Direkt zum Inhalt
Mutiger Pride in Seoul

Mutiger Pride in Seoul Die Gay-Community zeigt Flagge in Südkorea – trotz Verbot seitens der Stadtregierung

ms - 03.06.2024 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Einen Demonstrations-Charakter ganz anderer Art hatte am vergangenen Wochenende der Pride in Südkorea – rund 150.000 Menschen liefen beim Marsch mit, obwohl die Demonstration zum zweiten Mal in Folge von den Behörden verboten worden war. 

Kampf um Schwulenrechte

Homosexualität ist von Seiten der Regierung in Südkorea grundsätzlich zwar legal, nach dem davon unabhängigen Militärstrafrecht können Militärangehörige allerdings aufgrund ihrer Homosexualität noch immer mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden – ein bis heute anhaltender Streit zwischen Regierung und Militär. Im Jahr 2022 entschied das Oberste Gericht erstmals zugunsten zweier schwuler Soldaten und hob einen Schuldspruch des Militärs auf. Anti-Diskriminierungsgesetze oder eine gleichgeschlechtliche Ehe beziehungsweise eine eingetragene Partnerschaft gibt es bis heute nicht, allerdings wurde 2023 ein erster Gesetzentwurf für die Homo-Ehe vorgelegt.  

150.000 Menschen trotzen Verbot

Das Erstarken der Gay-Community scheint der Regierung ein Dorn im Auge zu sein, weswegen sie in diesem Jahr erneut nach 2023 die Pride-Parade in Seoul verboten hatte. Der offizielle Grund waren „Terminkonflikte“ mit einer Literaturveranstaltung der Stadt. Zuvor hatte Seouls Bürgermeister Oh Se-hoon einmal mehr bekräftigt, er sei „persönlich nicht mit Homosexualität einverstanden.“

Das hielt am vergangenen Samstag trotzdem 150.000 LGBTI*-Menschen und ihre Unterstützer nicht davon ab, Flagge in der Hauptstadt von Südkorea zu zeigen und das 25-jährige Jubiläum der Pride-Parade ausgiebig und kampfeslustig zu feiern. Die wichtigsten Straßen der Stadt waren voll mit Besuchern in Regenbogenfarben und Fahnen. Das Motto in diesem Jahr war die Farbe „Orange“, die ebenso durch tausende Luftballons omnipräsent war. „Die Farbe liegt zwischen Rot und Gelb. Sie gehört nirgendwo ganz hin, sondern existiert unabhängig dazwischen – das entspricht sehr genau unserer Art, in Südkorea zu leben!“, so das Pride-Organisationsteam. Tatkräftig unterstützt wurde der illegale Pride sowohl von der US-Botschaft und Amnesty International, aber auch von dem schwedischen Unternehmen IKEA.  

Wenige Straßen entfernt vom Stadtzentrum demonstrierten derweil die Gegner der schwul-lesbischen Community, sie waren zahlenmäßig allerdings in der deutlichen Minderheit. Auf ihren Schildern war unter anderem zu lesen: „Nein zur gleichgeschlechtlichen Ehe!“ sowie „Das Land, das mit Blut und Schweiß aufgebaut wurde, bricht wegen Homosexualität zusammen!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Unvereinbarkeit von Positionen

Rechtspopulistische Strategie

Der Christopher Street Day (CSD) in Erkrath, Nordrhein-Westfalen, hat den Antrag der AfD auf einen eigenen Infostand abgelehnt.
WM-Kuss wird Symbol

Liebesbekundung in Mexiko

Ein spontaner Kuss bei einer WM-Fanfeier in Mexiko-Stadt geht viral und wird für viele zum Symbol für LGBTIQ+-Sichtbarkeit im Fußball.
Nasty Pig-Gründer Lauterstein

Kampf gegen Altersdiskriminierung

Nasty-Pig-Mitgründer David Lauterstein ruft ältere schwule Männer dazu auf, selbstbewusst aufzutreten und ihre Lebenserfahrung als Vorteil zu nutzen.
Bottoming Fever

Grippesymptome nach Analsex

Nach intensivem Analverkehr können bei manchen Menschen grippeähnliche Beschwerden auftreten. Die Forschungen zum „Bottoming Fever“ laufen.
Neue Straftatbestände gelten

Besonders Studierende betroffen

Queere Studierende in Victoria sind auf Dating‑Apps gezielt unter Druck gesetzt, körperlich attackiert und mit „Outing“-Erpressung bedroht worden.
Social Media-Verbote

Klare Absage der Expertenkommission

Die Expertenkommission der Regierung hat sich gegen pauschale Social Media-Verbote ausgesprochen. Ministerin Prien kann sich dies trotzdem vorstellen.
Schule zahlt nach Coming-Out

Streit um Abschluss in Tennessee

Eine christliche Schule in Tennessee hat nach dem Ausschluss einer Schülerin wegen ihres Coming-Outs eine Entschädigung von 10.000 Dollar gezahlt.
Amoklauf in Montreal

Schießerei nahe Pornhub-Hauptsitz

Drei Menschen starben bei einem Amoklauf in Montreal nahe der Pornhub-Zentrale. Der Täter hatte es unter anderem auf Pornodarsteller abgesehen.
Prides in Europa unter Druck

Mehr Hass und weniger Geld

Prides in Europa erleben zunehmend mehr Hass bei zeitgleicher Reduzierung der Finanzen, so der neue EPOA-Bericht.