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Leserumfrage // © Wand_Prapan

Viel Glück für 2022 Was bedeutet eigentlich Glück?

vvg - 31.12.2021 - 10:00 Uhr

Ich weiß genau, wann ich zum letzten Mal traurig war, aber glücklich bin ich jeden Tag. Richtig glücklich war ich zuletzt, als ich mein Portemonnaie verloren hatte und mein Chef mir ein neues Portemonnaie von Louis Vitton gekauft hat. Es hat mich weniger glücklich gemacht, dass es von dieser Modemarke war, sondern, dass mein Chef mich mag und wertgeschätzt hat. Da habe ich in meinem Job sicherlich einiges richtig gemacht.

Glücklich bin ich, wenn ich singe. Schon wenn ich in meine Lieblings-Karaoke-Bar komme, freuen sich die Leute und manche applaudieren sogar, obwohl ich noch nicht gesungen habe. Hier bekomme ich Aufmerksamkeit in Form von Applaus, der mich wirklich glücklich macht. Glücklich macht mich auch, wenn ich Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann und einfach gute Laune verbreite.

In meinem Geburtsland Indonesien haben die Menschen nicht so hohe Erwartungen an ihr Leben und an andere Menschen und sind deswegen glücklicher als Menschen hier in Deutschland. Indonesiern genügt ein gutes scharfes Essen mit der Familie, um glücklich zu sein. In Deutschland bedarf es viel größerer Mühen, um das Gefühl von Glück zu spüren. Ich möchte nicht behaupten, dass die Menschen hier nicht glücklich sind, wahrscheinlich merken die meisten gar nicht, was für ein Glück sie haben, hier leben zu können. Es geht nicht darum, immer mehr zu haben, Menschen, die oft nur das Nötigste zum Leben haben, sind oft glücklicher als reiche Leute.

Indonesische Schulfreunde, die schwul sind, haben geheiratet und führen ein Leben, dass sie nicht glücklich macht. Da wünschte ich mir, dass soviel Toleranz wie in den meisten europäischen Ländern herrschte, damit auch meine Freunde so glücklich leben können, wie ich es hier in Deutschland kann.
Ade Roŷ aus Jarkarta/Indonesien, lebt seit 21 Jahren in Köln
 

Ade Roŷ // © vvg

Glück ist für mich: Gute Zeiten, gutes Essen, gute Freunde und Dinge tun zu können, die einem Spaß machen und die man genießt. Das letzte Mal fühlte ich mich wirklich glücklich als es mir möglich war, meinen regulären Job verlassen zu können, mich meiner Kunst zu widmen und nach Palm Spring umzusiedeln. Palm Spring ist ein wirklich wunderbarer Platz, um dort zu leben. Die Leute sind freundlich, die Landschaft ist wunderschön und das Leben dort ist nicht so stressig und um ein vielfaches leichter. Nun lebe ich hier in einer sehr hübschen Eigentumswohnung mit viel Platz für meine Kunst, die Malerei. Ich habe den Stress der Großstadt hinter mir gelassen.

Um glücklich zu bleiben, achte ich sehr darauf, dass ich mir nicht mehr vornehme, als das, wofür ich auch die Zeit habe. So kann ich einen angenehmen Zeitplan einhalten, der mir erlaubt, jeden Tag an meiner Kunst zu arbeiten. Nebenbei aber auch das Fitnesscenter besuchen, Fahrradtouren machen, Einkäufe erledigen oder Lesen. Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten und trotzdem etwas zu erreichen und ein soziales Leben zu führen.

Die Community sollte sich gegenseitig unterstützen und für eine Atmosphäre sorgen, in der sich alle verstehen. Gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen eignen sich hervorragend, um neue Leute kennen zu lernen und neue Freundschaften aufzubauen. Gegenseitiges Helfen und Unterstützen kann wirklich das Glück für alle fördern.

Richtig happy war ich gerade in Deutschland, wo ich auf Ausstellungen meine Kohlezeichnungen in diversen Galerien präsentieren durfte. Da hat es mich glücklich gemacht, so viele Menschen zu treffen, die sich für meine Arbeiten interessierten.
Dan Pyle, Palm Springs USA
 

Dan Pyle // © vvg

Ich möchte mit zwei Sprichwörtern beginnen: „Glück und Glas, wie leicht bricht das“ und „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Das erste zeigt auf, das Glück ein sehr gefährdetes Gut ist und ich mit dem Glück, sei es das eigene oder auch das des anderen (Glück), sehr vorsichtig und achtsam umgehen muss – es also nicht leichtfertig aufs Spiel setzen darf. 

Der zweite Spruch deutet an, ich kann selber etwas für mein Glück tun, aber auch, dass dies eine Kunst ist. Denn wer kann schon schmieden?

Ich muss also eine genaue Kenntnis haben von dem Material, mit dem ich umgehe. Hier bin ich das Material. Wer bin ich, fragt nach Selbsterkenntnis. Da sind wir schon bei den persönlichen Glücksmomenten. Was mich glücklich macht, kann den anderen völlig kalt lassen oder sogar unglücklich machen. In dem Buch „Anleitung zum Unglücklich sein“ versucht der Autor das Thema von der anderen Seite

anzugehen, er zeigt auf, man kann sich und sein Glück auch überfordern.

Mein Fazit war: Irgendwie muss ich lernen, mich ein bisschen selbst zu mögen, mit all meinen Macken und Fehlern, aber auch mit den Stärken und lernen, die Potenziale positiv zu nutzen. Der Umgang mit den Fehlern und Macken der anderen kommt gleich danach. Freundlichkeit, Respekt und eine große Portion Humor sind einige Rezeptbestandteile im gemeinsamen Umgang.

Es gibt einen Staat, dessen oberstes Ziel es ist, dass seine Bürger glücklich sind. Für eine glückliche Gesellschaft sind die wichtigsten Voraussetzungen: Freiheit und Gerechtigkeit, Vielfalt und Akzeptanz. Das sind die Schwestern und Brüder des Glücks. Man merkt schnell, dass wir noch weit entfernt sind von einer glücklichen Gesellschaft und es noch viel zu tun gibt auf dem Weg dorthin.
Detlef Hamann aus Bielefeld
 

Detlef // © vvg

Ich bin momentan sehr glücklich: Ich kann wieder kleine Sachen sehen, spüren und mich daran erfreuen und kann wieder täglich etwas Fröhliches finden, was mich glücklich macht. Diese Gabe hatte ich verloren, jetzt bin ich happy, das wiedergefunden zu haben. 

Glück bedeutet mir psychisches Gleichgewicht, wenn man innere Freude spürt. Das kann man überall finden, denn das ist abhängig von momentaner psychischer Verfassung. Glückgefühlen muss man aber entgegengehen und um Glück zu fühlen muss man aktiv sein.

Glück ist sehr individuell: Jeder empfindet Glück anders und jeder sucht etwas Anderes, was ihn glücklich macht. Einige machen Sport oder gehen in der Natur spazieren, andere finden ihr Glück im Kreis der Familie. Und dritte brauchen Leute und Freunde um sich herum. Im Grunde wollen aber alle mit sich selbst im Reinen sein – mit dem eigenen (inneren und äußeren) Bild. Ich denke, das ist die Basis und ein Sprungbrett, um sich ein gutes Umfeld um sich herum aufzubauen und sich zufrieden und glücklich zu fühlen. 

Ich wünsche uns allen Toleranz und gute Werte, um sie der jüngeren Generation weiter zu geben, denn das verschwindet leider immer mehr. Ich wünschte, dass wir keine Angst mehr haben müssen, unsere Familie, Freunde, Kinder oder Jobs zu verlieren. Dass wir uns nicht mehr verstecken oder unsicher fühlen müssen. Ich wünsche uns allen gesellschaftliche Akzeptanz, Würde und Respekt. Dass die Toleranz Grenzen sprengt und auch das letzte Land auf dieser Erde erreicht. Und das jeder so leben kann, so wie es ihm gefällt und wie es für ihn am besten ist.
Mikael Panci aus Litvinov /CZE (TRANS - I got life)
 

Mikael // © vvg

Am heutigen Freitag habe ich mir zusammen mit einem Freund den „Friday for Future-Walk“ angesehen und ich habe gestaunt, dass sich da so unendlich viele Menschen daran beteiligt haben. Man schätzt es waren etwa 25.000 Leute jeder Altersstufe allein in Köln dabei und das hat mich sehr gefreut. Hinzu bekam ich durch spontanen Zufall aus dem alten „Ruhrpott“, der ja am 25. September seine Pforten schloss, eine guterhaltene Couch für mein Laola-Büdchen. Da war ich echt glücklich.

Glück bedeutet für mich in erster Linie, Menschen zu kennen, mit denen ich meinen Alltag gestalten kann, mich gerne unterhalte und eine gute Zeit habe. Der Mensch an sich macht mich glücklich und das gemeinsam mit ihm Erlebte. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen lässt mein Herz erstrahlen und das kann sowohl ein gemeinsames Lachen als auch ein gemeinsames Weinen sein.

Damit man glücklich bleibt, sollte man auch die alltäglichen Dinge sehen: Das kann die Verkäuferin im Supermarkt sein, die mich ansieht und ein Lächeln schenkt und mich mit so einer kleinen Geste sehr happy macht. Ich selbst gehe immer offen auf die Menschen zu und merke, wenn ich mich selbst öffne, öffnen sich andere ebenso. Und ich genieße diese emotionalen Momente.

Damit es auch innerhalb der Community glücklicher abläuft, sollte sich jeder einzelne in erster Linie als Mensch sehen und sich nicht nur als ein schwuler Mann abkapseln. Ich bin und bleibe ein Mensch und ich erwarte gegenseitige Akzeptanz und Respekt. Nur das sind die Grundsteine, um glücklich sein zu können. Ich brauche keine Wertgegenstände, ich bin glücklich, wenn ich lachen kann, mich geborgen fühle und mich bei den Leuten, mit denen ich zusammen bin, fallen lassen kann.               
Nobi (Andreas) aus Köln
 

Andreas // © vvg

Das letzte Mal glücklich war ich am Abend vor dem 2. Advent. Da hatte ich einen wunderbaren Familienabend mit einem gemeinsamen Gänseessen. Wir waren drei Generationen: Mein Vater, mein Bruder mit Frau und Sohn und natürlich mein Mann. Eigentlich ein typischer Abend in vorweihnachtlicher Zeit, was aber nicht immer leicht zu realisieren ist bei vier berufstätigen Personen. Ich schätze mich wirklich sehr glücklich, eine so wunderbare Familie zu haben.

Glück bedeutet mir: Nichts zu vermissen, sondern mir bewusst zu machen, was ich alles habe. Immer wenn wir denken, es ginge uns schlecht, sollte man einfach mal überdenken, was alles um uns herum passiert. Sei es auf der Welt, in anderen Familien oder anderen Gesellschaftsschichten. Natürlich jammere auch ich manchmal, wir jammern alle viel zu schnell. Wir sollten uns wieder erden und darauf konzentrieren, dass es uns doch verdammt gut geht. Es fällt mir vielleicht leichter, das zu sagen, weil ich mit meinem Mann in einem wirtschaftlichen Bereich tätig bin, der kaum von Corona betroffen war.

Wir sind gesund – und die Gesundheit spielt wirklich die allergrößte Rolle.

Durch tägliche Nachrichten bekommt man mit, wie schnell sich ein Leben durch Naturkatastrophen oder Unfälle verändern kann. Leider ist unsere Psyche so gestrickt, dass wir solche Dinge schnell vergessen. Kleine Probleme erscheinen uns riesig, weil wir keine großen Probleme haben. Ähnlich ist es in der Community, wo einige nicht glücklich sind. Dabei können wir uns glücklich fühlen in geografischen Regionen zu  leben, wo „WIR“ fester und akzeptierter Bestandteil der Gesellschaft sind. Wären wir gesellschaftlich geächtet, hätten wir kein Dach über dem Kopf und nichts zu essen, dagegen sind doch Party- oder Kontaktverbote, fehlender Glanz und Unzufriedenheit mit Äußerlichkeiten winzige Probleme.
Thomas Friedrich aus Köln
 

Thomas // © vvg

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