Direkt zum Inhalt
Ablehnung von Homosexualität
ANZEIGE

Ablehnung von Homosexualität 30 Prozent der jungen geflüchteten Migranten lehnen Schwule und Lesben ab, rund 70 Prozent von ihnen stellen die Religion vor den Staat

ms - 21.12.2023 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Wie stehen junge Migranten in Deutschland zur Demokratie und zu Menschenrechten in der Bundesrepublik? In einer neuen Studie der Ruhr-Universität Bochum wurden in einem Zeitraum von zwei Jahren rund 440 Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund an sechs Be­rufs­kol­legs im Ruhr­ge­biet befragt, wie sie zu grundsätzlichen Themen und Werten in Deutschland stehen, dabei zeigten sich einige Widersprüche.

Ablehnung von Schwulen und Lesben

Während der Großteil von ihnen (80-85%) sich grundsätzlich zwar für die Werte der Demokratie ausspricht, sind die Zustimmungswerte bei Menschenrechten für Homosexuelle deutlich differenzierter: „Etwa 30 Prozent der befragten Geflüchteten, die ja eigentlich ein positives Bild von der Demokratie haben, lehnen die Gleichstellung von Schwulen, Lesben und queeren Menschen ab. Unter den Befragten ohne Migrationshintergrund und unter MigrantInnen ohne Fluchterfahrung liegt die Ablehnung nur bei zehn Prozent. Es gibt da also einige Widersprüche zum Bekenntnis zum Grundgesetz“, so Rassismus-Forscher Karim Fereidooni von der Ruhr-Uni Bochum im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, kurz WAZ.

Religion sei wichtiger als der Staat

Fast die Hälfte plädiert auch für die Einführung der Todesstrafe in Deutschland, etwa 50 Prozent der befragten jugendlichen Migranten erklärten zudem, es sei wichtiger, die Religion zu befolgen als die Gesetze des Staates. Schüler ohne Migrationshintergrund sind nur zu 20 Prozent dieser Ansicht, allein nur unter den geflüchteten Migranten sind es sogar 70 Prozent.

„Das ist in der Tat alarmierend, weil das an den Grundfesten unserer Demokratie rüttelt, nämlich an der Trennung von Religion und Staat. Umso wichtiger ist, dass Schule ein demokratischer Schutz- und Lernraum ist. Häufig ist die Schule sogar der einzige Ort, um undemokratische Einstellungen zu korrigieren. Leider haben Lehrkräfte kaum Zeit für diese Korrektur“, sagt Rassismus-Experte Fereidooni, der die Studie zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Nora Pösl durchgeführt hat.

Widersprüche bei Menschenrechten

Befragt danach, wie es zusammenpassen könne, dass einerseits das Grundgesetz in bestimmten Aspekten mehrheitlich wertgeschätzt und an anderen Stellen offenbar für obsolet erklärt werden kann, erklärt Forschungsleiter Fereidooni weiter: „Menschen picken sich häufig das heraus, was ihnen gefällt und was ihnen nützt. Daher finde die meisten Befragten das Grundgesetz gut, einige pflegen dennoch weiter autoritäre und menschenfeindliche Einstellungen. Nur weil jemand geflüchtet ist oder diskriminiert wurde, ist er nicht automatisch gegen Sexismus oder Queer-Feindlichkeit.“

Lehrkräfte müssten mehr Haltung zeigen

Die Frage sei nun mit Blick auf Homosexuelle, wie man die 30 Prozent der Migranten in Deutschland „an Bord holen“ kann, so Fereidooni. Er plädiert erneut dafür, auch dieses Thema stärker in der Schule in den Fokus zu nehmen und so beispielsweise auch den Kampf für die gleichen Rechte von Schwulen und Lesben verstärkt im Unterricht einzubeziehen. „Mein Plädoyer ist: Bildet Lehrkräfte so aus, dass sie wissen, wie sie auf Menschenfeindlichkeit reagieren müssen. Häufig glauben Lehrkräfte, sie müssten sich neutral verhalten. Das hat aber Grenzen: Bei menschenfeindlichen Äußerungen müssen Lehrkräfte unbedingt Haltung zeigen“, so Fereidooni überdies weiter.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Freizügige Bilder im Wahlkampf

US-Kandidat wird zum Internet-Hit

Alte sexy BDSM-Fotos von Demokrat Chris Gallant sorgen im US-Wahlkampf derzeit für viel Aufsehen – und überwiegend für positive Reaktionen.
Der erste schwule US-Präsident

US-Bevölkerung ist bereit dazu

Demokrat Pete Buttigieg hält Amerika für bereit für einen schwulen Präsidenten, legt sich aber noch nicht auf eine Kandidatur 2028 fest.
Kieferbruch bei Timo Cavelius

Schwuler Judoka schwer verletzt

Der schwule deutsche Judoka Timo Cavelius erlitt nach einem Kampf einen Kieferbruch und muss Monate pausieren - ist die Olympia-Teilnahme in Gefahr?
Historisches Tennisfinale

Dank für das Coming-Out

Der schwule Tennisprofi Mika Brunold hat das Finale gegen João Lucas Reis da Silva gewinnen und dankte ihm für die Inspiration zu seinem Coming-Out.
Eklat bei UN-Atombehörde

Russischer Funktionär suspendiert

Die UN-Atombehörde IAEA hat den russischen Funktionär Mikhail Chudakov suspendiert, nachdem er ein umstrittenes homophobes Buch verbreitet hatte.
Drogen und die Community

Schockstudie aus Großbritannien

Eine neue Schock-Studie offenbart die Folgen des Drogenkonsums in Londons schwuler Community inklusive drogenbedingter Todesfälle und Überdosierungen.
Vermisster aufgefunden

Berliner Polizei gibt Entwarnung

Der seit Sonntag vermisste Tourist und Fetisch-Partygänger Gabriel Ronco Gonzales ist wohlbehalten in Berlin gefunden worden.
Todesfall Hayden Panettiere

Ermittler prüfen tödliche Pille

Neuigkeiten zum Tod von Hayden Panettiere: Ermittler vermuten eine mit Fentanyl versetzte Oxycodon-Pille als mögliche Todesursache.
Pride in Charkiw

Protest unter Polizeischutz

Rund 200 Menschen feierten den Charkiw Pride trotz Luftalarm und Sicherheitsrisiken und forderten gleiche Rechte für LGBTIQ+-Menschen in der Ukraine.