist es wahnsinnig wichtig, dass die Bundesregierung LGBT* als besonders schutzbedürftig in ihr humanitäres Aufnahmeprogramm aufnimmt. Um das zu erreichen, könnt ihr die Petition (https://action.allout.org/de/m/19deb668/) des LSVD hier unterschreiben. Meldet euch an für unseren E-Mail Verteiler und erhaltet regelmäßig Insiderinformationen zu Petitionen, Kampagnen und Spendenaktionen für LGBT*-Rechte weltweit.

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