Direkt zum Inhalt
Die letzte Rettung für Homosexuelle in Uganda

Eine Kirche als Zufluchtsort Hass, Gewalt und Angriffe sind Alltag für viele homosexuelle Afrikaner

ms - 05.08.2022 - 10:30 Uhr
Loading audio player...

Uganda ist nicht nur eines der ärmsten Länder der Welt, in dem autoritär regierten Land im Osten von Afrika wird Homosexualität auch bis heute strikt verfolgt – es drohen mehrjährige Haftstrafen. Immer wieder versuchte das nationale Parlament sogar, die Todesstrafe für Homosexualität einzuführen, zuletzt scheiterte der Gesetzentwurf an rein bürokratischen und technischen Hürden, nicht aber an der grundsätzlichen Ablehnung vor allem gegenüber schwulen Männern. Im Jahr 2021 wurde ein anderes Gesetz hingegen erfolgreich erweitert, neben Vergewaltigung und Pädophilie wird jetzt auch gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Die Gewalt gegenüber Homosexuellen geht dabei nicht nur von der Bevölkerung, sondern oftmals auch gerne von der Polizei selbst aus. Besonders heikel an der Situation: Die Mehrheit der rund 46 Millionen Einwohner sind Christen und die katholische Kirche befeuert massiv im Namen Gottes den Hass gegenüber Homosexuellen sowie auch queeren Menschen.

Da wirkt es beinahe wie ein Wunder, dass ausgerechnet in einer Kirche jetzt viele LGBTI*-Menschen in Uganda Zuflucht finden. Eine kleine Kirchengemeinde in einem Vorort von Kampala hat sich in den letzten Monaten als oftmals letzte Anlaufstelle für queere Menschen etabliert. Offiziell sind die Bewohner der kirchlichen Einrichtung zur “Rehabilitation“ vor Ort; dass alle Einwohner schwul, lesbisch oder queer sind, wissen die Nachbarn nicht. Die LGBTI*-Personen sind in kleinen einfachen Zimmern mit kahlen Wänden und nur wenigen Möbeln untergebracht, die allermeisten von ihnen sind homo- oder bisexuell, vereinzelt gibt es auch trans-Personen. Die Geschichten der Insassen gleichen sich, oftmals von den Eltern als homosexuell geoutet, wurde die Kirche zum einzigen Zufluchtsort. Zuhause sind die meisten queeren Menschen nach dem Outing nicht mehr willkommen, manche erleben auch direkt Gewalt und Angriffe von Seiten ihrer Familien.

Einer davon ist der 20-jährige Mosha, ein muskulöser schwuler Mann, dem der Corona-Lockdown zum Verhängnis wurde, wie er gegenüber dem Deutschlandfunk erzählte:  „Man musste ja die ganze Zeit zu Hause sein. Die Familie hat dann zu sehr auf mich geachtet. Alles wurde beobachtet, sogar mit wem man telefonierte.“ Irgendwann flog so Moshas Geheimnis auf, was nicht ohne Folgen blieb. „Sie haben mich zu Hause eingesperrt und mir das Telefon weggenommen, mich runtergemacht, beschimpft und gequält. Und irgendwann dann direkt rausgeschmissen. In Uganda bin ich als Mensch anscheinend illegal.“ Er kannte die Kirchengemeinde von einigen Gottesdiensten, bei denen er sich auch als schwuler Mann sehr aufgehoben gefühlt hatte. Nach seinem Rauswurf flüchtete er dorthin und wurde schlussendlich aufgenommen. Offiziell machen alle jungen Menschen dort eine Rehabilitationstherapie, tatsächlich erzählen die Betreiber der Kirche ihren Bewohnern, dass sie sich nicht ändern müssen, sondern jeder solle einfach so sein, wie er ist. Ein Novum in Uganda, das für viele bis heute als eines der weltweit homophobsten Länder gilt. Organisationen wie Human Rights Watch und andere Menschenrechts- sowie LGBTI*-Gruppen bestätigten dabei vor kurzem, dass das Leben in weiten Teilen Afrikas für Homosexuelle immer dramatischer wird, zuletzt eskalierte die Situation auch in Ghana – das dortige Parlament hat vor kurzem in einem ersten Schritt ein neues Gesetz verabschiedet, das eine fünfjährige Haftstrafe für Homosexuelle vorsieht, einfach nur, weil sie sind, wie sie sind (SCHWULISSIMO berichtete). Es muss erst gar nicht zu sexuellen Handlungen kommen. Auch hier heizt die katholische Kirche den Hass auf homosexuelle und queere Menschen maßgeblich an.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende einer Cruising-Kultstätte

Park in Brooklyn wird neu gestaltet

Einst der Märchenpark für Schwule, wird der Cruising-Bereich im Brooklyner Prospect Park nun komplett umgestaltet. Die Community blick wehmütig darauf
Skandal in Australien

Gemeine Attacke auf Community

Die Polizei in Westaustralien untersucht Flugblätter gegen LGBTIQ+-Menschen, die darin fälschlicherweise der Pädophilie beschuldigt werden.
Streit an Boston University

Entfernung von Pride-Fahnen

An der Boston University wird derzeit heftig um LGBTIQ+ und Sichtbarkeit gestritten nach dem Entfernen von Pride-Flaggen.
Glückliche schwule Männer

Was macht uns wirklich happy?

Heute feiern wir den Tag des Glücks, doch was genau macht Schwule wirklich glücklich? Und wie können wir unser Glück steigern?
Meilenstein für "Evil Gay"

Aaron Rourke wird Singles-Champion

Historischer Sieg: Wrestler Aaron Rourke alias "Evil Gay" ist der erste offen schwule Singles-Champion in der WWE-Geschichte.
Sicherheitskonzept für den ESC

Hohes Security-Konzept bleibt

Der ORF hat das hohe Sicherheitskonzept für den ESC noch einmal bekräftigt, man sei gewappnet auch angesichts diverser politischer Spannungen weltweit
Urteil in London

Betrug durch Dating-Apps

Ein 26-Jähriger wurde in London jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt, er hatte schwule Männer mittels Dating-Apps um viel Geld betrogen.
Kindesmissbrauch im Fußball

Jugendtrainer in Verdacht

Die Polizei ermittelt gegen einen 43-jährigen Ex-Jugendtrainer des 1. FC Köln, der mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll.