Direkt zum Inhalt

Queer-Beauftragter von Berlin Die Berliner Community lebe in konstanter Angst vor Angriffen, so Pantisano.

Von ms - 12.07.2023 - 08:50 Uhr
Queer-Beauftragter von Berlin
Foto: IMAGO / Political-Moments
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Stadt Berlin hat erstmals in ihrer Geschichte ab sofort einen neuen Queer-Beauftragten; wie bereits im April dieses Jahres vermutet, übernimmt Alfonso Pantisano das Amt. Der schwarz-rote Berliner Senat legte sich gestern bei seiner Sitzung auf den 48-Jährigen fest.

Pantisano ist Sozialdemokrat, Vorsitzender der SPDqueer in Berlin und war bis vor kurzem im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands. Beruflich ist er zudem als Moderator tätig. Nach der Berliner Wahlwiederholung wurde Pantisano kurzzeitig auch persönlicher Referent der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken, nun ist er der neue und erste Queer-Beauftragte Berlins.

Streitbarer Geist innerhalb und außerhalb der Community

In der Berliner Szene gilt der 48-Jährige als streitbarer Geist, der mitunter auch innerhalb der LGBTI*-Community ab und an aneckt. Politisch hatte Pantisano zuletzt 2022 beim damaligen Regierungspartner, den Berliner Grünen, für Unmut gesorgt, als er die desaströse Versorgungspolitik von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) mit Impfstoffen gegen die Affenpocken scharf kritisierte und erklärte, dass der grünen Senatorin die Community und das Thema Affenpocken offensichtlich egal seien.

Berliner Grüne stellen Notwendigkeit des Amtes in Frage

Über die Wahl des neuen Queer-Beauftragten durften die Berliner Grünen nicht mehr mitentscheiden, sie befinden sich seit der Wahlwiederholung vom Frühjahr 2023 in der Opposition. Wenig verwunderlich kritisierten sie jetzt auch direkt die neue Stelle des Berliner Queer-Beauftragten, man sei vor „vollendete Tatsachen“ gestellt worden und zudem stehe in Frage, ob es überhaupt eine „Notwendigkeit“ für ein solches Amt in Berlin gebe. Die Aufgaben des neuen Queer-Beauftragten seien dabei losgelöst von den Bedürfnissen der Community und so sei das gesamte Unterfangen unwürdig für die Regenbogenhauptstadt, so die Berliner Grünen weiter.

Konstante Angst vor Angriffen

Gegenüber der Berliner Zeitung erklärte Pantisano, dass es großen Handlungsbedarf bezüglich der Lebenssituation von LGBTI*-Menschen in Berlin geben würde. „Es gibt noch so viele rechtliche Missstände, an die wir ranmüssen. Wir sagen auf der einen Seite, Berlin ist die Regenbogenhauptstadt, und unter diesem Schirm des Regenbogens geben wir vor, dass man sich hier sicher fühlen kann. Doch die Realität sieht anders aus, denn viele queere Menschen leben in konstanter Angst vor Diskriminierung oder Angriffen.“

Attacken auf schwule Männer sind Alltag in Berlin

Und in der Tat sind wie landesweit auch in Berlin die Fälle von Hasskriminalität zuletzt stark angestiegen, die Gewaltberatungsstelle Maneo verzeichnete offiziell im vergangenen Jahr rund 760 Angriffe, wobei 80 bis 90 Prozent der Attacken gar nicht erst gemeldet werden würden. Realistisch betrachtet kann also von über 7.000 Angriffen auf LGBTI*-Menschen im Jahr 2022 allein in Berlin ausgegangen werden.

Die meisten Vorfälle geschehen in der Öffentlichkeit, beispielsweise im Nahverkehr. Zumeist kommt es dabei zu Beleidigungen, Körperverletzungen, Bedrohungen sowie Nötigungen. In den allermeisten Fällen werden schwule Männer angegriffen. Maneo spricht in diesem Zusammenhang von einem „tiefverankerten gesellschaftlichen Problem“. Viel zu tun für den neuen Queer-Beauftragten der Regenbogenhauptstadt. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenDie Presse„Vor Scham im Boden versinken“: Audi-Chef Döllner erntet harsche Kritik für Auftritt bei Trump-WahlkampfSüddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.
Grusel trifft Glamour

Halloween wird schwul

Von Madonna bis „Heated Rivalry“: Diese Halloween-Kostüme bringen schwulen Glamour, viel nackte Haut und reichlich Selbstironie auf die Party.
Eine Frage der Größe

Doku sorgt für Debatten

Die Dokumentation „Manhood“ zeigt Männer, die für einen größeren Penis viel Geld ausgeben und sorgt damit aktuell für viele Debatten.
Abschied von Walter Koenig

Trauer um Star-Trek-Legende

Der „Star Trek“-Schauspieler Walter Koenig ist mit 90 Jahren gestorben. Für die Community bleibt seine Freundschaft mit George Takei in Erinnerung.
LGBTIQ+-Kino erobert Rom

Community-Filme feiern Erfolge

Das Filmfestival in Rom feiert einen starken Jahrgang des LGBTIQ+-Kinos. Gleich mehrere LGBTIQ-Filme sorgen international für Aufmerksamkeit.
Pflastersteine als Protest

25.000 Dollar für den Pride

Aus einem entfernten Regenbogen-Zebrastreifen in Miami Beach wird ein Zeichen des Widerstands: Eine Dragqueen sammelte damit Geld für Pride-Feste.
Mika Brunold auf Erfolgskurs

Coming-Out beflügelt Tennisprofi

Der Schweizer Tennisprofi Mika Brunold feiert mit 22 Jahren seinen Durchbruch. Sein Coming-Out hat ihm geholfen, selbstbewusster zu spielen.
Tom DeSimone ist tot

Schwuler Filmpionier gestorben

Der US-Regisseur Tom DeSimone ist mit 87 Jahren gestorben. Er prägte den schwulen Pornofilm und machte später mit Horror- und Kultfilmen Karriere.
Eskalation im Senegal

Sieben Jahre Haft für Schüler

Ein Schüler muss wegen homosexueller Handlungen sieben Jahre ins Gefängnis. Kurz vor den Olympischen Jugendspielen wächst die Sorge um die Athleten.